Donnerstag, 30. Mai 2013

Politische Hashtags - für Hamburg und die Welt

Immer wieder werde ich gefragt: Wie kann ich eigentlich auf Twitter meine Reichweite erhöhen und dafür sorgen das meine Positionen und Ideen möglichst viele Menschen mitbekommen? Und wie kann ich Themen, die mich interessieren verfolgen und monitoren, ohne 24 Stunden am Tag vor Twitter zu sitzen?

Darauf antworte Ich: Richtig viele Menschen wirst Du direkt via Twitter nicht erreichen, da dieses Netzwerk in Deutschland aktuell lediglich 825.000 Menschen aktiv nutzen. Aber Du erreichst hier natürlich die Multiplikatoren wie Journalisten, Politiker und wichtige Netzmenschen.

Hashtag #hhbue im Twitterstream
Und: Eine Reichweite über deinen Followerstamm hinaus und mehr Re-Tweets bekommst Du, wenn Du endlich mal anfängst Hashtags kontinuierlich einzusetzen. Aber da fängt es schon an: Woher bekommt man die eingeführten und genutzten Hashtags?

Entweder man setzt selber Standards, wie ich dies mit #hhbue Anfang 2011 getan habe.

Oder man bekommt mit der Zeit ein Gefühl bei Twitter, welche Hashtags für meine Themen benutzt werden und gebräuchlich sind.

Um den Einstieg zu erleichtern, habe ich nun einmal angefangen gebräuchliche Hashtags zu sammeln - der Beginn eines Glossars. 

Liebe Webtrolle: Ich weiß, das dies noch nicht alle Hashtags sind und möglichweise ist der ein oder andere noch oder nicht mehr so gebräuchlich. Ich freue mich daher also über konstruktive Anmerkungen, Ergänzungen und Hinweise auf zusätzliche Hashtags. Über Häme freue ich mich nicht.


Politische Hashtags für Hamburg


Landespolitik


#hhbue - Alle Tweets rund um die Hamburgische Bürgerschaft und die Landespolitik der Hansestadt. Vor allem spannend am Rande der Bürgerschaftssitzungen, wo via Twitter meistens interessante  Parallell-Debatten stattfinden. Aktuell haben 42 Bürgerschaftsabgeordnete einen Twitter-Account. Die Liste aller twitternden MdHB kann hier abboniert werden.

#hhsenat - Alle Tweets mit Zusammenhang zur Politik des Hamburger Senats rund um den ersten Bürgermeister @OlafScholz

Parteien 


#spdhh - Alle Tweets rund um die Hamburger SPD. 
#cduhh - Alle Tweets rund um die Hamburger CDU. 
#gruenehh - Alle Tweets rund um die Hamburger Grünen. 
#linkehh - Alle Tweets rund um die Hamburger Linken. 
#fdphh - Alle Tweets rund um die Hamburger FDP.

#piratenhh - Alle Tweets rund um die Hamburger Piratenpartei . 
#pirathaus - Alternativer Hashtag für die Hamburger Piratenpartei, Einsatz in Wahlkampfzeiten.
#dieparteihh - Alle Tweets rund um die Die PARTEI Hamburg.
#fwhh - Alle Tweets rund um die FREIE WÄHLER Hamburg.
#oedphh - Alle Tweets rund um die ödp Hamburg. 

Und wenn man bei Tweets zu den Parteien auch eigene inhaltliche Positionen vertreten möchte, kann man den Hashtag noch mit einem - für negative und mit einem + bei positiver Bewertung am Ende ergänzen. Damit würde der Tweet auch bei der Messung der politischen Stimmung im Netz gezählt. Sascha Lobo versucht diese gerade mit Hilfe des Twitterbarometers zu messen.

Bezirke:


#bvaltona - Tweets rund um die Bezirksversammlung Altona.
#bvebuettel - Tweets rund um die Bezirksversammlung Eimsbüttel.
#bvmitte - Tweets rund um die Bezirksversammlung Mitte.
#bvnord - Tweets rund um die Bezirksversammlung Hamburg-Nord.
#bvharburg - Tweets rund um die Bezirksversammlung Harburg.
#bvberge - Tweets rund um die Bezirksversammlung Bergedorf.
#bvwandsbek - Tweets rund um die Bezirksversammlung Wandsbek.

Wahl:


#btw13 - Alle Tweets mit Bezug zur Bundestagswahl 2013 und zum Wahlkampf, bundesweit
#wahl2013 - Alle Tweets mit Bezug zur Bundestagswahl 2013 und zum Wahlkampf, bundesweit
#wahlhh - Alle Tweets zur Bundestagswahl mit Hamburgbezug

Inhaltliche Hashtags:


#netzpolitik - Allles rund um die Netzpolitik, bundesweit
#UHUN - Unser Hamburg - Unser Netz, Tweets zum Volksbegehren zum Netzrückkauf in Hamburg am 22. September 2013.

Danke für die Inspiration an Christoph Braun.


AUFRUF: Fehlen hier noch Hashtags oder sind genannte nicht mehr aktuell?
Ich freue mich über jedes Feedback im Sinne der hanseatischen Twitter-Szene.




Mittwoch, 22. Mai 2013

Katharina Wolff: Meine Erfahrungen als „Newbie“ in der Hamburgischen Bürgerschaft

Seit 2011 sitzt Katharina Wolff als jüngstes Mitglied der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft. Die Hälfte der Legislaturperiode ist rum, Zeit einmal zurückzublicken auf die ersten Erfahrungen als Neuparlamentarierin. Dies ist ein Gastbeitrag von Katharina Wolff.


Katharina Wolff vor dem Hamburger Rathaus, 
Sitz von Parlament und Regierung
Der Start in mein Abgeordnetendasein als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft begann zunächst mit einer großen Ernüchterung. Monatelang hatte ich auf den Wahlabend hingearbeitet, hatte mir bei Wind und Wetter am Infotisch die Beine in den Bauch gestanden. Hatte Plakate geklebt, Flyer verteilt, zahllose Bürgergespräche geführt und jedem potentiellen Wähler aus meinem Wahlkreis gefühlt mindestens dreimal persönlich die Hand geschüttelt. Dann kam endlich der lang ersehnte Tag der Wahl, der Tag der Entscheidung, an dem sich herausstellen sollte, ob sich all die Mühen am Ende ausgezahlt haben sollten. Und dann ... dann kam erstmal nichts. Zwar wurde am Abend der Bürgerschaftswahl die Verteilung der Sitze je Partei bekannt gegeben, für Wahlkreiskandidaten wie mich, begann jetzt aber erstmal eine Zeit des Wartens. Dem neuen Wahlrecht und seinen Möglichkeiten zum Panaschieren und Kumulieren sei dank, dauerte das Auszählen der Stimmen so lange, dass ich erst drei Tage später herausfinden konnte, dass ich in die Bürgerschaft eingezogen war. Ich weiß nicht mehr wie häufig ich die Internetseite des Statistikamtes Nord angewählt habe, bis da endlich die erlösende Nachricht erschien, dass es geklappt hatte.

Der Einzug in die Hamburgische Bürgerschaft und damit verbunden die Tatsache die Menschen aus meinem WahlkreisHarvestehude/Rotherbaum/Hoheluft-West die nächsten vier Jahre parlamentarisch repräsentieren zu dürfen, war für mich dann das Erreichen eines großen Zieles und ein stückweit auch die Erfüllung eines Traums. Endlich durfte ich da mitreden und mitgestalten, wo die großen und wichtigen Entscheidungen für Hamburg und die fast zwei Millionen Menschen in unserer Stadt getroffen werden.

Dass mein Einzug in die Bürgerschaft für mich persönlich eine Herausforderung darstellen würde, war mir dabei von vorneherein klar. Ich wusste, dass ich als „nur“ 27 jährige Frau unter besonderer Beobachtung stehen würde. Das hatte für mich zunächst durchaus positive Auswirkungen: Für die Presse war ich ein gern gesehenes Motiv, dies umso mehr, da ich mit meiner Vergangenheit als Sängerin schon einen gewissen Bekanntheitsgrad bei den Medien hatte. 

 
 

Über mangelnde Aufmerksamkeit von Seiten der Öffentlichkeit konnte ich mich so also zunächst nicht beklagen. 

Schwieriger war da schon der Start in die parlamentarische Arbeit selber. Auch Kolleginnen und Kollegen anderer Parteien waren wie ich darüber überrascht, wie wenig „Starthilfe“ von Seiten der Bürgerschaftskanzlei dabei uns neuen Abgeordneten an die Hand gegeben wurde. Man mag es glauben oder nicht, die Bürgerschaft bietet zwar regelmäßig Führungen für Touristen und Besucher an, für uns neue Abgeordnete gab es aber keine Einweisung, wo was zu finden ist. Natürlich kann man sich das alles sehr schnell selbst erschließen, aber als junge Abgeordnete kommt man sich am Anfang schon manchmal etwas hilflos vor, wenn man durch das große und großartige Hamburger Rathaus irrend nach dem richtigen Sitzungssaal sucht.


Katharina Wolff im Plenarsaal der Bürgerschaft
Auch die parlamentarischen Spielregeln sind am Anfang zum Teil etwas gewöhnungsbedürftig gewesen. Ich glaube, dass alle, die ein parlamentarisches Mandat anstreben vor allem eines machen wollen, nämlich anpacken und eigene Ideen und Vorschläge umsetzen. Dieser Eifer prallt dann aber sehr schnell auf die bändigende Macht der Tagesordnungen von Ausschuss-, Fraktions- und Bürgerschaftssitzungen. Dass die Rednerlisten manchmal doch nicht nach der Größe der Fraktionen abgearbeitet werden, dass man unter „Verschiedenes“ nichts inhaltliches oder thematisches mehr sagen darf, daran muss man sich erst gewöhnen.

Auch wie ich die Mitarbeiterpauschale von 2.600 € verwenden darf, ob ich sie z.B. aufsplitten oder nur an eine Person vergeben darf und wie genau das mit den Verträgen geht wurde nur semi-gut erklärt. Immerhin gibt es vorgefertigte Verträge und es wird einem gesagt wo man sie findet. Und am wichtigsten: Man wird tatsächlich sofort darüber belehrt, dass man keine Verwandten (bis zum 2. Grad) und keine Lebenspartner einstellen darf. Ist also etwas transparenter als in Bayern. 

Abgeordnete sein, heißt also learning by doing.


Katharina Wolff am Rednerpult
Wann darf man Zwischenfragen während einer Rede stellen und geht das von der eigenen Redezeit ab? Welche parlamentarischen Instrumente stehen einem als Abgeordneten eigentlich zur Verfügung? Wie unterscheidet sich beispielsweise eine Schriftliche Kleine Anfrage (SKA) von einer Großen Anfrage (GA) und wie lange hat der Senat Zeit darauf zu antworten? Auch die Frage, welche Gelder einem für das eigene Abgeordnetenbüro zur Verfügung stehen, wofür man die Abgeordnetenpauschale verwenden darf und dass einem beim unentschuldigten Fehlen bei einem Ausschuss gleich das Sitzungsgeld gekürzt wird, sind Dinge die man am Anfang erst lernen muss.

An der einen oder anderen Stelle hätte ich mir gewünscht, dass mir am Anfang mehr Informationen zur Verfügung gestanden hätten. Ich glaube aber, dass die Tatsache als Abgeordnete oder Abgeordneter neu in ein Parlament eingezogen zu sein, so überwältigend ist, dass damit immer auch der Beginn einer Entdeckungsreise verbunden ist, um sich als Mitglied in diese so wichtige und großartige Institution einzufinden.

Ich bin jeden Tag für die vielen Menschen dankbar, die mich dabei unterstützt haben. Meine Kollegen in der Fraktion, aber vor allem aber auch die vielen Mitarbeiter der Fraktion und der Bürgerschaftskanzlei, waren unglaublich hilfsbereit. So hatte ich dann doch, wenn auch nicht ganz von alleine, die nötige Hilfestellung, um mich zurechtzufinden, um dann doch recht schnell mit der inhaltlichen Arbeit beginnen zu können. Dafür habe ich mich schließlich wählen lassen. 


Die Autorin
Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft
MdHB Katharina Wolff (CDU)
Katharina Wolff hat Rechtswissenschaften in Hamburg studiert und ihr Studium als Diplom Juristin 2009 abgeschlossen.

Seit 2010 ist Frau Wolff Mitglied des Bundesvorstands der Jungen Union Deutschlands und sitzt seit Februar 2011 für die CDU als Wahlkreisabgeordnete in der Hamburgischen Bürgerschaft. Hier ist sie Sprecherin für Gleichstellung und Netzpolitik.

Beruflich ist Frau Wolff seit Anfang 2010 Gründungsgesellschafterin und Managing Director von der, auf den Onlinemarkt spezialisierten, Personalberatung Premium Consultants GmbH und hat die Beteiligungsgesellschaft Wolff Ventures GmbH gegründet, mit der sie junge Startups als Business Angel unterstützt.





Dienstag, 14. Mai 2013

Wer kommentiert auf Politiker-Facebook-Profilen?

Facebook ist das beliebteste soziale Online-Netzwerk der deutschen Internetnutzer und ist auch unter deutschen Politikern eine populäre Plattform für Kommunikation im Social Media-Bereich. Nutzer können dort mit Politikern direkt kommunizieren, indem sie deren Statusmeldungen kommentieren. Bisher ist jedoch unklar, wer diese Möglichkeit nutzt und welches Potential Facebook für die politische Kommunikation besitzt. Von zentraler Bedeutung ist dabei, ob es sich bei den Kommentatoren vor allem um Bürger handelt oder ob vor allem andere Anspruchsgruppen von Politikern, wie zum Beispiel Bürgerinitiativen, Verbände oder Unternehmen, diesen Zugang zu Politikern nutzen.

Technische Universität Ilmenau
Logo der TU Ilmenau
Dieser Gastbeitrag von Ann-Christin Nowak basiert auf ihrer Bachelorarbeit am Fachgebiet PR & Technikkommunikation des Instituts für Medien und Kommunikationswissenschaft der TU Ilmenau, die sich der Fragestellung widmete: Wer sind die aktiven Facebook-Nutzer, die auf Profilen von Politikern deren Statusmeldungen kommentieren?

285 zufällig ausgewählte Kommentatoren von 59 Bundestagsabgeordneten und Landtagsabgeordneten wurden mittels einer Inhaltsanalyse ihrer Facebook-Profile, ihrer verfassten Beiträge und der von ihnen kommentierten Politiker-Facebook-Profile untersucht. Die Kommentatoren kommunizierten ausschließlich als Privatpersonen bzw. Bürger mit dem Politiker. Es konnte kein Hinweis darauf gefunden werden, dass Vertreter von Bürgerinitiativen, Verbänden oder Unternehmen diesen Kanal zur Ansprache von Politikern nutzen. Jedoch zeigte sich beim Großteil der Kommentatoren ein Engagement in einer oder mehreren Anspruchsgruppen von Politikern in Form von einem Interesse oder einer Mitgliedschaft.  

Das Engagement der Kommentatoren wurde anhand der angegebenen Interessen, Aktivitäten, Abonnements, „Gefällt mir“-Angaben, den Angaben auf der Info-Seite sowie dem verfassten Beitrag vorgenommen. Weitere Bestandteile des Facebook-Profils, wie zum Beispiel das Foto und der Name, konnten als Kontextinformation herangezogen werden.

Die Kommentatoren engagierten sich am häufigsten in politischen Organisationen (55%) und Parteien (38 %). 

Anspruchsgrupppen u.a. Partei, Wirtschaft, Soziales, Wissenschaft oder Umwelt
Engagement der Kommentatoren in einzelnen Anspruchsgruppen (n=285)

























Bei der Mehrheit der Kommentatoren wurde keine Angabe zur politischen Einstellung auf den Profilen getroffen. Diejenigen Kommentatoren mit einer politischen Einstellung tendierten jedoch vor allem zu den Linken (23 %) und der SPD (22 %). Schlusslicht war Bündnis 90/Die Grünen (12 %). Mit 78 Prozent der Kommentatoren waren es vor allem Männer, die diesen Weg der Kontaktaufnahme mit deutschen Parlamentariern wählen.

Das Durchschnittsalter der Kommentatoren von 46 Jahren spiegelte wider, dass gerade ältere Personen sich eher politisch engagieren. Hinsichtlich der Nutzung sozialer Online-Netzwerke zeigte sich auf der einen Seite, dass eher Personen aus Altersgruppen aktiv sind, die ansonsten einen geringen Anteil der Community-Nutzer ausmachen. Auf der anderen Seite entsprach die parteipolitische Ungebundenheit der Kommentatoren den Nutzern von sozialen Online-Netzwerken. Eine weitere erhobene Eigenschaft der Kommentatoren war deren Anzahl an Facebook-Freunden. Es zeigte sich jedoch keine Tendenz hinsichtlich der Größe des Netzwerks der untersuchten Kommentatoren.

Wurden Kommentatoren und Politiker gemeinsam betrachtet, zeigte sich, dass sowohl bei den Kommentatoren von Landtagsabgeordneten als auch von Bundestagsabgeordneten regionale Nähe zum kommentierten Politiker von großer Bedeutung ist. Ebenfalls kommentierten Nutzer, die eine Parteipräferenz aufweisen, hauptsächlich Politiker ihrer „eigenen“ Partei. Vor allem die FDP-Anhänger blieben unter sich. Dies könnte darauf hindeuten, dass Facebook von parteipolitisch gebundenen Kommentatoren stärker als Plattform für eine Art interne Parteikommunikation genutzt wird.  


 Parteiübereinstimmung von Kommentatoren und Politikern
Die Untersuchung der der inhaltlichen Ebene der Beiträge lässt die Vermutung zu, dass es sich bei den Kommentatoren häufig um private Kontakte des Politikers handelt und auf privaten Profilen vor allem privater Austausch stattfindet.

 

Fazit


Insgesamt hat sich gezeigt, dass hauptsächlich Bürger den Kommunikationskanal Facebook in Form des Kommentierens zur Kontaktaufnahme mit Politikern nutzen. Es konnte nicht ausgemacht werden, dass Facebook auf diese Weise von Unternehmen, Bürgerinitiativen oder Verbänden als Lobbying-Plattform genutzt wird. Facebook birgt demnach durchaus Potential für politische Kommunikation hinsichtlich der direkten Kommunikation zwischen Politiker und deren Zielgruppe der Bürger. Jedoch lassen die Ergebnisse auch darauf schließen, dass es sich bei den Bürgern, die auf Politiker-Facebook-Profilen kommentieren, wahrscheinlich um Personen handelt, die sowieso schon politisch aktiv sind. Zum einen zeigt sich im Vergleich der Kommentatoren sowohl mit Nutzern von sozialen Online-Netzwerken als auch mit Personen, die bestimmte politische Aktivitäten aufweisen, dass die untersuchten Kommentatoren in den Eigenschaften Geschlecht, Alter und politisches Interesse eher den politisch Aktiven entsprechen und weniger den durchschnittlichen Nutzern sozialer Online-Netzwerke.



Die Autorin

Ann-Christin Nowak hat ihre Bachelorarbeit am Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft (IfMK) der TU Ilmenau geschrieben. Nach ihrem Bachelorabschluss arbeitet sie als Volontärin bei einer Berliner Kommunikationsagentur.     











Dienstag, 7. Mai 2013

Wie wahlentscheidend ist das Internet 2013?

Vor einigen Tagen schwappte wieder eine neue Studie zum Zusammenhang von politischem Engagement und Social Media über den Teich. Das PEW Forschungszentrum aus Washington untersuchte die Frage: Wie haben sich das Online-Aktivitäten der Wähler im US-Wahlkampf 2012 im Vergleich zu 2008 verändert?
Logo PewResearchCentre

Mit Interessanten Ergebnissen:

- 39 % der Amerikaner waren im Wahlkampf
  2012 via Social Media politisch aktiv
- 34% aller erwachsenen US-Amerikaner
  haben online versucht ein
  Regierungsmitglied zu kontaktieren oder
  äußerten sich online politisch in einem öffentlichen Forum
- 17% der Amerikaner haben im untersuchten Zeitraum eine Online-Petition unterschrieben
- 18% der Amerikaner versuchten ein Regierungsmitglied per Email zu kontaktieren
- Junge Erwachsene engagieren sich ebenso politisch wie ältere, und sind zudem häufiger auf Social-
   Media-Kanälen politisch aktiv

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich das politische Engagement auf den Seiten sozialer Netzwerke enorm gesteigert hat und auch zu weiteren politischen Aktivitäten geführt hat.

Doch wie sieht die politische Internet- und Social-Media-Nuzung In Deutschland aus?  

 

Logo BITKOM
Hierzu hat der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) heute die forsa-Studie "Demokratie 3.0 – Bedeutung des Internets für den Wahlkampf" veröffentlicht. 



An dieser Stelle möchte ich einige ausgewählte Ergebnisse vorstellen:


60% der Wähler informieren sich über Politik im Internet



















Schon 60 Prozent der Befragten informieren sich über politische Themen online, nach Fernsehen, Tageszeitung und Radio ist das Netz bereits heute die viertwichtigste Informationsquelle - über alle Bevölkerungsgruppen.

80% der 18-29Jährigen informieren sich online über Politik



















Bei den Wahlberechtigten bis 30 Jahre ist das Internet heute schon die zweitwichtigste Informationsquelle, 80 Prozent informieren sich online über Politik.  Nur das Fernsehen wird noch häufiger zur politischen Information genutzt. Dies bestätigt auch die Zahlen der ProSiebenSat.1. AG-Nichtwähler-Studie.

Wo informieren sich die Wähler im Internet über Politik? 


35% der Wähler informieren sich in sozialen Netzwerken über Politik



















Über alle Bevölkerungsgruppen hinweg informiert sich im Jahr 2013 bereits jeder Dritte via Social Media über politische Themen. Damit sind soziale Netzwerke eine wichtigere Quelle als Webseiten von Ministerien, Behörden, Parteien oder die Webseiten von Politikern.

55% der 18-29Jährigen informieren sich via Socal Media über Politik



















Schaut man sich nur die Zielgruppe der 18-29jährigen an, sieht man das Social Media sogar noch wichtiger für die politische Information ist. 55 Prozent der jungen Wähler informiert sich bei Facebook, YouTube, Twitter und Co über politische Inhalte. Nur noch die Webseiten von spiegel.de, zeit.de, tagesschau.de, sueddeutsche.de, faz.net und stern.de werden hierfür noch häufiger genutzt.

Neben dieser passiven Informationsaufnahme interesierte forsa auch die Frage nach der aktive Onlin-e-Beteiligung an Wahlkämpfen.

Vergleich verschiedener Online-Aktivitäten im Zusammenhang mit Wahlkampf



















Und hier erhielten die Befrager ein ähnliches Ergebnis wie in den USA. Über ein Drittel der Befragten beteiligt sich online aktiv am Wahlkampf. Bei den Jüngeren sind dies sogar fast zwei Drittel. Wobei auch hier wieder unterschieden werden muss. Die größte Aktivität zeigen die Wähler beim Drücken von "Gefällt mir"-Buttons oder beim Teilen von Inhalten. Dieser "Klicktivismus" wurde schon an verschiedensten Stellen kritisiert, da es sich hierbei nicht um eine wirkliche Aktivität handelt. Aktivitäten die mehr Zeit und Einsatz erforderten kommen bei den Wählern auch wesentich geringer zum Einsatz.

Bleibt die zentrale Frage aller wahlkämpfenden Politiker, Parteistrategen und Agenturen: Wie wahlentscheidend ist das Internet denn nun am 22. September 2013 bei der Bundestagswahl? 

37% der Bundesbürger finden es wahlentscheidend wie Parteien das Internet im  Wahlkampf nutzen

Diese Zahl wird wohl auch einige aktive Wahlkämpfer überraschen. Für über ein Drittel der Deutschen ist wahlentscheidend wie die Parteien das Internet im Wahlkampf nutzen werden. Bei den bis 30jährigen ist dies sogar für fast 50 Prozent der Wähler wahlentscheidend.

Zudem erwarten 73 Prozent der Wähler von einem "guten Politiker", das er das Internet für den direkten Dialog mit dem Bürger nutzt. 

Nicht jeder Politiker kann und will die Möglichkeiten die Social-Media und andere Online-Instrumente bieten für den Dialog mit seinen potentiellen Wählern nutzen. Dies muss er auch nicht. Die Zielgruppen und deren Ansprache varieren von Politiker zu Politiken. Doch jeder Politiker der junge Menschen und politikferne Zielgruppen erreichen will sollte diese Zahlen ernst nehmen.

Der Online-Wahlkampf kann kommen! 

Und hier habe ich mal analysiert wie die 620 Bundestagsabgeordneten Social Media zu Beginn des Wahljahres 2013 nutzen. 

Einen Überblück über die Social-Media-Aktivitäten der Parteien bietet die Social-Media-Analyse-Plattform Pluragraph.de.

Zur Präsentation der Studie hat der BITKOM auch eine gelungene Infografik gestaltet, die die wichtigsten Infos noch einmal schön zusammenfasst, Voila: