Freitag, 22. März 2019

Agenda Setting im Internet: Rechts(außen) führt, der Rest folgt

Dies ist Gastbeitrag von Jan Rau, wissenschaftlicher Mitarbeiter am GESIS-Leibniz Institut für Sozialwissenschaften und von Felix M. Simon, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford. 
Den ersten Beitrag der beiden Autoren aus der Reihe zum Thema digitale Gegenöffentlichkeiten finden Sie hier.

Die klasssichen Medien kontrollieren als Gatekeeper noch immer weitestgehend den Zugang zur “öffentlichen Arena”. Sie setzen die Agenda, also das worüber (nicht) gesprochen wird. Doch das Internet gibt Akteuren verschiedener politischer Couleur zunehmend die Möglichkeit, digitale Gegenöffentlichkeiten zu schaffen und über diese die Agenda der Medien zu formen – und damit letztendlich auch die öffentliche Agenda zu beeinflussen.


Massenmedial viel verbreiter Screenshot aus dem Live-Video zum Amoklauf in Christchurch
Oft ist es für die Medien im Umgang mit Provokateuren und Manipulatoren schwierig zu entscheiden, ob sie über ein Thema berichten sollen und es damit unweigerlich zusätzlich in den Fokus rücken. Gründe, manche Themen und Gruppen und Individuen nicht durch Berichterstattung aufzubauschen, gibt es genug. Denn bestimmte Geschichten, Gemeinschaften und problematische Akteure können durch zusätzliche Medienaufmerksamkeit schnell unabsichtlich größer und wichtiger gemacht werden, als sie es eigentlich sind.

Die Verstärkung durch die Medien riskiert auch, dass eine schleichende Normalisierung von bestimmten Ideologien eintritt und Menschen für anti-demokratische oder verfassungsfeindliche Ansichten zunehmend empfänglich werden. Es sind die berühmten "Grenzen des Sagbaren", die verschoben werden. Zuletzt laufen Medien auch Gefahr, durch ihre Berichterstattung falsche Vergleiche zu befeuern: Die Holocaustleugnung ist eben keine gleichberechtigte Perspektive.


Die Identitären oder, wenn Schweigen Gold ist.


Auch wenn es sich am Ende des Tages immer um schwierige Fragen des Abwägens handelt, gibt es klare Beispiele, in denen eine andere – oder gar keine – Berichterstattung angebracht ist. Ein Beispiel ist eine kürzlich erfolgte Aktion der rechtsrextremen Identitären Bewegung. Anhänger der Gruppierung hängten Anfang Januar an verschiedenen (Redaktions-)Gebäuden Propaganda-Poster auf, die auf vermeintlich exzessive linke Gewalt aufmerksam machen sollten. Im Prinzip handelte es sich um nichts weiter als eine simple Plakataktion. Dokumentiert wurde das Ganze auf YouTube, Twitter und der Webseite der Gruppierung – den digitalen Gegenöffentlichkeiten der Identitären.

Agenda Setting von Rechts
Screenshot YouTube "Identitäre Bewegung"

Was die Identitären mit solchen Aktionen bezwecken, bekennen sie ganz offen in ihren professionell produzierten Werbevideos. Unter “Medienarbeit“ wird hier vom Aufbau einer „Identitären Gegenöffentlichkeit gesprochen“, man wünscht sich “Beeinflussung” und der öffentliche Kopf, Martin Sellner, redet auf seiner YouTube-Seite ganz offen vom “Infokrieg“.


Agenda Setting von Rechts
Screenshot YouTube-Account Martin Sellner
Die Rechnung ging auf. Bei einigen deutschen Medien kochte die Stimmung über. Es wurde von Angriffen und Attacken auf den Journalismus und die Pressefreiheit gesprochen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk RBB nutzte von den Identitären produziertes und online verbreitetes Videomaterial in seiner Berichterstattung und auch die ZEIT verwendete von den Identitären online verbreitetes Bildmaterial. Die Aktion der Rechtsextremen wurde so – wie von diesen beabsichtigt – zu einem vollen PR-Erfolg.

Wie Medienjournalist Stefan Niggemeier an anderer Stelle bereits ausgeführt hat, wäre es bisweilen sinnvoller, wenn Medienhäuser die Finger von solchen Vorfällen ließen – oder ihre Berichterstattung etwas verhaltener ausfallen ließen. Über Gruppen wie die Identitären und ihre Aktionen weniger oder nüchterner zu berichten, tut diesen am Ende mehr weh als den Medien oder der Allgemeinheit. Dass es geht, beweist die ZEIT. In diesem 2017 über die "Bewegung" erschienen Artikel wird diese gekonnt eingeordnet, ohne sie größer zu machen, als sie ist. Gleichzeitig stellt der Artikel keine direkte Reaktion auf der PR-Aktionen der Identitären dar.


Die AfD – demokratischer Akteur oder rechtspopulistischer “Agenda-Setter”?


Ein weiterer sehr erfolgreicher Akteur im medialen Agenda Setting ist die AfD. Auch sie versucht, die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie zu nutzen und eine Themenagenda in ihrem Sinne zu setzen – was die Partei auch mehr oder weniger offen zugibt. Für die AfD spielt das Internet als Kampagneninstrument eine hervorgehobene Rolle. Zuletzt konnte man dies beim Streit um den sogenannten Migrationspakt (Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration (GCM)) im Herbst 2018 sehen. Hier nutzte die Partei intensiv ihre digitalen Kanäle, um ihre kritische Positionierung auch in traditionelle Medien hinein zu kommunizieren und durch ein erfolgreiches Framing des Paktes als Instrument der “Massenzuwanderung” den Verlauf der Debatte im wesentlichen Maße zu prägen.


Migrationspakt
Screenshot Facebook-Seite der AfD

Während sich bei der Identitären Bewegung (klar als rechtsextrem eingeordnet und wenige hundert Mitglieder) relativ einfach eine Strategie für den medialen Umgang entwerfen lässt, gestaltet sich dies im Fall der AfD wesentlich komplizierter. Die Diskussion, inwiefern die AfD als rechtspopulistisch oder gar rechtsextrem zu klassifizieren sei, wird zwar seit Jahren erbittert geführt und hat durch den Prüfbericht der Verfassungsschutzämter neuen Aufwind bekommen. Dennoch ist die Partei vorerst nur in Teilen als sog. Verdachtsfall klassifiziert und gleichzeitig demokratisch legitimiert, da sie von einem Teil der Bevölkerung unterstützt und gewählt wird. Die Anliegen der Partei, wie beispielsweise Migration, Islam und Flüchtlinge, scheinen damit wichtige Themen für diese Menschen zu sein.

Eine redaktionelle Entscheidung, die Partei oder die von ihr bearbeiteten Themen einfach gezielt aus der Berichterstattung auszuschließen, wäre dementsprechend falsch, nicht zu rechtfertigen und würde den medienkritischen Positionen der Partei und ihres Umfeldes zu Recht Aufwind geben.

Gleichzeitig ist aber auch festzuhalten, dass Teile der Partei als Verdachtsfall beim Verfassungsschutz geführt werden, in der Fachliteratur vielfach als rechtspopulistisch eingestuft wird und wesentliche Führungsfiguren völkisch-nationalistischen und verfassungsfeindlichen Strömungen zugerechnet werden. Ein bedachter und vorsichtiger medialer Umgang ist damit wichtig und angemessen und dementsprechend müssen auch im Fall der AfD die Mechanismen des Agenda Settings und ihre Konsequenzen verstanden werden.


Die AfD und die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie


Wenn Alice Weidel allzu offensichtlich gewollt eine Talkshow verlässt, dann handelt es sich hierbei um sehr erfolgreiches Agenda Setting. Denn auch wenn die Berichterstattung in den klassischen Medien kritisch ausfiel, so war sie für sich genommen ein Erfolg für die Partei. Die verfügbare Aufmerksamkeit der öffentlichen Arena ist begrenzt und umkämpft; mit Weidels Abgang hat die AfD sich diese in einem für sie positiven “Frame” (die AfD gegen die “Systempresse” und “Altparteien”) gesichert. Hier würde sich ein gelassenerer Umgang mit solch recht offensichtlichen Versuchen des Agenda Settings empfehlen.
Screenshot YouTube ZDF

Anders sieht es bei zentralen Themen der Partei aus. Die wahrgenommene Wichtigkeit von Themen in der Bevölkerung schwankt ständig und wird in einem wesentlichen Maße von der medialen Agenda mit-beeinflusst. Eine starke Berichterstattung über den Themenkomplex Flüchtlinge wird die Sichtbarkeit und damit die allgemein wahrgenommene Wichtigkeit dieses Themas steigern. Die AfD, die vom Thema Flüchtlinge (fast) nur profitieren kann (pdf.), ist sich dessen bewusst und versucht dementsprechend auch mit der Hilfe ihrer digitalen Kampagnenwerkzeuge auf die mediale Agenda zu setzen. Gleichzeitig ist das Thema aber natürlich auch tatsächlich eines der wichtigsten Streitfragen der letzten Jahre gewesen, was mit einem entsprechend berechtigten Informationsinteresse verbunden ist. 

Eine verbindliche Regel für den richtigen Umgang aufzustellen wird also nicht möglich (oder wünschenswert) sein. Stattdessen müssen Entscheidungen von Fall zu Fall getroffen werden – aber immer im Bewusstsein der oben geschilderten Agenda der Partei und dem Wissen, dass Themen durch Berichterstattung größer gemacht werden können, als sie sind – gerade im Vergleich zu anderen zentralen Themen wie sozialer Gerechtigkeit, Digitalisierung oder Klimawandel.


Herausforderungen für den modernen Journalismus


Moderner Journalismus bewegt sich in verschiedenen Spannungsfeldern. Die Vorliebe für Themen mit Neuigkeits- und Sensationswert und das Bedürfnis, am schnellsten zu sein, machen Medien anfällig für gezielte Manipulationsversuche. Gleichzeitig bringt die Berichterstattung über kontroverse Themen oft Aufmerksamkeit und Leser – es besteht also ein kommerzielles Interesse daran, zu berichten. Hinzu kommt der Grundsatz, dass man möglichst alle wichtigen Ereignisse der Zeit kritisch begleiten und gleichzeitig einer Vielzahl von Stimmen Raum einräumen will.

Das Internet und soziale Medien bieten politischen Akteuren neue Möglichkeiten, die oben ausgeführten Spannungsfelder auszunutzen, aufmerksamkeitswirksame Kampagnen zu initiieren und über digitale Gegenöffentlichkeiten die Medienagenda zu beeinflussen. Der Umgang mit solchen Akteuren ist, wie sich an den obenstehenden Beispielen sehen lässt, für die Medien kompliziert. Zuletzt zeigten sich vor allem rechte Akteure recht geschickt darin, diesen Umstand auszunutzen.

Zwar gab es bei deutschen Medien zuletzt deutliche Fortschritte in dieser Hinsicht, doch jüngste Ereignisse wie der “Anschlag” der Identitären zeigen jedoch, dass immer noch Handlungsbedarf besteht.

Weitergehende konkrete Empfehlungen, wie Medien und Journalisten mit Agenda-Setting-Versuchen umgehen sollen sind schwierig. Auf den Verzicht von Berichterstattung als oftmals sinnvolle Reaktion, lässt sich durch die Abwesenheit derselben nur schwer verweisen. Ebenso lassen sich einheitliche Berichterstattungslinien nur schwer an einem konkreten Artikel festmachen.

Wichtig ist vor allem, ein Bewusstsein für diese Problemstellungen zu entwickeln und aktiv eine Strategie für den Umgang mit denselbigen zu entwerfen. Gleichzeitig sollten sich Medien auch ihrer eigenen blinden Flecken bewusst sein, und größere Transparenz walten lassen, wenn es um die eigene Themensetzung geht. Als Anregung haben wir im Anhang einige Publikationen zusammengetragen, die als erste Anlaufstelle dienen sollen und konkrete Empfehlungen aussprechen, wie Medien und Journalisten handeln können. 

Niemand sagt, dass es für die Medien leicht wäre, diesen Herausforderungen angemessen zu begegnen. Im Gegenteil. Sie erfordern ein erhebliches Umdenken und zeigen gleichzeitig die Spannungsfelder auf, in denen sich moderner Journalismus bewegt. Doch Journalismus des 21. Jahrhunderts darf diesen Spannungen nicht ausweichen, er muss sich ihnen stellen.


Schlussbemerkung 

 

Den Autoren ist bewusst, dass Agenda Setting ein Instrument aller politischen Parteien und Bewegungen ist, als legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung gilt und somit der bloße Einsatz dieser Strategie einzelnen politischen Strömungen, Akteuren oder Parteien nur schwer zum Vorwurf gemacht werden kann (oder abhängig von der jeweiligen Ausformung allen zum Vorwurf gemacht werden müsste). Die Fokussierung dieses Textes auf das rechte Lager begründet sich in der oben erläuterten Nähe zum und/oder Verwurzelung im Rechtsextremismus und den damit verbundenen verfassungsfeindlichen Tendenzen. Bedenkt man ferner, dass (mit einigen prominenten Ausnahmen) besonders rechte Akteure in den letzten Jahren erfolgreich Agenda Setting über digitale Kanäle betrieben haben, wird deutlich, warum in diesem Zusammenhang kritische Aufmerksamkeit besonders wichtig und nötig ist.



Lektüre:



  • Whitney Phillips: The Oxygen of AmplificationZwischen 2016 und 2018 wurden Medien stärker als je zuvor von rechten Akteuren, Trollen und “Hate Groups” missbraucht, um ihre Meinung zu verbreiten. Und die Medien, so die Wissenschaftlerin Whitney Phillips in ihrer Studie, waren daran nicht unschuldig. Doch es gibt Wege, es besser zu machen. 
  • Rebecca Lewis & Alice Marwick: Media ManipulationWie nutzen Internet-Subkulturen, Verschwörungstheoretiker, Rassisten und andere das aktuelle Medienökosystem, um ihre Ideen zu verbreiten? Und welche Folge hat dies für Medienvertrauen und die Demokratie? Diesen und anderen Fragen gehen Lewis und Marwick in ihrer “Data & Society”-Report nach.
  • Felix M. Simon: Strategische Stille gegen ExtremistenLondons “Speaker‘s Corner“ hat sich längst in eine Plattform für Extremisten und Fanatiker verwandelt. Doch gerade deshalb hält die Bastion absoluter Meinungsfreiheit auch eine Lehre für die Medien im Umgang mit solchen Wortführern parat.
  • Bernd Gäbler: AfD und Medien: Erfahrungen und Lehren für die Praxis Die AfD und ihre Anhänger stellen eine neue Herausforderung für deutsche Medien dar, nicht zuletzt durch ihre verbalen und non-verbalen Angriffe auf die Presse. Die Otto-Brenner-Stiftung beschreibt in diesem Bericht, welche Lehren deutsche Medien aus dieser Entwicklung ziehen sollten.
  • Denise-Marie Orday/Claes H. de Vreese: Covering Populist Leaders Aufbauend auf der Forschung des Politik- und Kommunikationswissenschaftler Claes de Vreese entstand diese Handreichung mit 10 Tipps für Journalisten, die über Populisten berichten.

Eine englische Version dieses Gastbeitrages gibt es drüben beim European Journalism Observatory (EJO) zu lesen.


Autoren


Jan Rau

Jan Philipp Rau
Jan Rau
Jan Rau beschäftigt sich mit Fragen der digitalen Transformation von Politik und Gesellschaft, sein Schwerpunkt liegt dabei auf dem digitalen Wandel medialer Öffentlichkeit. Er hat am Oxford Internet Institut und an der Universität zu Köln studiert. Aktuell arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften und forscht zu Phänomenen wie Meinungsmanipulation im Internet, Echo- Kammern, digitalen Gegenöffentlichkeiten und Rechtspopulismus. 
Website: https://janrau.com
Twitter: @realJanRau


 Felix S. Simon

Felix M. Simon
Felix M. Simon ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Studium in Frankfurt am Main und am Oxford Internet Institut. Aktuell wissenschaftlicher Mitarbeiter am Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford und freier Journalist, unter anderem für F.A.Z., Die Welt, NZZ, sowie den Telegraph und The New European. Wissenschaftliche Publikationen u.a. in „Journalism Studies“. Seine Forschungsschwerpunkte sind politische Kommunikation im digitalen Zeitalter, Big Data in Politik und Unterhaltungsindustrie, sowie der Wandel von Journalismus und Medien im 21. Jahrhundert. 
Webseite: https://about.me/Felix_Simon 
Twitter: @_FelixSimon_ 
E-Mail: felixmarvinsimon [at] gmail [dot]




Dienstag, 8. Januar 2019

Willkommen im Zeitalter digitaler Gegenöffentlichkeiten

Dies ist Gastbeitrag von Jan Rau, wissenschaftlicher Mitarbeiter am GESIS-Leibniz Institut für Sozialwissenschaften und der Princeton University und von Felix M. Simon, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford. Dies ist der erste Beitrag einer Reihe von drei Beiträgen zum Thema digitale Gegenöffentlichkeiten.  

Trump, Brexit, die AfD: Populisten und Reaktionäre sind auf dem Vormarsch. Wichtig für ihren Erfolg: die Schaffung von Gegenöffentlichkeiten im Internet. Doch wie genau nutzen diese Kräfte digitale Medien für sich? Und ist das Internet wirklich “an allem schuld”? Ein Blick in die Forschung gibt Antworten. 

Quelle: https://www.weforum.org/projects/internet-for-all
Gerade mal wieder Schuld an Allem: Das Internet
Donald Trump, die FPÖ, die AfD und der Brexit: In vielen westlichen Demokratien scheinen rechte, nationale und reaktionäre Kräfte auf dem Vormarsch. Folgt man der öffentlichen Diskussion ist der Schuldige für diese Entwicklung schnell ausgemacht – es ist natürlich das Internet. 

Wurde selbiges früher vor allem von DenkerInnen und Bewegungen aus dem linken und liberalen Lager als Katalysator für Demokratie und Freiheit gesehen, ist die Mehrheitsmeinung heute das genaue Gegenteil: Sorgen über Social Bots, „Fake News“, Echokammern und psychologisches Microtargeting haben den Traum von besserer Vernetzung und neuen progressiven politischen Bewegungen abgelöst.

Was ist geschehen? Lagen die UtopistInnen der ersten Stunde so falsch? Während eine grundsätzliche Skepsis in Bezug auf die tatsächliche Rolle des Internets bei den angesprochenen politischen Großereignissen nötig bleibt (dazu später mehr), so lässt sich trotzdem nicht von der Hand weisen, dass das Internet ein Katalysator für politische Veränderung geworden ist. Allerdings sind es weniger progressive Kräfte, die aktuell davon profitieren. Stattdessen sind es oft insbesondere konservative und rechte Bewegungen, die das Internet als politische Plattform zur Zeit besonders erfolgreich nutzen
 

Was sind digitale Gegenöffentlichkeiten?


Einer der ersten AutorInnen, die dieses Phänomen auch theoretisch aufgegriffen hat, ist der Sozialwissenschaftler Ralph Schroeder. Schroeder, der am Oxford Internet Institute forscht und lehrt, versteht in seiner Analyse die Öffentlichkeit als Arena, welche gekennzeichnet ist durch einen limitierten Vorrat an Aufmerksamkeit (Stichwort: Attention Economy). Die wird wiederum von einigen wenigen großen Medien dominiert. Als Gatekeeper für die Arena bestimmen sie in erheblichen Maße das, was diskutiert wird. Sie setzen die Agenda.

Verschiedene politische Ideologien wiederum versuchen Zugang zur öffentlichen Arena zu bekommen. Ihr Ziel: die Agenda der Medien und somit die öffentliche Agenda zu beeinflussen. Die öffentliche Arena ist jedoch aufgrund des limitierten Vorrats an Aufmerksamkeit als Nullsummenspiel zu verstehen. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass nur einige wenige Akteure und politische Ideologien gleichzeitig in der öffentlichen Arena Platz finden können.

An dieser Stelle kommen die Gegenöffentlichkeiten ins Spiel. Das Konzept geht auf die linke Philosophin Nancy Fraser zurück und wurde ursprünglich als alternativer Diskussionsraum für marginalisierte gesellschaftliche Gruppen wie Arbeiter, Frauen oder Menschen mit Migrationserfahrung definiert. Schroeder überträgt dieses Konzept von der politischen Linken auf die politische Rechte und ins Internetzeitalter: Digitale Medien, so der Oxforder Forscher, bieten rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien eine Möglichkeit, digitale Gegenöffentlichkeiten zu erschaffen. Über diese Gegenöffentlichkeiten ist es wiederum möglich, die Gatekeeper – also traditionelle Medien – zu umgehen und sich somit letztlich einen Weg in die öffentliche Arena zu bahnen.

Screenshot
Form von Gegenöffentlichkeit: Facebookseite HC Strache (FPÖ)
Ein Beispiel für solche Gegenöffentlichkeiten sind die „alternativen Medienseiten“ der Schwedendemokraten in Schweden, oder die Pendants in Österreich und Deutschland. Auch die Facebookseiten führender FPÖ-Politiker wie Heinz-Christian Strache können als eine Form von Gegenöffentlichkeit verstanden werden. In Abgrenzung und Opposition zu den bereits in der öffentlichen Arena vertretenen Ideologien entwickeln sich auf diesen Seiten politische Gegendiskurse. Mit genug Zeit verbreiten sich diese Diskurse und finden im „Idealfall“ mittelfristig Zugang zur öffentlichen Arena. Dies liegt oft daran, dass die alternativen Seiten entweder eine so große Reichweite entwickeln, dass sie selbst zu Gatekeepern der Arena werden, oder, indem traditionelle Medien beginnen, über sie zu berichten oder die dort vertretenen Gedanken in anderer Form thematisieren – was letztlich deren Verbreitung fördert.



Vier Strategien zur digitalen Gegenöffentlichkeit


Grundsätzlich lassen sich vier Strategien identifizieren, wie eine solche digitale Gegenöffentlichkeit geschaffen werden kann:

  • Erstens kann das Internet die Abhängigkeit von traditionellen Medien reduzieren, indem es politischen Akteuren oder Parteien die Möglichkeit gibt, durch soziale Medien oder Webseiten direkt mit ihren (potenziellen) Unterstützern zu kommunizieren. So konnte die AfD beispielsweise, während der sogenannten Flüchtlingskrise 2015, ihre Unterstützer auch abseits der großen Medien durch Facebook erfolgreich erreichen und mobilisieren.  

  • Zweitens kann als hybride Strategie das Agenda Setting genannt werden, welche nur in Teilen auf Internetmedien beruht. Digitale Kanäle (zum Beispiel die oben genannten Facebookseiten der FPÖ) werden als Medium benutzt um die ursprüngliche Nachricht zu verfassen. Im Anschluss wird jedoch darauf vertraut, dass diese Nachricht von traditionellen Medien aufgegriffen wird und so ihren Weg in die öffentliche Arena und damit zu einem breiteren Publikum findet. 
     
  • Drittens können rechte Bewegungen von einer rechten Medienszene wie im Internet profitieren, welche versucht, sich als alternative Nachrichtenquelle zu etablieren (alternative Nachrichtenseiten wie unzensiert.at sind hier ein gutes Beispiel). Ähnlich wie bei den ersten beiden Strategien profitiert dieser Ansatz von den im Internet verhältnismäßig geringen Kosten, wenn es darum geht Inhalte zu publizieren. Dezentrale Verbreitungswege tun dann oft ihr Übriges.

  • Viertens können digitale Medien einen Aktionsraum für politische „bottom up“ Bewegungen darstellen, die sich ohne eine Koordination „von oben“ durch Parteien oder andere Akteure selbst organisieren. Im Prinzip handelt es sich hierbei um jene digitalen Graswurzelbewegungen, die einst von den Internetutopisten der ersten Stunden beschrieben wurden: nur eben im rechten politischen Spektrum (ein Beispiel sind rechte Gruppen auf Facebook).


Warum das Internet (trotzdem) nicht an allem schuld ist


Der Erfolg dieser Strategien ist allerdings immer auch vom Kontext abhängig. In Deutschland spielt das Internet aktuell noch eine deutlich geringere Rolle beim Nachrichtenkonsum als in den USA, während der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine sehr zentrale Stellung einnimmt. Digitale Gegenöffentlichkeiten von Rechts haben es damit zwangsläufig schwerer. Stattdessen sind reaktionäre und populistische Kräfte hierzulande noch stärker auf hybride Strategien wie das Agenda Setting angewiesen.

Zudem darf die potentielle Rolle des Internets bei politischen Großereignissen nicht überschätzt werden. Weitaus bedeutender sind immer noch strukturelle Faktoren und Langzeitentwicklungen wie zum Beispiel Globalisierungsängste, Fremdenfeindlichkeit oder Individualisierungstendenzen. In allen bekannten Beispielen von digitalen Gegenöffentlichkeiten konnten diese nur im Zusammenspiel mit diesen und anderen wesentlich wichtigeren Faktoren erfolgreich sein. Rechte digitale Gegenöffentlichkeiten haben ohne Zweifel eine nicht unbedeutende Rolle für die politische Etablierung Donald Trumps oder der AfD gespielt. Die eigentlichen Ursachen für den Erfolg dieser Akteure aber liegen tiefer und der starke Fokus der öffentlichen Diskussion auf das Internet lässt sich nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht halten.


Autoren


Jan Rau 

Jan Philipp Rau
Jan Rau
Jan Rau beschäftigt sich mit Fragen der digitalen Transformation von Politik und Gesellschaft, sein Schwerpunkt liegt dabei auf dem digitalen Wandel medialer Öffentlichkeit. Er hat am Oxford Internet Institut und an der Universität zu Köln studiert. Aktuell arbeitet er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften und an der Princeton University (USA) und forscht zu Phänomenen wie Meinungsmanipulation im Internet, Echo- Kammern, digitalen Gegenöffentlichkeiten und Rechtspopulismus. 
Website: https://janrau.com


 Felix S. Simon 
 
Felix M. Simon
Felix M. Simon ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Studium in Frankfurt am Main und am Oxford Internet Institut. Aktuell wissenschaftlicher Mitarbeiter am Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford und freier Journalist, unter anderem für F.A.Z., Die Welt, NZZ, sowie den Telegraph und The New European. Wissenschaftliche Publikationen u.a. in „Journalism Studies“. Seine Forschungsschwerpunkte sind politische Kommunikation im digitalen Zeitalter, Big Data in Politik und Unterhaltungsindustrie, sowie der Wandel von Journalismus und Medien im 21. Jahrhundert. 
Webseite: https://about.me/Felix_Simon 
Twitter: @_FelixSimon_ 
E-Mail: felixmarvinsimon [at] gmail [dot]





Donnerstag, 29. November 2018

10 Politiker*innen von denen man was lernen kann - Die komplett subjektive Top 10 für 2018

Dieser Beitrag erschien zuerst im FUNKTURM - Magazin für Medien und Politik, Ausgabe 8 zum Thema "#Infokrieg. Angriff auf die Medien". Mit-Autor ist Tom Waurig, der als Projektleiter und Redakteur bei der Agentur STAWOWY arbeitet.  


Ich werde sehr sehr oft gefragt: "Was sind eigentlich die besten Politiker*innen auf Social Media?" 

Stawowy Media
Cover Funkturm #8
Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten: Was bedeutet "beste"? Die Messung des Erfolges von Accounts hängt natürlich immer sehr stark von der individuellen Strategie der Politiker*innen ab: Geht es darum viel Interaktion/Diskussion zu erzeugen? Möchte man im Wahlkreis wenige gesellschaftliche Multiplikatoren erreichen oder wird Social Media hauptsächich passiv als nicht unwichtiges Monitoring-Tool in einem speziellen Fachgebiet genutzt? Meistens weiß ich also gar nicht, welche KPI den Politiker*innen wichtig sind und warum sie so agieren, wie sie agieren. 

Trotzdem habe ich als Tom Waurig mir diese Frage wieder stellte gemeinsam mit ihm versucht die Frage zu beantworten ;) . Die hier gelisteten zehn Politiker*innen (bzw. ehrlich gesagt sind es sogar 13) habe ich vorallem ausgewählt, weil sie alle für etwas unterschiedliche Ansätze stehen, die ich aber in jedem Fall spannend und qualitativ sehr gut umgesetzt finde. 

Voila, die Besten der Besten ;)  


Katharina Schulze (Bündnis 90/Die Grünen), MdL

Eis Eis baby
Instagram-Story von Katha Schulze
Die geborene Social-Media-Politikerin. Für die Grüne wurden Live-Videos und Stories quasi erfunden, denn keine deutsche Parlamentarierin beherrscht die Klaviatur der Netzwerke so perfekt wie sie. Das Smartphone ist nicht erst seit dem bayrischen Landtagswahlkampf überall dabei. Schulze nimmt Fans und Follower persönlich mit, sie sucht den direkten Dialog und nutzt ihre wenigen freien Minuten um ansprechbar zu sein und politische Inhalte zu erklären – meistens unterwegs in der Bahn. Wohl fühlt sich Schulze offensichtlich überall – egal ob digitale Klassiker wie Facebook und Twitter oder jüngere Messengerdienste wie WhatsApp und Snapchat. So gut wie jede digitale Aktion hat einen inhaltlichen Aufhänger, eine Message, Forderung oder Idee. Kurzum: unterhaltsam und informativ in einem.

Alle Social-Mdia-Profile von Katharina Schulze auf Pluragraph.de 





Konstantin Kuhle (FDP), MdB

FDP
Tweet von Konstantin Kuhle
Der frühere Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen weiß, wie man kurz aber prägnant formuliert – das beweist er mit pointierten Beiträgen auf Twitter, die häufiger viral gehen und demzufolge auch Menschen außerhalb der liberalen Blase erreichen: Ampel-Koalition, Cannabislegalisierung oder die Idee eines europäischen Bundesstaates. Seit letztem Jahr sitzt Kuhle nun für die FDP im Bundestag und ist dort der neue innenpolitische Sprecher der Fraktion. Dank seiner Social-Media-Kompetenz bleiben seine Positionen im medialen Diskurs. Auch deshalb stieg Kuhle zum beliebten Talk-Show-Gast und geschätzten Gastschreiber der Tagespresse auf. Auf Instagram gibt er darüber hinaus einen Einblick in sein Privatleben abseits des Politikeralltags, ohne alle Details preiszugeben.

Alle Social-Media-Profile von Konstantin Kuhle auf Pluragraph.de


Dorothee Bär (CSU), MdB und Staatsministerin für Digitalisierung

Doro Bär
Instagram-Posting von Dorothee Bär
Die Staatsministerin für Digitalisierung macht ihrem Job alle Ehre und ist auch im WWW eine Marke. Bär kommt in fast all ihren Posts ohne klassische Phrasen und die üblichen Fotomotive aus. Im Netz ist sie vor allem Mensch – mit Hang zum Glamour. Sie hat Spaß an dem, was sie tut und daher mischt sie bei Twitter, Facebook und Instagram in Dialogen mit oder taucht auf fremden Profilen auf. Mit ihrem verspielten Style zeigt sie gerade jungen Frauen, dass Politik nicht nur grau ist und man als Einhornfan genauso politisch Karriere machen kann. Hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel und FDP-Chef Christian Lindner hat sie in wenigen Jahren die drittgrößte deutsche politische Instagram-Community aufgebaut. Kritik gibt es trotz allem Positiven, denn manchmal kommen die Inhalte etwas zu kurz.

Alle Social-Media-Profile von Dorothee Bär auf Pluragraph.de


Bodo Ramelow (Die Linke.), Ministerpräsident

Ministerpräsident von Thüringen
Tweet von Bodo Ramelow
Das Urgestein unter den Social-Media-Politikern. Ramelow ist schon seit Ende der Neunziger im Netz unterwegs. Kommuniziert wird vor allem via Twitter. Was ihn auszeichnet? Dass er keiner Diskussion aus dem Weg geht. Kabbelt sich öffentlich mit dem politischen Gegner aber auch mit Parteifreunden. Der Linken-Ministerpräsident ist medial dauerpräsent, setzt Themen, probiert sich aus und hat ganz nebenbei einen von Presse unabhängigen Kanal etabliert, der es ihm ermöglicht, auch in kritischen Situationen mehrere 10.000 Bürger und Multiplikatoren zu erreichen. Das entscheidende dabei: Sein Kanal lebt von ihm als Person. Alles was getwittert wird, kommt von Ramelow höchstselbst. Auch mit seiner Rechtschreibschwäche geht er offen und souverän um, macht sie oft selbst zum Thema.

Alle Social-Media-Profile von Bodo Ramelow auf Pluragraph.de


Tiemo Wölken (SPD), MEP

YouTube-Video von Tiemo Wölken
Wer wissen will, wie sehr gut gemachte politische Videos aussehen müssen und wie man Politik audio-visuell präsentiert, wird beim Europaabgeordneten Tiemo Wölken fündig. Als Nachrücker der SPD hat er innerhalb weniger Wochen einen der größten YouTube-Accounts eines deutschen Europapolitikers auf die Beine gestellt – in Zahlen heißt das: Aktuell über 26.000 Abonnenten. Geholfen hat ihm ein Influencer. Wölken hat die Herausforderung angenommen, die Komplexität der Europapolitik zu erklären und tut dies fast täglich. Ein Mammutprojekt, dem er sich authentisch, entspannt und informativ stellt. Weil Videos sein Ding sind, überzeugt er auch bei Instagram und macht nebenbei noch Werbung für seinen Wahlkreis und seinen Wohnort Osnabrück: Win-win.

Alle Social-Media-Profile von Tiemo Wölken auf Pluragraph.de


Nikolas Löbel (CDU), MdB

Instagram-Story Nikolas Löbel
Er zählt zur Kategorie politischer Newcomer aus der zweiten Reihe des Parlaments. Vor einem Jahr noch lieferte er sich in Mannheim ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Direktmandat für den Bundestag. 1,4 Prozent lagen am Ende zwischen ihm und seinem SPD-Kontrahenten. Seitdem ist es ihm binnen kurzer Zeit gelungen, dass er medial wahrgenommen wird. Der Neu-Parlamentarier der CDU setzt auf gut gemachte, dramaturgisch durchdachte und professionell produzierte Instagram-Stories mit den er dem Bürger Politik sehr einfach aber klar erklärt. Löbel beweist damit, dass der Foto-Dienst sehr wohl politisch sein kann und sich deshalb genauso gut für die politische Kommunikation eignet.

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Dr. Sahra Wagenknecht (Die LINKE.), MdB

Textposting
Facebook-Posting Sahra Wagenknecht
Auf ihr Konto geht eine der größten politischen Facebook-Communities in Deutschland. Dabei postete die Co-Fraktionschefin der Linken im Bundestag lange Zeit fast ausschließlich längere Textbeiträge. Sie beweist damit, dass man seine Fans auch mit politischen Inhalten und ohne viel medialen Schnickschnack begeistern kann. Die Interaktion ist hoch und die Kommentarspalten sind voll – egal bei welchem Thema. Wagenknechts Facebook-Auftritt ist zu einem machtvollen Instrument bei der Mobilisierung geworden. Dies konnte man zuletzt beim Start der linken Sammlungsbewegung #Aufstehen verfolgen. Erreicht hat sie das mit einem fleißigen Team im Hintergrund und einem professionellen Communitymanagement. Obwohl sie Facebook erst seit gut drei Jahren nutzt, sammeln sich bei ihr 450.000 Fans – das sind fast 10-mal mehr wie noch 2015.

Alle Social-Media-Profile von Dr. Sahra Wagenknecht auf Pluragraph.de


Aminata Touré (Bündnis 90/Die Grünen), MdL

Grüne SH
Instagram-Story Aminata Touré 
Hautnah dabei sein, wenn Politik gemacht wird, wenn man Niederlagen aushalten muss, wenn man sich ärgert, sich freut und auch dann, wenn es private Probleme gibt. Touré sitzt für die Grünen im Landtag von Schleswig-Holstein, nimmt Fans und Follower gewissermaßen live mit in die politischen Arenen und lässt sie bei Instagram an ihrem politischen Leben teilhaben. Dadurch macht sie die doch manchmal recht trockene Politik erlebbar. Ihre Social-Media-Profile sind aber nicht nur etwas für das junge Publikum, denn sie erklärt Hintergründe zu Diskussionen und zeigt, wieviel Arbeit hinter einem Gesetz steckt. Extrem sehenswert, weil verwackelt, mitten aus dem Leben und wenig inszeniert wirkend.

Alle Social-Media-Profile von Aminta Touré auf Pluragraph.de







Christian Lindner (FDP), MdB

FDP
Facebook LIVE Christian Lindner
Mister Social Media, keine andere Bezeichnung wäre treffender für den FDP-Alleinherrscher. Lindner hat eigene Formate und Stile erfunden und geprägt und ist wohl mit Abstand der deutsche Politiker, der es am besten versteht, sich in digitalen Medien zu inszenieren. Die Erfolgsformel? Smarte, offene und vor allem stylische Kommunikation, die ihm sowohl in den klassischen Medien als auch innerhalb seiner Partei viel Aufmerksamkeit beschert. Bei Lindner trifft Inhalt auf Ästhetik. Mit einer nahbaren und sehr dialogorientierten Kommunikation hat er sich eine sehr aktive und ihm extrem zugewandte Community geschaffen, die dafür sorgt, dass seine Themen und Positionen in die Breite getragen werden. Ohne Social Media und einen umtriebigen Chef, würde es die FDP heute wohl nicht mehr geben – jedenfalls nicht im Bundestag. Es gilt also weiter: Digital first, Bedenken second.

Alle Social-Media-Profile von Christian Lindner auf Pluraraph.de


Junges SPD-Quartett Julitz/Aßmann/da Cunha/Dahlemann

Facebook LIVE Julitz/Aßmann/da Cunha/Dahlemann
Während die einzelnen Profile verbesserungswürdig sind, punktet die SPD Mecklenburg-Vorpommern als Kollektiv oder besser: als Quartett. Nadine Julitz, Philipp da Cunha, Elisabeth Aßmann, Patrick Dahlemann sitzen nicht nur allesamt im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern sondern haben auch ein Videoformat geschaffen, um den Austausch mit der Bevölkerung wiederzubeleben. Das ist deshalb besonders, weil Social Media für viele Landespolitiker im Norden immer noch ein Fremdwort ist und der Dialog lange brach lag. Die vier jungen Parlamentarier*innen erklären ihren Alltag und ihre politischen Standpunkte vor der Kamera – frisch und ungekünstelt. Sie machen Politik wieder attraktiv und ermöglichen ein Blick hinter die Kulissen der Landespolitik. Und so gehört die SPD-Auswahl zur Social-Media-Sperrspitze eines ansonsten ziemlich undigitalen Landes.

Alle Social-Media-Profile von Nadine Julitz auf Pluragraph.de
Alle Social-Media-Profile von Elisbeth Aßmann auf Pluragraph.de 
Alle Social-Media-Profile von Philipp da Cunha auf Pluragraph.de
Alle Social-Media-Profile von Patrick Dahlemann auf Pluragraph.de 


#Followerpower

Dies ist natürlich nur eine sehr subjektive Liste von Tom Waurig und mir. Wer gehört für Euch auf jeden Fall noch in diese Liste? Freue mich über alle eure Hinweise, Empfehlungen und Begründungen von welchem/r Politiker*in man noch was lernen kann, wenn es um digitale Kommunikation geht.


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