Freitag, 31. August 2018

Wahlplakate from Hell: Landtagswahlen Bayern & Hessen

Der Klassiker ist zurück! 

Nachdem ich bereits im letzten Europawahlkampf, bei der Hamburger und der Bremer Bürgerschaftswahl, bei den Landtagswahlen im März und September 2016 sowie den Landtagswahlen 2017 und der letzten Bundestagswahl die schönsten "Wahlplakate from Hell" präsentiert habe, konnte ich eurem Wunsch nicht widerstehen und habe auch wieder zu den Landtagswahlen im Freistaat Bayern (14. Oktober 2018) und Hessen (28. Oktober 2018) einige schöne Motive drüben bei Twitter und Facebook zusammengetragen.

Hier nun alle auf einen Blick:

 

Freistaat Bayern


Eva Kappl, Die Linke
 
Michael Streibl, FDP
 
Marius J. Brey, Die Linke & Alfred Stuiber, FDP 

Luis Fuchs, ÖDP
 
Michael Lehner, CSU 

Emilia Kirner, ÖDP
 
Benjamin Zilker, ÖDP

Dr. Franz Rieger, CSU 

Ernst Weidenbusch, CSU
 
Barbara Becker, CSU & Astrid Jung, FDP

Peter Corticelli, FDP

Albert Duin, FDP

Martin Hagen, FDP

Alfred Stuiber, FDP

Josef Samitz, FDP

Michael von Gumppenberg, FDP

Dr. Wolfgang Heubisch, FDP


Günther Meyer, Piratenpartei
 
Uwe und Birgit Hartmann, Bayernpartei

Christian Hänsch, Die Linke

Rainer Kristuf, Die PARTEI



FDP Bayern

CSU Kempten 
 
CSU Bayern & FDP Bayern

Piratenpartei Bayern

V-Partei Bayern
 
Liberal-Konservative Reformer Bayern

Liberal-Konservative Reformer Bayern

AfD Bayern

 

Hessen 


René Rock, FDP

René Rock, FDP
 
Yanki Pürsüm, FDP

 

Außer Konkurrenz 


Heiko Lorenz, Sächsische Volkspartei  

Julien Ferrat, Mannheimer Volkspartei

SPD Rostock

Die LINKE Mecklenburg-Vorpommern
 


WfH in den Medien: Einige Medienberichte zu den hier geziegten Plakaten gibts u.a. bei "Werben & verkaufen"



Donnerstag, 16. August 2018

Warum ich mich als Politiker gegen 30.000 Fake-Follower wehre

Dies ist ein Gastbeitrag des Bundestagsabgeordneten Dr. Lukas Köhler. Er sitzt für die FDP seit 2017 als Obmann im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, sowie im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung. 

Screenshot
Twitter-Account von Dr. Lukas Köhler, MdB

Im September 2017 bin ich über die Landesliste der FDP Bayern erstmals in den Deutschen Bundestag eingezogen. Die Zeit seither ist mit vielen extrem spannenden, aber auch völlig neuen Erfahrungen verbunden. Mit zwei sehr großen Herausforderungen war ich gleich ganz am Anfang meiner Zeit in Berlin konfrontiert: Wie bediene ich ein Faxgerät – das wichtigste Kommunikationsmittel im Bundestag? Und wie gehe ich mit Fake-Followern auf Twitter um?

Denn Ende Oktober fing es plötzlich an. Mein Twitter-Account – noch relativ neu, erst im Wahlkampf gestartet und bisher mit einer eher überschaubaren Zahl von rund 150 Followern – erfreute sich plötzlich größter Beliebtheit. 500 Follower. Kurz danach 1.000, dann 2.000, 3.000, schließlich 5.000 Follower. Meiner anfänglichen Freude über das zunehmende Interesse an meiner Meinung zum politischen Geschehen wich schnell einer gehörigen Portion Skepsis, denn mir war klar, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Es musste sich um Fake-Follower handeln. Während ich noch darüber nachdachte, welchen Sinn es haben, welches Interesse jemand damit verfolgen könnte, meinen twitter-Account mit lauter Fakes zu überfluten, wurde mir klar: Du musst hier gegensteuern, um nicht in Verdacht zu geraten, mit gekauften Followern Eindruck und Reichweite vortäuschen zu wollen. Ich wäre schließlich nicht der Erste gewesen, der das versucht – und auch, wenn die Art und Weise recht plump gewirkt hätte, wäre es nicht überraschend gewesen, wenn dieser Eindruck 
entstanden wäre.

Quelle: Pluragraph.de
Entwicklung der Twitterfollower Dr. Lukas Köhler (Pluragraph.de)
In der Folge habe ich mich an Twitter-Experten und an Twitter selbst gewandt, um zu erfahren, was ich gegen diese Flut offensichtlicher Fake-Follower tun könne. Die Antwort war ernüchternd: Prinzipiell erstmal nichts, außer den Account auf nicht-öffentlich stellen und die falschen Profile manuell oder mit Hilfe kommerzieller Programme rauszufiltern. Obwohl mir diese Lösung widerstrebte, da ich Twitter schließlich ganz bewusst für die Öffentlichkeit nutze, blieb mir nichts anderes übrig. 

Nach einiger Zeit habe ich immer wieder probiert, das Profil öffentlich zu stellen – und jedes Mal stieg die Zahl der Follower in Windeseile wieder an. Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Derzeit habe ich mit Hilfe des Programms Statuspeople rund 30.000 Profile identifiziert und geblockt. Für Statuspeople habe ich mich nach intensiver Recherche im Netz und letztlich meinem Bauchgefühl folgend entschieden. Und auch, wenn das Problem nicht vollständig gelöst wurde, bin ich letztendlich froh, diesen Weg gegangen zu sein. Enttäuscht bin ich von Twitter selbst. Nicht, weil offensichtliche Fake-Accounts erst gesperrt werden, nachdem sie gemeldet wurden. Das finde ich gut und richtig. Aber dass eine Kontaktaufnahme offensichtlich nicht möglich ist und sich niemand auf meine Anfragen gemeldet hat, verstehe ich nicht unter gutem Userservice.

In letzter Zeit war dann aber auch endlich Ruhe, die Zahl meiner Follower pendelte sich bei ca. 4.000 ein, von denen ich immer noch eine beträchtliche Zahl als Fakes eingeschätzt habe. Aber immerhin stieg die Zahl nur noch in dem Maße, wie ich es mir auf Grund meiner Aktivität habe. Mein Profil war dabei wieder öffentlich, da ich mich nicht dauerhaft geschlagen geben wollte. Sollte die Zahl der Fake-Follower allerdings wieder steigen, werde ich mich gezwungen sehen, wieder einzuschreiten. Zuletzt allerdings geschah ohnehin etwas Anderes: Offenbar ist Twitter, nach wie vor ohne Kommunikation mit mir, selbst aktiv geworden und hat eine Reihe von Fakes entfernt. Mit meinem aktuellen Stand von 1.342 Followern fühle ich mich wieder wohl, denn diese Zahl halte ich tatsächlich für sehr realistisch.

Gerne würde ich den Beitrag mit einem Rat beenden, wie man sich vor diesem Problem schützen kann. Leider muss ich sagen, dass ich diesen Rat für die Zukunft selbst gerne bekommen würde, falls sich die Situation wiederholt. Ich würde allerdings jederzeit wieder offensiv mit dem Thema umgehen, statt mich nicht mit meiner großen Zahl an Followern zu brüsten. Denn ich weiß dann, dass sie nicht echt sind, sondern dass mir irgendjemand einen üblen Streich spielt, von dem ich nicht mal weiß, welchen Nutzen er sich davon verspricht. 


Eins ist jedoch auch klar: Ich lasse mich weder von Twitter vertreiben, noch werde ich mich der Masse an Fakes jemals kampflos geschlagen. Ich hoffe jedoch, ab sofort wieder ein Profil mit Followern zu haben, die zum Teil inhaltlich mit mir übereinstimmen, zum anderen Teil aber auch in den fairen Wettstreit der Meinungen mit mir treten. Denn die sachliche Debatte ist es doch, die Politik ausmacht und aus der ich selbst auch immer wieder lernen kann. 



Autor 

Dr. Lukas Köhler
Dr. Lukas Köhler ist klimapolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Obmann der FDP-Fraktion im Umwelt- und Menschrechtsausschuss und ist Mitglied im Parlamentarischen Beirat für Nachhaltigkeit. Zuvor war Geschäftsführer des von ihm mitgegründeten Zentrums für Umweltethik und Umweltbildung an der Hochschule für Philosophie in München.

Twitter: @koehler_fdp




 

Donnerstag, 19. Juli 2018

Twitter-Analyse: Wie informieren sich Bundestagsabgeordneten bei Twitter?

Dies ist ein Gastbeitrag von Rainer Faus (Geschäftsführer) und Leonie Schulz (Beraterin) von der Agentur pollytix strategic research. pollytix ist eine Berliner Agentur, die sich auf forschungsbasierte Beratung spezialisiert hat. Der Beitrag ist die Aktualisierung der ersten Twitter-Analyse "Wem folgen die MdB?" vom Dezember 2016. 

Grafik: Twitterquoten der Bundestagparteien (Stand April 2018)
Zum Einstieg ein wenig Statistik. 

73% der Abgeordneten im 19. Deutschen Bundestag haben einen Twitter-Account. Rund 1,6 Millionen Tweets haben alle aktuell gewählten Parlamentarier bisher zusammen gesendet. Durchschnittlich kommen so pro Monat über 30.000 neue Tweets hinzu. Jede*r Abgeordnete hat durchschnittlich 10.000 Follower. Twitter ist somit ein unumstritten wichtiges Kommunikationsinstrument für den Großteil der Abgeordneten. Die Plattform bietet die Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erhalten, Informationen zu teilen, Position zu beziehen oder zu provozieren.

Grafik: Durchschnittliche Anzahl gefolgter Accounts pro Partei
Aber auch als Informationsquelle gehört Twitter zum Alltag vieler MdBs. 647 Accounts folgt jede*r Abgeordnete durchschnittlich. Welche Informationen nehmen sie dort wahr? Welche Quellen sind ihnen wichtig? Wessen Beiträge wollen sie nicht verpassen und gibt es unterschiedliche Präferenzen in den verschiedenen Fraktionen? Um diese Fragen zu beantworten, analysieren wir, wem die Abgeordneten bei Twitter folgen. 

Dieser Beitrag aktualisiert und erweitert damit gleichzeitig die Analyse des Twitter-Verhaltens des alten 18. Deutschen Bundestages von Martin Fuchs und SPIEGEL ONLINE. Er wirft einen Blick auf die Verschiebungen in den Popularitätslisten, welche durch 1,5 Jahre, zwei neue Fraktionen und über 160 zusätzliche MdB eingetreten sind. 

Wer twittert? 


Aktuell sind 520 von 709 Parlamentariern mit einem Account bei Twitter vertreten, die Twitter-Quote des Bundestags liegt somit bei 73%. Die twitternden MdBs verteilen sich nicht gleichmäßig über alle Parteien. Spitzenreiter sind die Grünen mit einer Twitterquote von 94%. Das Schlusslicht bilden die Unionsparteien (CSU: 57%/CDU: 51%).

Wie vielen Accounts wird gefolgt? 


Durchschnittlich folgen die Abgeordneten jeweils 647 Accounts. Der Durchschnittswert streut erneut zwischen den Parteien. Abgeordnete der Grünen folgen mit 975 Accounts im Durchschnitt den meisten, CSU-Abgeordnete mit 345 Accounts den wenigsten. Neun Abgeordnete folgen (bislang) niemandem und gehen somit nicht in die Analyse mit ein. 

Wem folgen die Abgeordneten? 

Grafik: Aus welchen Bereichen kommen die meistgefolgten Accounts?

Unter den 100 wichtigsten Quellen befinden sich vor allem Twitter-Accounts von Medien (47), von anderen Politiker*innen (37), von Partei- und Regierungsorganisationen (15) sowie der DGB

An der Spitze der meistgefolgten Accounts steht Regierungssprecher Steffen Seibert. 318 MdBs (61%) folgen ihm. 6 Plätze unter den Top10 nehmen klassische Nachrichtenangebote ein: Tagesschau, Spiegel Online/Spiegel Eilmeldungen, SZ, Zeit Online und Welt. Von den twitternden Politiker*innen haben es nur Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und der ehemalige Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) ins Ranking geschafft. Mit @spdbt ist auch ein Fraktionsaccount unter den Top10 vertreten. 246 Abgeordnete folgen ihm, weniger als die Hälfte davon sind Abgeordnete der SPD. Auch für MdBs anderer Parteien ist der Fraktionsaccount somit eine relevante Twitter-Quelle. 

Im Vergleich zu den meistgefolgten Accounts des alten. 18. Bundestages zeigt sich trotz der über 160 hinzugekommenen twitternden Abgeordneten nur wenig Verschiebung. Auch im alten Twitter-Bundestag lagen Regierungssprecher, Medienangebote sowie Sigmar Gabriel und Peter Altmaier im Top10-Ranking. Herausgefallen aus den Top10 sind Ex-SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann und Staatsministerin Dorothee Bär (CSU). 


Wem folgen die Abgeordneten einzelner Parteien?


Beim Follower-Verhalten der einzelnen Parteien fällt jeweils die starke Fokussierung auf die eigene Partei auf: Fraktions-und Parteiaccounts sowie Spitzenpolitiker*innen aus den eigenen Reihen dominieren die parteiinternen Rankings. 

Lediglich bei CDU und CSU finden sich mit Regierungssprecher Steffen Seibert und Tagesschau sowie bei den Linken mit Neues Deutschland jeweils parteifremde Accounts in den Top10. Bei CDU, CSU und FDP findet sich zudem die jeweilige Jugendorganisation in den Listen, bei AfD und FDP sind zudem jeweils Accounts der Landesverbände aus NRW (@fdp_nrw, @AlternativeNRW) dabei.


Top 10
Was sind die meistgefolgten Accounts der CDU-MdB?
Neben dem Fraktions-, dem Partei-Account und dem Account der Jungen Union stehen auch einige Personen-Accounts hoch im Kurs bei den Abgeordneten der CDU: Staatssekretär und Ex-Generalsekretär Dr. Peter Tauber folgen 84% aller Abgeordneten der eigenen Partei, Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Gesundheitsminister Jens Spahn folgen fast ebenso viele. Interessanterweise sind auch Ex-Gesundheitsminister Hermann Gröhe und der Erste parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion Michael Grosse-Brömer wichtige Quellen der CDU-Abgeordneten.  

Top 10
Was sind die meistgefolgten Accounts der CSU-MdB?

Von den 26 twitternden CSUler im Deutschen Bundestag folgen fast alle Aktiven auch den gleichen zehn Accounts im Top 10-Ranking. Spannend: Ministerpräsident Markus Söder ist nicht bei den Top-Accounts dabei, dafür aber die stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner, als auch die Ex-MdB Dagmar Wöhrl und Katrin Albsteiger. Letztere hat seit Oktober 2017 nicht mehr getwittert. Auch der netzpolitische Verein der Partei @CSU_net und die CSU-Landtagsfraktion scheinen wichtigere Quellen zu sein als der Ministerpräsident. 
Was sind die meistgefolgten Accounts der SPD-MdB?
Wer hätte das gedacht? Der ehemalige Kanzlerkandidat der SPD steht bei den eigenen Abgeordneten weiterhin hoch im Kurs. 84% der SPD-MdB folgen Martin Schulz weiterhin bei Twitter. Mehr als den aktuellen SPD-Minister*innen der GroKo. Im Ranking sind Hubertus Heil, Katarina Barley und Heiko Maas vertreten. Auch dem Generalsekretär Lars Klingbeil und dem Hamburger Viel-Twitterer Johannes Kahrs folgen fast 100 Bundestagsgenossen.
Was sind die meistgefolgten Accounts der AfD-MdB?

Fast alle twitternden AfD-Bundestagsabgeordneten folgen der Partei und der Fraktion. Aber auch das Mitgliedermagazin @AfDKompakt großer Beliebtheit. Diese hohe Folgequote die sich von den anderen Parteien unterscheidet ist eventuell damit erklärbar, das nach der Wahl viele MdB-Accounts von der Fraktion proaktiv angelegt wurden und erst sukzessive an die MdBs übergeben wurden. Bis dahin wurden sie von der Fraktion geführt und gepflegt. Mit Guido Reil ist auch ein AfD-Politiker unter den meistgefolgten, der weder im Bundestag, noch im Landtag für die Partei sitzt, aber intern ein großes Gewicht zu haben scheint.





Was sind die meistgefolgten Accounts der FDP-MdB?
Die FDP und auch die FDP-Fraktion sind Christian Lindner und Christian Linder ist die FDP. Nicht überraschend folgen dem größten FDP-Account auch mehr MdB als der eigenen Partei und der eigenen Fraktion. 92 % wollen nicht verpassen was der Parteichef und sein Team twittern. Neben einigen prominenten Abgeordneten, wie dem Ersten parlamentarischen Geschäftsführer Marco Buschmann oder der Generalsekreärin Nicola Beer und MdB Otto Fricke findet sich im Ranking auch der rheinland-pfälzische Minister Volker Wissing und der Account der Landes-FDP aus NRW.





Was sind die meistgefolgten Accounts der Linke-MdB?

Die wichtigsten Informationsquellen der Linken-Abgeordneten sind Partei, Fraktion, die Fraktionschefin als auch die Parteivorsitzenden. Überraschender ist dagegen, dass der parteinahen Zeitung "Neues Deutschland" neun von zehn MdB folgen. Dies ist bei keiner anderen Partei so. Neben den bekannten Talkshow-gästen und Parteipromis gibt es mit den MdB Christine Buchholz, Petra Sitte und Niema Movassat auch einige unbekanntere Gesichter im Ranking, die aber parteiintern wichtige Informationsquellen zu sein scheinen.






Was sind die meistgefolgten Accounts der Grünen-MdB?
Ähnlich wie bei der CSU folgen auch bei den Grünen fast alle aktiven Bundestags-Twitterer den wichtigsten Accounts im Ranking. Dabei scheinen die neuen Parteivorsitzenden MdB Annalena Bearbock und Robert Habeck genauso wichtig, wie Partei und Fraktion. Aber auch Politiker*innen aus der zweiten Reihe wie die Fraktionsvize Katja Dörner, Agnzieszka Brugger, Konstantin von Notz, Oliver Krischer und der haushaltspolitischer Sprecher Sven Kindler gehören neben der Fraktionsspitze zum festen Informationsrepertoire der Abgeordneten. Auch wenn die Alphatiere Cem Özdemir und Jürgen Trittin offiziell keine wichtigen Positionen mehr begleiten wird auf deren Meinung weiterhin gehört.

 

 

Welchen Medien folgen die Abgeordneten?  

 

Grafik: Was sind die meistgefolgten Medien-Accounts der MdB?

Medienangebote stellen einen großen Teil der meistgefolgten Twitter-Accounts. Die wichtigste Quelle darunter ist die Tagesschau. 309 MdBs (59%) folgen ihr bei Twitter. Dahinter rangieren vor allem Printmedien mit hoher Reichweite und deren Online-Formate. Aber auch der Sender ZDF und die Nachrichtenagentur dpa sind unter den 10 meistgefolgten Medienaccounts von MdBs zu finden. 

Einen detaillierten Blick auf die wichtigsten Informations-quellen ermöglicht die Betrachtung der Medien nach einzelnen Kategorien. Die Zuordnung erfolgt mit Blick auf das hinter dem Account steckende „Muttermedium“. Beispielsweise wird Zeit Online nicht als Onlineangebot sondern als Wochenzeitung eingeteilt.

Die Followerzahlen zeigen, dass öffentlich-rechtliche Angebote sowie Tages- und Wochenzeitungen eine wichtigere Rolle für die MdBs spielen als private Rundfunkangebote. Abgesehen von n-tv wird anderen Privatrundfunkangeboten kaum bei Twitter gefolgt. Bei den Online-Only Angeboten stehen Blogs und Accounts, die Wahlumfragen veröffentlichen, hoch im Kurs. Auch der Satire-Account Postillon ist unter den beliebtesten Angeboten vertreten. 

Grafiken: Meistgefolgte Accounts des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Vergleich zu privatem Rundfunk
Grafiken: Meistgefolgte Accounts Tageszeitungen und Wochenzeitungen/Zeitschriften im Vergleich

Grafik: Meistgefolgte Accounts Online-only/Blogs
Bei den Blogs und "Online-only"-Medien dominieren nicht überraschend politische und teilweise sehr fachspezifische Angebote wie @wahlrecht_de, @btwahltrend (Disclaimer: Ein Angebot der pollytix GmbH), @a_watch, @wahl_de, @politik_digital und @bundestagsradar in den Top 10.

Mit @netzpolitik und @bildblog finden sich aber auch zwei der meistgelesenen Blogs des Landes darunter. Immerhin knapp 29% aller Abgeordneten interessieren sich für netzpolitische Updates. Netzpolitik ist also immer mehr im politischen Mainstream angekommen.  



  
Auch bei der Betrachtung innerhalb der Parteien dominieren Accounts von Tages- und Wochenzeitungen sowie öffentlich-rechtliche Angebote. Bei AfD, CSU und SPD tauchen zusätzlich die parteizugehörigen Zeitungen AfD Kompakt, Bayernkurier und Vorwärts in der Top-Liste der entsprechenden Partei auf. 

Auch parteiübergreifende Filterblasen werden am Beispiel von Bild-Zeitung und Die Tageszeitung (taz) deutlich. Die Bild-Zeitung taucht im Top-Medien-Ranking von CDU, CSU, FDP und AfD auf, nicht aber bei SPD, Grünen und Linken. Hier ist wiederum jeweils @tazgezwitscher unter den meistgefolgten Medien vertreten.

Grafik: Meistgefolgte Medien-Accounts auf Twitter von CDU- und CSU-Abgeordneten

Grafik: Meistgefolgte Medien-Accounts auf Twitter von SPD- und AfD-Abgeordneten

Grafik: Meistgefolgte Medien-Accounts auf Twitter von FDP- und Linke-Abgeordneten






















































Meistgefolgte Medien-Accounts der Grünen-Abgeordneten







 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welchen Journalist*innen und Blogger*innen wird gefolgt?


Neben den Twitter-Accounts der Medienangebote spielen auch die Accounts einzelner Journalist*innen und Blogger*innen eine zentrale Rolle für die MdBs. 

Die meistgefolgten Journalist*innen/Blogger*innen der MdB
Auf das größte Interesse stoßen die Accounts von Jan Böhmermann und Sascha Lobo - beides keine klassischen Journalisten, eher Publizisten und Entertainer. Dahinter rangieren vor allem Journalist*innen aus den Print- und Onlinemedien sowie mit Dunja Hayali eine Fernsehjournalistin.

Unter den Top 10 befinden sich Journalist*innen von WELT (2), SPIEGEL ONLINE (2), BILD am Sonntag (1), Tagesspiegel (1), freitag (1) und dem ZDF (1).  

 
Betrachtet man nun die Parteien wieder individuell werden wieder klare Unterschiede zwischen den Parteien deutlich. In den Listen der CDU- und FDP-Abgeordneten dominieren aktuelle oder ehemalige Journalist*innen des Axel Springer Verlags, darunter Kai Diekmann, Robin Alexander, Miriam Hollstein und Ulf Poschardt

Bei Abgeordneten von Grünen, Linken und SPD streut die Liste der meistgefolgten Accounts stärker. Bei den Grünen sind beispielsweise auch ein taz-Redakteur (UlrichSchulte) und Zeit-Redakteurinnen (Lisa Caspari und Mariam Lau) zu finden. Meistgefolgt von den Linken wird der ehemalige Chefredakteur von Neues Deutschland, Tom Strohschneider. Aber auch Jung&Naiv-Chefredakteur Tilo Jung wird von über 40% der Linken-MdBs bei Twitter gefolgt und landet im Top10-Ranking. Für Abgeordnete der CSU sind zusätzlich die Accounts der Redakteure regionaler Medien wichtig: Meistgefolgt von ihnen ist Christian Deutschländer, Chefredakteur vom Münchner Merkur. 

Grafik: Meistgefolgte Journalist*innen/Blogger*innen von CDU- und CSU-Abgeordneten
Meistgefolgte Journalist*innen/Blogger*innen von FDP- und Linke-Abgeordneten

Grafik: Meistgefolgte Journalist*innen/Blogger*innen von SPD- und AfD-Abgeordneten



Meistgefolgte Journalist*innen/Blogger*innen von Grünen-MdB
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Welchen Interessenvertretungen folgen die MdB? 


Die meistgefolgten Interessenvertretungen der MdB
Mit dem DGB hat es auch eine Gewerkschaft in die Liste der 100 meistgefolgten Accounts der MdBs geschafft. Andere Interessenvertretungen, denen viele Abgeordnete bei Twitter folgen, sind u.a. ver.di, Greenpeace, Campact und IG Metall

Aus den Reihen der parteinahen Stiftungen hat es nur die grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung ins Ranking geschafft. Nicht mehr in der Top10 Liste, aber auch häufig gefolgt werden die Friedrich-Ebert-Stiftung (73) und die Konrad-Adenauer-Stiftung (64). Dahinter rangieren im Ranking der parteinahen Stiftungen die Rosa-Luxemburg-Stiftung (56), Friedrich-Naumann-Stiftung (53) und Hanns-Seidel-Stiftung (22). 

Mit Lobbycontrol folgen immerhin 14% aller twitternden Parlamentarier der NGO, die sich für Transparenz im Lobbyismus einsetzt. Ironischerweise ist sie damit also eine der wichtigsten Interessenvertretungs-Informationsquellen der MdB

In den Top 10 sind weder ein (Wirtschafts-)verband noch ein Unternehmen vertreten.

 
Die meistgefolgten Wirtschaftsverbände der MdB
Bei den Interessenvertretungen aus dem Bereich Wirtschaft steht der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) an der Spitze, gefolgt vom Verband der Familienunternehmer sowie dem Verband der Jungen Unternehmer















 

Welchen Unternehmen folgen die MdB?  


 
Die meistgefolgten Unternehmen der MdB auf Twitter
Die Twitter-Accounts von Unternehmen spielen für die Abgeordneten im Vergleich zu Interessenvertretungen nur eine untergeordnete Rolle. Unter den Top10 sind mehrere Unternehmen, die bei Twitter Zahlen aus Meinungs- und Wahlforschung präsentieren (infratest dimap, pollytix, YouGov). Darüber hinaus schaffen es nur wenige Wirtschaftsunternehmen, eine Vielzahl an Followern aus dem Bundestag anzuziehen.
 

Relevanter sind im Bereich Wirtschaft und Public Affairs die Accounts einzelner Lobbyisten oder Geschäftsführer, darunter Axel Wallrabenstein (105), Christian Wohlrabe (62), Nico Lumma (62) oder Dietrich von Klaeden (55).



Weitere beliebte Accounts der MdBs sind die Polizei Berlin (88) sowie Polizei Berlin Einsatz (78), Kabarettist Dieter Nuhr (82), Papst Franziskus (77), Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (75), die Deutsche Nationalmannschaft (72), Pro Asyl (72) und Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (71).


Die Analyse zeigt, dass das viel diskutierte Problem der Filter-Bubbles auch im Twitter-Bundestag eine große Rolle spielt. Die MdBs folgen vor allem Accounts aus den eigenen Reihen. Auch bei den gefolgten Medien, Journalist*innen und Blogger*innen zeigen sich deutliche Parteipräferenzen. Dies führt zu Timelines, die vor allem die eigene politische Haltung wiederspiegeln und verstärken – ein Faktor, der sich auch auf die politische Arbeit auswirken könnte.



Autor*innen

Rainer Faus
Rainer Faus, ist Gründer und Geschäftsführer von pollytix strategic research, einer in Berlin ansässigen Agentur für forschungsbasierte Beratung und ist spezialisiert auf Meinungsforschung, Kampagnen und Wahlkampf. In den letzten 10 Jahren hat er an mehr als 30 Wahlkämpfen in Deutschland, Asien, Australien und Neuseeland mitgewirkt.
  
Twitter: @rainerfaus

 

 

 

 



Leonie Schulz
Leonie Schulz, ist Beraterin bei pollytix strategic research. Hier ist sie vor allem für quantitative Forschungsprojekte und Analysen verantwortlich und berät Parteien, Verbände und Unternehmen.

Twitter: @pollytix_gmbh