Dienstag, 1. September 2015

Die Bundesländer auf Facebook - Welches Land kommuniziert am erfolgreichsten?

Im August 2014 habe ich mir an dieser Stelle die Facebookpräsenzen der 16 deutschen Landesregierungen einmal genauer angeschaut. Aktuell gibt es dort 29 Facebookseiten von Landesministerien und den Landesregierungen selber.

Neben diesen Accounts haben mittlerweile aber auch alle Bundesländer eigene Facebookseiten aufgebaut. Doch wie erfolgreich nutzen die Länder den Kanal Facebook für den Dialog mit den eigenen Bürgern? Zeit für eine Analyse der 16 Bundesländer-Seiten auf Facebook.

Bevor es losgeht, zu Beginn eine Bestandsaufnahme der Seiten:

Berlin  

Screenshot
Facebookseite Land Berlin
Seitenname: Berlin - the place to be
Betreiber: Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH
aktiv seit: 28.10.1237 (sic!), (nehme an, sie meinen 04.04.2008, Tag des ersten Postings)
Fanzahl: 1.674.617
Verifiziert: nein


Hamburg


Facebookseite Freie- und Hansestadt Hamburg
Seitenname: Hamburg - meine Stadt
Betreiber: hamburg.de GmbH & Co. KG
aktiv seit: 08.04.2008
Fanzahl: 780.783  
Verifiziert: nein





Freistaat Bayern

Facebookseite Freistaat Bayern
Seitenname: Unser Bayern
Betreiber: Bayerische Staatskanzlei
aktiv seit: 02.08.2011
Fanzahl: 414.464
Verifiziert: Ja




Saarland

Facebookseite Saarland
Seitenname: Saarland.de
Betreiber: Staatskanzlei Saarland
aktiv seit: 26.11.2008
Fanzahl: 75.647
Verifiziert: nein




Niedersachsen 

Facebookseite Reiseland Niedersachsen
Seitenname: Mein Niedersachsen
Betreiber: TourismusMarketing Niedersachsen GmbH
aktiv seit: 12.08.2009
Fanzahl: 53.155
Verifiziert: nein



Bremen 

Facebookseite Hansestadt Bremen
Seitenname: Bremen.de
Betreiber: WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH
aktiv seit: 28.06.2010
Fanzahl: 47.438
Verifiziert: nein



 Nordrhein-Westfalen  

Facebookseite Land Nordrhein-Westfalen
Seitenname: Land NRW 
Betreiber: Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, Referat „Kommunikationsplanung, elektronische Medien, vernetzte Öffentlichkeitsarbeit“
aktiv seit: 14.02.2011
Fanzahl: 31.945
Verifiziert: nein

Schleswig-Holstein

Facebookseite Schleswig-Holstein
Seitenname: Schleswig-Holstein.de 
Betreiber: Der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein - Staatskanzlei
aktiv seit: 24.05.2009
Fanzahl: 31.744
Verifiziert: nein



Baden-Württemberg 

Facebookseite Baden-Württemberg
Seitenname: BW-jetzt 
Betreiber: Staatsministerium Baden-Württemberg, Referat Landesmarketing und Veranstaltungen
aktiv seit: 06.09.2011
Fanzahl: 19.138
Verifiziert: nein


Hessen 

Facebookseite Hessen
Seitenname: Hessen.de 
Betreiber: Hessische Landesregierung
aktiv seit: 31.05.2012
Fanzahl: 10.373
Verifiziert: nein




 Sachsen-Anhalt

Facebookseite Sachsen-Anhalt
Seitenname: Sachsen-Anhalt.de 
Betreiber: Land Sachsen-Anhalt,
Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt
Presse- und Informationsamt
aktiv seit: 20.02.2013
Fanzahl: 7.759
Verifiziert: nein


Mecklenburg-Vorpommern 

Facebookseite Mecklenburg-Vorpommern
Seitenname: MV tut gut 
Betreiber: Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern, Landesmarketing MV 
aktiv seit: 23.10.2013
Fanzahl: 5.971
Verifiziert: nein



Rheinland-Pfalz

Facebookseite Rheinland-Pfalz
Seitenname: Rheinland-Pfalz.de 
Betreiber: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
aktiv seit: 09.01.2013
Fanzahl: 5.640
Verifiziert: nein



Freistaat Sachsen

Facebookseite Freistaat Sachsen
Seitenname: Sachsen.de 
Betreiber: Freistaat Sachsen,
Sächsische Staatskanzlei
aktiv seit: 15.03.2011
Fanzahl: 4.085
Verifiziert: nein



Freistaat Thüringen

Facebookseite Freistaat Thüringen
Seitenname: Freistaat Thüringen 
Betreiber: Freistaat Thüringen,
Thüringer Staatskanzlei
aktiv seit: 15.03.2013
Fanzahl: 3.482
Verifiziert: nein



Brandenburg 

Facebookseite Brandenburg
Seitenname: Tolerantes Brandenburg 
Betreiber: Koordinierungsstelle "Tolerantes Brandenburg" der Landesregierung
aktiv seit: 15.04.2011
Fanzahl: 3.025
Verifiziert: nein



Diese Übersicht zeigt bereits sehr schön, wie unterschiedlich die Bundesländer Facebook nutzen. Abgesehen von den sich stark unterscheidenden Fanzahlen (die auch nur wenig über den Erfolg oder Misserfolg einer Seite aussagen), geben die Seitennamen und die jeweiligen Betreiber bereits Hinweise auf die unterschiedliche Ausrichtung.

12 von 16 Fanseiten werden direkt von den Landesregierungen bzw. deren Staatskanzleien betrieben. Die beiden Seiten mit der quantitativ größten Reichweite - Berlin und Hamburg - werden hingegen von Joint Ventures zwischen Staat und Privatwirtschaft verantwortet. Die Angebote von Niedersachsen und Bremen von staatlich betriebenen GmbHs. Politische Inhalte finden sich auf den Seiten der Stadtstaaten Berlin und Hamburg leider nicht, der Fokus liegt hier klar auf  Unterhaltung und Veranstaltungshinweisen. Auch im Saarland und Bremen kommen politische Inhalte nur eher am Rande vor.

Die mit Abstand politischste Seite ist die des Freistaates Thüringen. Fast alle Inhalte drehen sich um die Arbeit der Landesregierung.

Die Seiten von Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg sind als reine Landesmarketingseiten konzipiert und kommen ebenso komplett ohne politische Inhalte aus.

Das Land Brandenburg hat keine wirkliche Bundeslandseite, Tolerantes Brandenburg soll die Demokratie im Land fördern und hat somit ein sehr stark zugespitzes Kommunikationsziel.

Offiziell von Facebook verifiziert ist bislang nur die Fanseite des Freistaates Bayern, bei allen anderen 15 Seiten fehlt noch das blaue Häkchen, was die Seiten zu offiziellen Bundesländer-Seiten machen würde. 

Noch ein Wort zur Geschichte der Fanseiten: Bereits seit dem 04. April 2008 existiert die Berliner Fanseite, kurz darauf ging auch die Hamburger an den Start, die jüngste Fanseite ist die Kampagnenseite aus Mecklenburg-Vorpommern, sie besteht seit Oktober 2013.

Dankenswerterweise hat Katja Feuerstein die Fanseiten aller Bundesländer im Juli 2015 (Erhebungszeitraum 06-27.07. 2015) während ihrer Tätigkeit für die Staatskanzlei des Saarlandes sehr intensiv analysiert. Ihr verdanke ich einen großen Datensatz, den ich nun folgend auswerte.

Wie aktiv sind die Seiten?

 

Im ersten Schritt haben wir die Postings im Erhebungszeitraum erfasst. Und siehe da: die Spanne reicht von 7 bis 55 Postings. Während auf der Hamburger Seite durchschnittlich fast zwei Postings am Tag veröffentlicht werden, mussten die Fans von Brandenburg und Schleswig-Holstein durschschnittlich fast drei Tage auf neue Inhalte warten.   

Kontinuierlich zu posten ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei Facebook. Nur dauerhaft bespielte Seiten werden vom Algorithmus als wichtige Inhalte identifiziert und indiziert. Die Häufigkeit auch der weniger aktiven Bundesländer-Fanseiten sollte aber noch ausreichen, um den Algorithmus glücklich zu machen. Und zwei Postings am Tag sind auch ok. Auch wenn jeder Nutzer ein anderees Informationsverhalten hat, geht das noch als normale Frequenz durch.

Da Quantität aber bestenfalls etwas über den Fleiß, das Vorhandensein von (guten) Inhalten und über bestehende personelle Ressourcen aussagt, aber wenig über den Erfolg von Seiten, haben wir im zweiten Schritt geschaut, wie die Postings im Einzelnen bei den Fans angekommen sind.

Wie beliebt sind die Inhalte? 


Noch nicht ganz so aussagekräftig - da durch die stark unterschiedlichen Fanzahlen verzerrt - sind die Werte "Anzahl der durchschnittlichen Likes pro Posting" und "Anzahl der durchschnittlichen Kommentare pro Posting". Beide Werte geben aber schon einen ersten Eindruck, wie beliebt die Inhalte der entsprechenden Seite sind bzw., wie stark die Inhalte dazu motivieren, Feedback zu geben, postiv wie negativ.


Wenig überraschend liegen in dieser Übersicht der absoluten Likes/Postings die vier größten Fanseiten auch in identischer Reihenfolge hintereinander. Bei knapp 1,7 Millionen Fans sind die 1128 durchschnittlichen Likes bei Berlin aber nicht sehr viel. Dies entspricht einer Like-Quote von 0,0006%. Zum Vergleich. Das Saarland kommt mit 384 Likes bei ca. 77.000 Fans auf eine stattliche Likequote von 0,05%. Das ist die mit Abstand beste Quote aller Bundesländer, setzt man die Fans ins Verhältnis zu den Likes pro Posting.

Auffällig wenig Likes in Relation zur Fananzahl gibt es auch in Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Andere Seiten in der Fan-Größenklasse erzeugen wesentlich mehr Likes, wie z.B. Bremen oder Schleswig-Holstein.

Politische Seiten wie die aus Thüringen oder Rheinland-Pfalz bekommen relativ gesehen nicht weniger Likes als reine Tourismusmarketing- und Unterhaltungsseiten. Politische Inhalte werden also genauso viel geliked wie Landschaftsaufnahmen oder Partyhinweise.



































Nur wenige Bundesländer-Fanseiten werden bisher intensiv als Ort für Dialog und Austausch genutzt. Und das, obwohl die Kommentarfunktion eine der wichtigsten Dialogfunktionen bei Facebook ist. Sie wird aber so gut wie nicht genutzt. In acht Bundesländern gibt es durchschnittlich nur einen oder weniger Kommentare pro Posting. Die absolut meisten Kommentare gibt es wie bei den Likes auf den großen Seiten. Relativ gesehen sind diese dann aber auch wieder verschwindend gering. In Sachsen-Anhalt wird nur jedes dritte Posting überhaupt kommentiert, in Hessen und Brandenburg nur jedes zweite.

Die Angst vieler Mitarbeiter von Staatskanzleien, dass ein Dialogangebot automatisch viel Mehrarbeit bedeuten muss, können diese Zahlen widerlegen. Der Moderationsaufwand düfte über den Monat verteilt bei den meisten Seiten wenige Minuten umfassen.

Die Interaktionsrate


Eine lebendige Community ist im Grunde genommen ein Messinstrument für jede Social-Media-Plattform. Je höher die Interaktionsrate ist, umso mehr eigene Fans bekommen auch die eigenen Inhalte im Stream angezeigt. Deshalb sollte das Ziel jeder Facebook-Kommunikation - wenn man wahrgenommen werden möchte - eine hohe Interaktionsrate sein.

Die Interaktionsrate berechnet sich wie folgt:
Anzahl der Likes/Monat + Anzahl der Kommentare/Monat + Anzahl der Shares/Monat                                                    geteilt durch Anzahl der Fans

Studien zeigen, dass die größten 20 Marken in Deutschland durschnittlich eine Interaktionsrate von 0,31% haben. Bei Fanseiten über 100.000 Fans pendelt sie sich meistens bei 0,075% ein.


Beim ersten Rechnen dachte ich, ich hätte mich verrechnet. Nein, auch beim zweiten und dritten Versuch erzielte die Fanseite des Saarlandes die enorme Interaktionrate von 269 Prozent (sic!).

Das spricht für eine sehr agile und gut gepflegte Community, die überaus gerne mit der Seite interagiert.





















Normal sind im Vergleich aber eher Raten zwischen eins und acht Prozent. Auch diese sind - vergleicht man sie mit den oben genannten Referenzzahlen - überdurchschnittlich hoch.

Überrascht haben mich auch hier die Seiten von Thüringen und Rheinland-Pfalz. Politische Inhalte scheinen eine erhöhte Interaktion zu fördern. 

Die größte Fanseite hingegen hat fast die geringste Interaktionsrate, aber auch dies ist, wie beschrieben, nicht ungewöhnlich. Das Community Management wird allein schon mit den jetzigen Interaktionen genügend zu tun haben.

 

Wer wächst, wer schrumpft?



Zum Schluß noch einen Blick auf das Wachstum im Juli 2015.


Außer in Mecklenburg-Vorpommern, wo die beginnende Ferien- und Sommerzeit natürlich perfekt zur Landeskampagne passte, gabs nur sehr geringe Wachstumsraten.


Zwischen 0 und 0,5% bewegt sich das Wachstum aller Bundesländer. Mit Ausnahme der beiden größten Seiten. Sowohl Berlin als auch Hamburg haben im Juli sogar geringfügig Fans verloren. Bei Brandenburg und Schleswig-Holstein tat sich relativ gesehen weder etwas nach oben noch nach unten.

Das Wachstum der Bundesländerseiten ist also eher marginal.

Bei über 30 Millionen deutschen Facebooknutzern, von denen die meisten in mindestens einem Bundesland leben und zu mehreren persönliche Beziehungen haben, ist beim Wachstum und bei der Größe der Community noch sehr viel Potential nach oben.


Fazit 


Wenn man den Erfolg der Facebookseiten mit qualitativen Kennzahlen misst, stehen das Saarland, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern am besten da. Abgesehen vom Saarland überzeugen interessanterweise also eher kleinere und jüngere Fanseiten als die etablierten und großen Fanseiten.

Mit Rheinland-Pfalz ist ironischerweise sogar ein Bundesland in der Spitzengruppe dabei, in dem dank regionaler Datenschützer sogar ein "Rückkanalverbot" existiert. Dieses verbietet Behörden und Verwaltung den Dialog z.B. auf Facebook. Trotzdem begeistert die Seite mit starker Interaktionsrate - auch ohne Feedback der Staatskanzlei in den Kommentaren.

Zudem zeigt sich, dass die meisten Fans auf den älteren Fanseiten zu finden sind. Und, dass sich politische Inhalte sehr positiv auf die Interaktionsrate auswirken. Ich hoffe, dass zukünftig noch weitere Bundesländer nicht nur Schönwetter-Fotos, Partytipps und Gewinnspiele auf Facebook posten, sondern ihre Bürger ernst nehmen und sie in die politische Kommunikation stärker einbinden. Thüringen macht vor, wie das geht.


Co-Autorin:

Katja Feuerstein
Katja Feuerstein ist Journalistin und Geisteswissenschaftlerin. Sie  war u. a. bei Zeitungen, in den Presse- und Eventteams von Festivals, des Grimme-Preises und Grimme Online Awards sowie der Öffentlichkeitsarbeit der Staatskanzlei des Saarlandes beschäftigt. Auch über Ihre Agenturtätigkeit
kennt sie die alltäglichen Herausforderungen des Social Media-Marketings und Community Managements nur zu gut. Bereits in Ihrer Master-Thesis untersuchte sie die sich wandelnden
Formen traditioneller Literaturkritik im Web 2.0. und deren Beeinflussung durch große Online-
Versandhändler. Während des Studiums betreute sie die Webpräsenz eines Sportvereins.
Mehr zu Katja Feuerstein bei XING.



Dienstag, 25. August 2015

Wie aktuell sind die Seiten der Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten?

Am 15. Februar wurde die Hamburgische Bürgerschaft gewählt, am 02. März konstituierte sich das Parlament. Ein Drittel der Parlamentarier ist neu dabei. Seit der ersten Sitzung sind knapp sechs Monate vergangen. Am kommenden Mittwoch trifft sich das Plenum zur ersten Sitzung (.pdf) nach der Sommerpause.

Screenshot
Webseite MdHB Michael Westenberger (CDU)
Heute bin ich über die Webseite von MdHB Michael Westenberger (CDU) gestolpert und entdecke als aktuellste Meldung den Hinweis auf eine seit 9 Monaten vergangene Veranstaltung. Aktuell sieht anders aus. Für mich Anlass einmal zu schauen, wie aktuell die Webseiten der 121 Abgeordneten sind.

Aktuell definiere ich wie folgt: Inhalte die nicht älter als 3 Monate sind, sich also mindestens auf Aktivitäten vor der Sommerpause beziehen.





Analyse







Anzahl der persönlichen Webseiten: 52 von 58 Abgeordneten
Aktuelle Webseiten: 29
Unaktuelle Webseiten: 23
Aktualitätsquote: 55,8 Prozent

Sechs Abgeordnete haben keine eigene Webseite und sind nur mit Profilen auf der Seite der Hamburgischen Bürgerschaft und der SPD-Fraktion abgebildet. Auf diesen Profilen finden sich allerdings auch keine aktuellen Informationen. Rechnet man sie als unaktuell dazu, würde die Aktualitätsquote nur 50 Prozent betragen.











Anzahl der persönlichen Webseiten: 7 von 14 Abgeordneten
Aktuelle Webseiten: 2
Unaktuelle Webseiten: 5
Aktualitätsquote: 33,3 Prozent

Sechs Abgeordnete haben keine eigene Webseite und sind nur mit Profilen auf der Seite der Hamburgischen Bürgerschaft und der Grünen-Fraktion abgebildet. Auf fünf von sechs dieser Profile finden sich aktuelle Informationen. Rechnet man sie als aktuell dazu, würde die Aktualitätsquote  
50 Prozent betragen.








Anzahl der persönlichen Webseiten: 14 von 20 Abgeordneten
Aktuelle Webseiten: 7
Unaktuelle Webseiten: 7
Aktualitätsquote: 50 Prozent

Sechs Abgeordnete haben keine eigene Webseite und sind nur mit Profilen auf der Seite der Hamburgischen Bürgerschaft und der CDU-Bürgerschaftsfraktion abgebildet. Auf diesen sechs Profilen finden sich ebenfalls keine aktuelle Informationen. Rechnet man sie als unaktuell dazu, würde die Aktualitätsquote nur 35 Prozent betragen.












Anzahl der persönlichen Webseiten: 3 von 10 Abgeordneten
Aktuelle Webseiten: 2
Unaktuelle Webseiten: 1
Aktualitätsquote: 66,7 Prozent

Sieben Abgeordnete haben keine eigene Webseite und sind nur mit Profilen auf den Seiten der Hamburgischen Bürgerschaft und der Die Linke. Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft abgebildet. Auf allen sieben Profilen finden sich aktuelle Informationen. Rechnet man sie als aktuell dazu, würde die Aktualitätsquote 90 Prozent betragen.











Anzahl der persönlichen Webseiten: 8 von 9 Abgeordneten
Aktuelle Webseiten: 8
Unaktuelle Webseiten: 1
Aktualitätsquote: 88,9 Prozent

Ein Abgeordneter hat keine eigene Webseite und ist nur mit Profilen auf den Seiten der Hamburgischen Bürgerschaft und der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft abgebildet. Auf diesem finden sich aktuelle politische Informationen. Rechnet man es als aktuell dazu, würde die Aktualitätsquote 90 Prozent betragen.













Anzahl der persönlichen Webseiten: 1 von 8 Abgeordneten
Aktuelle Webseiten: 0
Unaktuelle Webseiten:1
Aktualitätsquote: 0 Prozent

Sieben Abgeordnete haben keine eigene Webseite und sind nur mit Profilen auf der Seite der Hamburgischen Bürgerschaft und der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft  abgebildet. Auf diesen sieben Profilen finden sich ebenfalls keine aktuelle Informationen. Rechnet man sie als unaktuell dazu, würde die Aktualitätsquote weiterhin 0 Prozent betragen.

Fraktionslos


In der Hamburgischen Bürgerschaft sitzen aktuell zwei fraktionslose Abgeordnete: Dora Heyenn und
Nebahat Güçlü. Dora Heyenn hat bisher nur ein Profil auf den Bürgerschaftsseiten, Nebahat Güçlü hat eine persönliche Webseite. Auf dieser finden sich immerhin die Videos ihrer Bürgerschaftsreden
Die fraktionslosen Parlamentarierinnen haben eine Aktualitätsquote von 50 Prozent.

Fazit 


Betrachtet man alle sechs Fraktionen der Bürgerschaft, so haben lediglich 49 der 121 Parlamentarier eine eigene und einigermaßen aktuelle Webseite. Dies entspricht 40,5 Prozent aller Abgeordneten. Rechnet man noch die aktuellen Fraktions-Profile bei einigen Fraktionen mit hinein, erhöht sich die Aktualitätsquote auf  48,7 Prozent (59 Parlamentarier). Am aktuellsten sind die Webseiten der FDP und LINKE.-Parlamentarier gepflegt.

Ich höre noch die Sonntagsreden der Parteien und Abgeordneten am Wahlabend: Die Bekämpfung der niedrigen Wahlbeteiligung in Hamburg soll einer der zentralen Punkte in der laufenden Legislatur werden. Wenn ich mir die Webseiten so anschaue, dann hakt es schon bei den Grundlage: Informationen über die eigene parlamentarische Arbeit zeitnah zur Verfügung zu stellen.

Wenn Bürger sich gar nicht informieren können, dann kann auch kein politisches Interesse bei den Hamburgern entstehen. Unter 50 Prozent aktuelle Webseiten sind ein Armutszeugnis für die Bürgerschaft. 


Update: Nachdem die WELT Hamburg meine Analyse einen Tag nach dem Blogpost aufgegriffen hatte, gabs auf der Webseite von Michael Westenberger nach 10 inaktiven Monaten ein sehr schnelles Update. Bloggen wirkt


Donnerstag, 6. August 2015

Die Webseiten der Europaabgeordneten: Wie informativ und transparent präsentieren sich MdEP im Netz?

Dies ist ein Gastbeitrag von Jessica Kunert. Im Juli 2015 hat sie ihr Promotionsverfahren an der Leuphana Universität Lüneburg abgeschlossen. In der Promotion untersuchte sie die Webseiten der Europaabgeordneten auf Transparenz-, Informations- und Repräsentationsinhalte.

Logo Leuphana Universität Lüneburg
Die Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEPs) und die Bürger – keine leichte Beziehung. Unverständnis für die Arbeit der europäischen Abgeordneten ist vorherrschend. Was von der Arbeit der MdEPs beim Bürger ankommt, hat häufig anekdotischen Charakter, man denke an die Diskussion um die Form von Gurken. Oder die Nachrichten ranken sich um Skandale, wie die BSE-Krise – ansonsten ist die Berichterstattung in den Medien rar gesät. Das zeigt, dass die MdEPs in der Wahrnehmung des Bürgers an untergeordneter Stelle stehen. Dies ist auch an der niedrigen Wahlbeteiligung bei den Europawahlen zu sehen, die eine ähnliche Wichtigkeit haben wie lokale oder regionale Wahlen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Der Apparat der Europäischen Union ist wenig durchschaubar. Das Europäische Parlament bildet keine Ausnahme, allein schon, weil drei verschiedene legislative Verfahren nebeneinander benutzt werden. Auch die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments ist besonders, da die Abgeordneten verschiedene politische Kulturen und Sprachen in die Arbeit des Parlaments einbringen. Außerdem sind die Wahlkreise des Europäischen Parlaments um ein Vielfaches größer als die der nationalen Abgeordneten, was einen direkten Kontakt zum Bürger erschwert. 
 
Webseite MdEP Julia Reda (Piratenpartei)
All dies trägt dazu bei, dass die Kommunikation mit dem Bürger für die Abgeordneten keine leichte Aufgabe ist. Wen sollen die MdEPs ansprechen, und in welcher Sprache? Auf welchen Kanälen? Das Internet und besonders persönliche Webseiten haben das Potential, die Kommunikationslücken aufzufangen. Das Internet besitzt viele Charakteristika, die hierbei von Vorteil sind: es können verschiedene Medien – Text, Videos, Bilder – auf einer einzigen Webseite gezeigt werden, das Internet hat keine Schließszeiten wie es Bürgerbüros haben, und es kann von überall genutzt werden, braucht somit keinen festen physischen Ort. 
 
Wie schaut die Nutzung von persönlichen Webseiten in der Praxis für die deutschen MdEPs (der Wahlperiode von 2009 bis 2014) aus?

Eine Webseite zu haben ist die Norm


Von den 99 untersuchten deutschen MdEPs hat nur ein Abgeordneter keine Website – aber dafür Facebook. Allein dies macht deutlich, dass die Onlinekommunikation für die Abgeordneten einen hohen Stellenwert hat. Der Vergleich mit den Bundestagsabgeordneten (MdBs) zeigt ähnliche Zahlen: von den 621 Abgeordneten hatten nur fünf keine Webseite.



Die Webseiten sind meist nur auf Deutsch gehalten



Screenshot
Webseite Reinhard Bütikofer (Bündnis 90/Die Grünen)
Die gesamte Website in einer anderen Sprache als auf Deutsch zu präsentieren ist dahingegen nicht verbreitet. 97 % der Abgeordneten zeigen ihre Inhalte auf Deutsch, und nur drei MdEPs übersetzen ihre gesamte Webseite in eine andere Sprache. Was allerdings häufiger zu sehen ist, dass Teile der Webseite übersetzt werden, was 25 % der MdEPs tun. Hierbei wird vor allen Dingen der Lebenslauf übersetzt – meist auf Englisch –, und auch Nachrichten. Von den Bundestagsabgeordneten zeigt kaum einer seine gesamte Webseite in einer anderen Sprache, es sind 4 von den 616 Abgeordneten (= 0,75 %). Aber 15 % der MdBs präsentieren einzelne Inhalte in anderen Sprachen. Auch hier ist es meistens der Lebenslauf, der auf Englisch, aber auch auf Französisch, Russisch oder Hebräisch gezeigt wird.

Viele Webseiten zeigen vertiefende Informationen und machen Interaktionsangebote


Wie schaut es mit den Inhalten auf den Webseiten aus? Ein Inhaltstyp sind Elemente, die vertiefende Informationen zeigen und zur Interaktion mit dem Bürger beitragen, wie z.B. ein Weblog oder vertiefende Informationen zum Gesetzgebungsprozess, die durch Reden und Berichte verfügbar gemacht werden. Um einen ersten Eindruck zu geben, wurden diese Elemente, die unten im Einzelnen aufgeführt werden, zu einem Index zusammengefasst, dem Transparenzindex. Hierbei ist in den Grafiken zu sehen, dass sich die MdEPs und die MdBs in ihrem Gebrauch von Transparenzelementen nur wenig unterscheiden.

Balkendiagramm
Abb 1. Transparenzindex Vergelich Europa- und Bundestagsabgeordnete

  Aufgeschlüsselt handelt es sich beim Transparenzindex um folgende Elemente:
 
Abb 2. Transparenzelemente der Webseiten einzeln aufgeschlüsselt


Besonders auffällig ist, dass die MdEPs ihre eigene Arbeit und politischen Funktionen wesentlich häufiger auf ihrer Webseite erklären als die MdBs – was darauf hindeutet, dass die europäischen Abgeordneten besonders daran arbeiten, die Informationslücken in dieser Hinsicht zu schließen. Ein Weblog als Kommunikationsmittel wird dahingegen auf beiden politischen Ebenen kaum genutzt.

Fazit


Alles in allem lässt sich sehen, dass eine persönliche Webseite ein von den MdEPs häufig genutzter Kanal ist, auch im Vergleich mit den nationalen Abgeordneten. Die eigene Sprache herrscht bei den Webseiten vor, selbst wenn einige Teile von einer Minderheit auf Englisch und andere Sprachen übersetzt werden. Bei den Transparenzinhalten unterscheiden sich die MdEPs nur in Details von den MdBs. Das bedeutet, dass die eigene Präsentation online für beide politische Ebenen einen großen Stellenwert einnimmt. So kann nicht nur die Abhängigkeit von den Medien reduziert werden, sondern auch die Informationslücke zu den Wählern zumindest in Teilen geschlossen werden.


Autorin:  

Jessica Kunert
Jessica Kunert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft (Lehrstuhl für Vergleichende Regierungslehre) an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg. Sie hat im Juli 2015 ihr Promotionsverfahren an der Leuphana Universität Lüneburg abgeschlossen. In ihrer Dissertation untersuchte sie die Webseiten von Mitgliedern des Europäischen Parlaments und nationalen Abgeordneten auf Transparenz-, Informations- und Repräsentationsinhalte.

Mittwoch, 29. Juli 2015

Illusion of Knowing durch Social Media?!

Dies ist ein Gastbeitrag von Patricia Müller vom Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Ilmenau. Der vorliegende Text basiert auf dem Vortrag „Just feeling being informed? – Social Network Sites und tatsächliches und wahrgenommenes politisches Wissen“, gehalten am 14. Mai 2015 auf der DGPuK-Jahrestagung in Darmstadt

Logo TU Ilmenau
Eines ist nur wenig strittig: Ein „guter Bürger“ sollte informiert sein, damit er sich am politischen Diskurs beteiligen und seinen Interessen und Einstellungen entsprechende Wahl- entscheidungen treffen kann. Die meisten politischen Themen entziehen sich allerdings der direkten Erfahrbarkeit: Um Kenntnisse über politische Prozesse, Akteure und verhandelte Inhalte wie die Energiewende oder Steuerreformen zu vermitteln, spielen vor allem professionelle journalistische Nachrichtenmedien eine wichtige Rolle. Nun sehen wir, dass – gerade bei jungen Erwachsenen – zunehmend Social Media, und hier insbesondere die Social Network Sites (SNS) genutzt werden, um sich über aktuelle Nachrichten zu informieren. Nutzer erhalten auf Facebook, Twitter und Co. Nachrichten in ihrem persönlichen news stream. Darunter können neben allerhand Privatem, durchaus auch gesellschaftlich relevante Nachrichten sein. Sei es, weil Nutzer selbst Nachrichtenanbieter wie SPIEGEL ONLINE oder Bild abonniert haben oder aber weil ihre Freunde Links zu den Medienbeiträgen teilen. So werden Beiträge zum aktuellen politischen Geschehen teilweise nur zufällig gesehen – was zwar nicht unbedingt der Idealvorstellung einer gezielten Informationssuche entspricht, aber erst mal unproblematisch ist, solange man Ende trotzdem gut informiert ist.

Die Frage, die sich stellt, lautet also: Hängt die Nutzung von Social Network Sites, um sich über aktuelle Nachrichten zu informieren, wirklich mit politischem Wissen1 zusammen oder erzeugt sie nicht vielmehr nur ein Gefühl, ausreichend informiert zu sein? Dieses selbst-wahrgenommene Wissen muss nicht unbedingt mit tatsächlichem Faktenwissen zu politischen Themen oder Akteuren zusammenhängen. So wird eine Diskrepanz auch als „Illusion of Knowing“ bezeichnet (Park, 2001, S. 420). Heterogene, personalisierte news streams, wie sie auf Facebook und Twitter rezipiert werden, stehen dabei im Verdacht, eine überschätzende Illusion of Knowing zu begünstigen. Dem gehen wir mittels einer online-repräsentativen Befragung unter 16-29-Jährigen in Deutschland nach, deren Wissen zu innenpolitischen Themen und Akteuren ermittelt wurde. Vorab schätzten die Befragten ein, wie viel sie glauben, über das Themenfeld Innenpolitik zu wissen.


Übliche Verdächtige“ – Interesse, Bildung und klassische Nachrichtennutzung am wichtigsten für politisches Wissen

Zunächst werfen wir einen Blick darauf, wie Nachrichtennutzung und andere wichtige Faktoren wie die formale Bildung oder das Interesse an Innenpolitik mit dem tatsächlichen Wissen, also dem Abschneiden bei den gestellten Wissensfragen zusammenhängen2. Die aus zahlreichen früheren Studien (vgl. z.B. Maier, 2009 für einen Überblick) bekannten und gut belegten „üblichen Verdächtigen“ hohe Bildung und hohes politisches Interesse gehen auch hier mit einer höheren Informiertheit einher. Dieses Bild setzt sich bei der Nachrichtennutzung fort: Junge Menschen, die regelmäßig bei den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern einschalten oder Nachrichtenwebsites wie SPIEGEL ONLINE besuchen, wissen mehr über Innenpolitik. Demgegenüber weisen diejenigen, die häufiger soziale Onlinenetzwerke wie Facebook nutzen, um von Freunden oder abonnierten Nachrichtenfanpages über das aktuelle politische Geschehen auf dem Laufenden gehalten zu werden, sogar signifikant weniger Wissen auf (vgl. Abb. 1).

Balkendiagramm mit Anzahl der richtigen Antworten im Wissenstest
Abb. 1 Wissen über Innenpolitik




Anmerkung: Abgebildet sind die Gruppenmittelwerte für diejenigen Befragten, die Nachrichtenwebsites bzw. SNS, um aktuelle, politische Nachrichten zu erhalten mind. mehrmals wöchentlich nutzen (Vielnutzer) gegenüber denjenigen, die dies nur mehrmals im Monat oder seltener tun (Wenignutzer).

Schaut man sich das selbst-wahrgenommene Wissen an, fällt auf, dass sich diejenigen als informierter einschätzen, die sich für Innenpolitik interessieren und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen informieren. Twitter-Nutzer, die auf dem Microblogging-Dienst aktuelle Nachrichten lesen, schätzen sich ebenfalls als informierter ein.

Twitter und SNS als Nachrichtenquelle? Tendenz zur Wissensüberschätzung!

Bereits der Blick auf die Korrelate objektiven und selbst-wahrgenommenen Wissens deutet also auf interessante Unterschiede zwischen Social Media und genuinen Nachrichtenangeboten. Was wir bisher noch nicht sagen können, ist, was dazu beiträgt, dass das tatsächliche Wissen überschätzt wird – also eine Illusion of Knowing erzeugt. Dazu haben wir die Differenz zwischen tatsächlichem und selbst-wahrgenommenem Wissen als abhängige Variable betrachtet. Entsprechend bisheriger Forschung in diesem Bereich stellen auch wir fest, dass niedriger gebildete junge Menschen sowie diejenigen, die sich stark für Innenpolitik interessieren, ihr tatsächliches Wissen eher überschätzen. Viel spannender ist jedoch, dass dies auch auf diejenigen zutrifft, die Twitter nutzen, um sich über aktuelle Nachrichten zu informieren oder SNS wie Facebook, um dort von ihren Freunden oder abonnierten Nachrichtenmedien politische Nachrichten zu erhalten (vgl. Abb.2).


Abb. 2 „Illusion of Knowing“ bei Twitter- und SNS-Nutzern
Anmerkung: Abgebildet sind die Gruppenmittelwerte der Differenzvariablen.
Lesehilfe: Werte über Null zeigen eine Überschätzung des tatsächlichen Wissens auf, Werte darunter eine Unterschätzung. Je näher der Wert an null liegt, desto geringer ist die Abweichung zwischen tatsächlichem und selbst-wahrgenommenen Wissen.

Fazit

Wer sich hauptsächlich bei Facebook und Twitter über Nachrichten informiert, scheint sein Wissen zu überschätzen. Möglicherweise verlassen sich die Nutzer (zu) stark darauf, dass sie in ihrem persönlichen news stream bereits alle relevanten Nachrichten mitbekommen, erlangen dabei jedoch nur einen eingeschränkten Einblick in das politische Geschehen. Zudem ist es gerade auf Twitter nicht selten, dass Nutzer gleich mehreren Nachrichtenmedien folgen. Der regelmäßige Kontakt mit verschiedenen „Informationshappen“ stärkt offenbar zwar das Gefühl, gut informiert zu sein, kann aber einer tiefergehenden Nachrichtenrezeption sprichwörtlich nicht das Wasser reichen. 

Nun ist Innenpolitik ein weites Feld und so kann eingewandt werden, dass die Ergebnisse bei eng gefassten Themen, für die bestenfalls auch klar ist, dass sie im Social Web stark thematisiert werden wie die Netzpolitik, möglicherweise anders ausfallen. Es gilt also, die Befunde – idealerweise in Längsschnittuntersuchungen, die auch kausale Rückschlüsse erlauben – zu bestätigen. Daneben erscheint es sinnvoll, nicht nur einzelne Angebote gegeneinander auszuspielen, sondern auch einzubeziehen, ob und inwiefern Social Media in übergeordnete Informationsrepertoires eingebettet sind – verlassen sich doch die wenigsten jungen Menschen nur auf einzelne Kanäle. Nicht zuletzt stellt sich die Frage, was überschätztes Wissen schließlich bedeutet, beispielsweise für weiterführende Informationssuche und letztlich auch politische Beteiligung und potentielle Wahlentscheidungen.


Autorin

Patricia Müller
Patricia Müller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet PR und Technikkommunikation am Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Ilmenau. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit dem Zusammenhang von Nachrichtennutzung – mit Fokus auf Social Media – und politischem Wissen bei jungen Menschen.









Literatur
Maier, J. (2009). Was die Bürger über Politik (nicht) wissen - und was die Massenmedien damit zu tun haben -
ein Forschungsüberblick. In F. Marcinkowski & B. Pfetsch (Eds.), PVS - Politische Vierteljahresschrift:
Sonderheft 42/2009. Politik in der Mediendemokratie (pp. 393–414). Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften.

Park, C.-Y. (2001). News Media Exposure and Self-Perceived Knowledge: The Illusion of Knowing. International
Journal of Public Opinion Research, 13(4), 419–425.

_______________________________________________

1 Innerhalb der kommunikationswissenschaftlichen Forschung ist nach wie vor umstritten, wie man politisches Wissen eigentlich definieren und messen soll (Maier, 2009, S. 394). An dieser Stelle kann diese Diskussion noch geführt werden. Wir beziehen uns in diesem Beitrag auf Faktenwissen zu politischen Themen und Akteuren und verwenden den Begriff synonym zu politischer Informiertheit.

2 Alle im Beitrag präsentierten Ergebnisse beruhen auf Regressionsanalysen, um signifikante Prädiktoren für politisches Wissen, selbst-wahrgenommenes Wissen und „Illusion of Knowing“ zu ermitteln (n=527; Befragte, die für die Beantwortung der Wissensfragen länger als 35 Sekunden brauchten, wurden ausgeschlossen).

Montag, 13. Juli 2015

Veni, Video, Vici – Warum erfolgreiche Politik mehr gute Bewegtbilder braucht

Dies ist ein Gastbeitrag von Christian Minaty. Er ist Blogger, Diplom-Politologe und Internet-Unternehmer. Freiberuflich betreibt er die Politik-Blogs Turnschuhe & Krawatte (junge Politiker) und Kanzlerkino (politische Promis und Videos). Christian Minaty beschreibt, warum Videos mit politischem Inhalt oft nicht funktionieren und fügt gelungene Beispiele an, wie angeblich langweilige Politik z.T. Millionen Views und Tausende Kommentare pro Video einsammeln kann.

Screenshot
YouTube-Channel der Bundesregierung
Die Bundeskanzlerin ist seit Anfang Juni bei Instagram: Angela Merkel ist damit nun auf einigen der wichtigsten Kanälen der Social-Media-Sphäre vertreten. Auch wenn auf dem Account vorerst nur Bilder und noch keine Kurzvideos wie etwa auf den Instagram-Kanälen von US-Präsident Obama zu sehen sind, verzeichnet Merkels neuester „Staatssender“ allein in den ersten Wochen Tausende Likes und Kommentare. Mit dem YouTube-Channel der Bundesregierung hat die Kanzlerin zudem bereits einen erfolgreichen Video-Kanal etabliert.

Hat da jemand etwas von Politikverdrossenheit gesagt? Die Bürger gieren nach Informationen und wollen fast schon 24/7 Politik konsumieren. Es passiert ja derart viel Hochpolitisches, dass der Stoff so schnell nicht ausgeht. Social Media ist das Beste, was der Politik passieren konnte. Der Homo politicus mag interessante politische Inhalte, nur professionell rübergebracht müssen sie sein. Ein gutes Politikvideo ist oft genauso spannend wie ein fiktiver Polit-Thriller im Kino.

Screenshot
YouTube-Channel der Landesregierung Rheinland-Pfalz
Jetzt kommt das große Aber. Denn bei Top-Politikern wie Angela Merkel mögen Videos noch ein Selbstläufer sein. Die CDU-Chefin ist so bekannt, dass sie automatisch viel Traffic zieht. Doch selbst bei der Kanzlerin gibt es zahlreiche Videos, die bei der 500er-Views-Marke herumdümpeln. Bei einzelnen Abgeordneten, bei Unternehmen mit ihren Government-Relations-Abteilungen oder den Landesregierungen sieht es videomäßig oft sehr viel düsterer aus. YouTube-Hits funktionieren hier meist nur mit massiver Bewerbung. Doch auch das ändert nichts daran, dass Politikvideos vielfach lieb- und vor allem planlos zusammengezimmerte Machwerke sind.

Da darf es keinen wundern, wenn nur wenige Nutzer ihre kostbare Zeit in Videos mit drögen Reden, arg werbliche Imagefilme oder merkwürdige Erklär-Filme investieren wollen. Natürlich liegt das auch an den Anbietern. Facebook und Google machen viel Geld mit der Bewerbung von Videos. Wer also kein saftiges Budget in die Bewerbung pumpt, muss davon ausgehen, dass eigene Videos nicht ganz vorn in dem täglichen Video-Tsunami mitschwimmen und prominent angezeigt werden. Das erklärt jedoch nicht, dass gut gemachte Politikvideos auch ohne teure Bewerbung in sozialen Netzwerken mit organischem Wachstum durchstarten.

„Wie bekommen wir nur mehr Reichweite?“, „Wir brauchen unbedingt mehr Views“, „Wir müssen noch intensiver testen, was die User wirklich sehen wollen!“ – solche und ähnliche Sprüche werden Mantra-mäßig in Parteigremien, Abgeordneten-Kaffeekränzchen und Behördenkonferenzen aufgesagt. Alle suchen das perfekte Video, alle wollen, dass es superviral wird und billig soll es auch noch sein. Dabei liegen die Voraussetzungen, wann ein Video erfolgreich wird, längst auf dem Tisch! Mut zum Top-Inhalt heißen die Zauberwörter. Etwas anderes zählt nicht. Da helfen auch noch so viel Hochglanz, teure Agenturen oder die besten Kameras nicht.

Was ist denn nun guter Inhalt? Fesselnder Stoff. Und wie bekommt man den? Es gibt exzellente Beispiele, wie man Politik „richtig“ darstellt und Kommentare, Likes und Klicks sammelt. Im Folgenden eine kleine Liste mit essentiellen Zutaten, auf die ein Politikvideo nicht verzichten sollte:

  1. Story:
Für Reportagen, Features oder Interviews braucht es immer ein durchdachtes Video-„Drehbuch“. Und wenn man eine tolle Story sogar in Serie liefern kann, steigt der Wiedererkennungswert enorm. Das allein macht einen unschätzbaren Vorteil gegenüber anderen Anbietern aus:


Nur eines von zahlreichen erfolgreichen „Action-Filmen“ der Bundeswehr, die mit ihrem YouTube-Kanal und harter Verteidigungspolitik im wahrsten Sinne des Wortes regelmäßig Zehntausende Klicks pro Video einheimsen.

  1. Exklusivität:
Wenn Politiker Dinge verkünden, die schon an einschlägige Blogs durchgesickert oder an anderer Stelle längst offiziell verkündet worden sind, dann braucht man damit drei Wochen später auch nicht mehr um die Ecke kommen. Wer clever ist, prescht zeitnah mit exklusiven Infos voran.


Barack Obama verkündet quasi im Alleingang das erfolgreiche Ergebnis der streng geheim durchgeführten Anti-Terror-Mission gegen Osama Bin Laden. Exklusiver und majestätischer kann eine solche politische Top-Geschichte nicht präsentiert werden.

  1. Aktualität:
Natürlich gibt es auch zeitlose Inhalte, die für ein Video infrage kommen können. Doch generell gilt: Je mehr „Breaking News“-Charakter ein Politikvideo hat, umso besser.


Ein sichtlich verstörter französischer Staatspräsident François Hollande gibt am Tatort der „Charlie Hebdo“ Attentate noch am selben Tag ein kurzes Statement. Das Ereignis bestimmte über Tage und Wochen die politische Agenda. Vor allem in Krisen-Situationen ist Schnelligkeit Trumpf, um dem politischen Gegner oder gar Feinden wie Terroristen keinesfalls die Meinungs- und Deutungs-Hoheit zu überlassen.

  1. Aufmachung:
Im Prinzip sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Ein Politikvideo kann eine Diskussion vor Publikum zeigen, eine Rede im Präsidentenpalast, eine „Live“-Szene mitten auf dem Parteitag etc. Auch hier gilt wieder: Je ausgefallener, umso besser. Schreibtisch-Monologe bitte nur, wenn das Thema die Zuschauer vom Stuhl haut (z.B. „Griechenland verlässt die Eurozone“).

Auf dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau gönnten sich Barack Obama und Angela Merkel ein Bad in der Menge. Obwohl keine politischen Inhalte in dem Video vorkommen, ist es schon ungewöhnlich, wenn der US-Präsident mit oberbayerischen Dorfbewohnern zusammentrifft. Derartige Hingucker-Szenen brauchen nicht viel Erklärung und laden zum Kommentieren und Teilen geradezu ein.

  1. Emotionen:
Besonders emotionale Momente sorgen für starkes Interesse der Zuschauer. Das kann eine leidenschaftlich vorgetragene Rede sein, ein Wutausbruch im Parlament oder eine hitzige Diskussion in einer Talkrunde.


Beim Staatsbesuch des ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah al-Sisi bei Angela Merkel in Berlin nutzte eine junge Ägypterin nach der Pressekonferenz im Kanzleramt die Gunst der Stunde, um ihrer Wut auf al-Sisi vor laufenden Kameras Luft zu machen. Der nachfolgende Tumult sorgte für hohe Klickzahlen.



Es geht aber auch lustig, wie der legendäre Lachanfall des Schweizer Bundesrats Hans-Rudolf Merz zeigt.

  1. Polarisierung:
Kontroverse Meinungen zu äußern und zielgerichtet zuzuspitzen ist in der Politik extrem wichtig. Denn nur der, der für etwas steht, ist interessant und umgekehrt ist der, der sich hinter Geschwafel und Schachtelsätzen versteckt, für das Publikum einfach nur einschläfernd.


Wenn Russlands Präsident Wladimir Putin vor die Kamera tritt, sehen viele rot. Doch genau das ist es, was dem Polit-Profi lauter Quotenhits beschert. Wie kaum ein zweiter polarisiert Putin mit extrem kontroversen und sehr scharfzüngig vorgebrachten Äußerungen und bestimmt so die weltpolitische Agenda maßgeblich mit.

  1. Originalität:
Jeder will in einem Video möglichst originell rüberkommen, klar, doch nur wenige haben es drauf, sich vom Einheitsbrei abzuheben. Nicht wenigen Politikvideos sieht man den puren Angstschweiß an – man will bloß nicht anecken, bloß keinen Shitstorm beim Wähler erzeugen, nicht zu viel sagen etc. etc. Das kann nicht funktionieren. Wer wirklich erfolgreich sein will, der muss mutig zur eigenen Meinung stehen.


Man kann der griechischen Regierungspartei Syriza und insbesondere Griechenlands Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis vielleicht einiges vorwerfen, doch sicher nicht, dass er nicht originell und authentisch auf sämtlichen Videos rüberkommt. Der smarte Ökonom hält die EU schon länger mit seiner Sicht der Dinge, was Euro und möglichen Grexit anbelangt, in Atem. „Varou“ nimmt kein Blatt vor den Mund wie manch anderer Politiker.

  1. Promi-Faktor:
Wer spielt in einem Politikvideo die Hauptrolle? Nur der Pressesprecher oder die Agentur-Mitarbeiterin? Oder die Kanzlerin oder der Minister selber? Das macht einen gewaltigen Unterschied. Ein „Promi“-Video wird meistens zum Selbstläufer. Und wenn man keinen Star zur Verfügung hat, dann müssen wenigstens andere Faktoren stimmen (s.o.), damit das Video durchstartet.


UN Messenger of Peace Leonardo DiCaprio ist ein perfekter Überbringer einer politischen Botschaft. Ihn kennt praktisch jeder, der Schauspieler hat Millionen Fans. Hier sind alle Ampeln auf grün.

  1. Innovation:
Wie man politische Inhalte vorträgt, das ist nicht in Stein gehauen. Trotzdem sieht man oft Sprecher im altbackenen „Tagesschau“-Reporter-Singsang palavern. Lieber nicht. Man kann durchaus neue Wege einschlagen.


Kanzlerinterviewer und Video-Blogger LeFloid geht es zwar eher seicht mit seiner politischen Satire an, doch seine locker-flockig gemachten Videos transportieren sehr oft harte politische Inhalte. Er hat sich mit seinen zigtausenden meist jugendlichen Fans wahrscheinlich eine große eher unpolitische Zielgruppe erschlossen. Ein großer Verdienst. Von daher ein vielversprechender und erfolgreicher Ansatz.

  1. Überraschung:
Ein Magnet für Nutzer sind Politikvideos, in der sich Routine-Situationen plötzlich in etwas Unvorhersehbares wandeln. Überraschende Momente wirken belebend und nehmen Politik ihre Statik und Steifheit.


Beim 25. Jahrestages des Mauerfalls sollte der ehemalige DDR-Dissident Wolf Biermann im Bundestag eines seiner Lieder spielen, griff aber zuvor die Fraktion der LINKEN in der Live-Übertragung scharf an.


Autor:

Christian Minaty (Foto: Johannes Dziemballa)
Christian Minaty, Wahl-Berliner, war unter anderem in den Presse-Teams der Bayerischen Staatskanzlei, im Bundesverteidigungsministerium und bei Microsoft beschäftigt und kennt politische Krisen und tägliche Shitstorms in Orkanstärke aus dem Effeff.

Freiberuflich betreibt er die Politik-Blogs Turnschuhe & Krawatte und Kanzlerkino.de, hält Vorträge und entwirft Ideen für gute Politik, nachhaltige Social-Media-Strategien und Konzepte für Politik-Videos.