Mittwoch, 26. Juli 2017

Wahlplakate from Hell #btw17: Edition Bundestagswahl 2017

FDer Klassiker ist zurück! 

Nachdem ich bereits bei den letzten Landtagswahlen im Saarland, Schleswig-Holstein und NRW, im letzten Europawahlkampf, bei der Hamburger und der Bremer Bürgerschaftswahl und bei den drei Landtagswahlen im März und im September 2016 die schönsten "Wahlplakate from Hell" präsentiert habe, konnte ich eurem Wunsch nicht widerstehen und habe auch wieder zur Bundestagswahl 2017
(24. September 2017) einige schöne Motive drüben bei Twitter und Facebook zusammengetragen.

Sollte ich weitere sehenswerte Exemplare übersehen habe, freue ich mich immer über sachdienliche Hinweise unter martin.fuchs@hamburger-wahlbeobachter.de, die Kommentarspalte sowie Facebook und Twitter. ;)

Hier nun alle Plakate auf einen Blick:

 

Kandidatinnen


Markus J. Brey (Die Linke.)
 
Niema Movassat (Die Linke.)
 
Matthias Ilgen (SPD)

Dr. Wolfgang Stefinger
(CSU)

Thomas Utz
(SPD)
 
Sebastian Hartmann
(SPD)

Dagmar Ziegler
(SPD)
 
Ingo Schäfer (SPD)
 
Martin Schulz (SPD)
 
Martin Schulz (SPD) 
 
Johannes Kahrs (SPD)


Roland Panter
(Bündnis 90/Die Grünen)

Oliver Bittmann
(Bündis 90/Die Grünen)
 
Manfred Krönauer (FDP)

Michael Kuffer
(CSU)


Julia Obermeier & Bernhard Looos
(CSU)

 
Karin Maag (CDU)
 
Norbert Altenkamp
(CDU)
 
Matern von Marschall (CDU)

Stefan Rebmann
(SPD)
 
Stefan Rebmann (SPD) & Nikolas Löbel (CDU)
 
Stefan Liebich (Die LINKE.) & Gottfried Ludewig (CDU)
 
Bernd Riexinger
(Die LINKE.)

Ludwig Gebhard
(Freie Wähler)

Sebastian Blume
(parteilos)

Christian Lindner
(FDP)
 
Katrin Helling-Plahr (FDP)

 


Parteien 


Bündnis 90/Die Grünen
(Karlsruhe)
 
Bündnis 90/Die Grünen


Bündnis 90/Die Grünen 

Die PARTEI


Die PARTEI

 
Die PARTEI Hannover

 
Partei für Gesundheitsforschung

 
FDP Ostholstein


FDP

 
Piratenpartei Deutschland

 
Bergpartei
 
CDU Berlin



 


Sonstige


Team Kurz, Österreich 


Unbekannt




Mushin Senol (Forum Neues Offenbach)



 


Wahlanzeigen


Alternative für Deutschland

[Update: Bei diesem SharePic vom inoffiziellen AfD-Instagram-Account @afd.de handelt es sich wohl um ein Fake, zu sehen sind zwei NPD-Funktionäre, das Bild stammt aus eine Video von Deutsche Stimme TV]


Donnerstag, 30. März 2017

Coworking für die Demokratie - neue Ansätze in der politischen Kommunikation

Dies ist ein Gastbeitrag von Dr. Maren Jasper-Winter (FDP). Seit der Abgeordnetenhauswahl 2016 ist sie Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und vertritt dort den Wahlkreis Berlin-Mitte. Sie sitzt im Petitionsausschuss und vertritt die Fraktion im Berliner Beirat für Familienfragen. Im Gastbeitrag beschreibt sie die Beweggründe für die Standortauswahl und den Change Prozess der Freien Demokraten.

Screenshot
Webseite Dr. Maren Jasper-Winter
Eine lebendige Demokratie lebt von einer aktiven Bürgergesellschaft. Dafür ist das Gespräch von Mensch zu Mensch unabdinglich. Nur so können unterschiedliche Ansichten und Interessen in der politischen Willensbildung berücksichtigt werden. Noch nie hatten die Wählerinnen und Wähler mehr Möglichkeiten, direkt mit ihren Gewählten in einen Austausch zu treten. Alle vier oder fünf Jahre stehen die Parteien und ihre Personen auf der Probe - haben sie im Parlament ihre Positionen vertreten und den Anliegen ihrer Anhänger eine Stimme gegeben? Konnten sie in den Wahlkampagnen erfolgreich für die Erneuerung des Mandats werben?

Die Faktoren für ein gutes Stimmenergebnis sind vielfältig. Parteistrategen und Campaigner stehen dabei grundsätzlichen Veränderungen gegenüber. Die langfristige Parteibindung nimmt ab und die Anzahl der Wechselwähler steigt. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Menschen erst spät entscheiden, wo sie ihr Kreuz machen. Wahlauswertungen zeigen, dass zuletzt bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin knapp die Hälfte der FDP-Wähler sich erst kurz vor oder direkt am Wahltag festlegten. Mit nur wenigen Ausnahmen lässt sich festhalten, dass sich Trends durch Kampagnen verstärken aber nicht komplett umkehren lassen.

Wie baut man also Vertrauen in die eigene Problemlösungskompetenz auf, wie und wo entstehen Räume für einen Dialog auf Augenhöhe?

Die Freien Demokraten haben vor drei Jahren einen Leitbildprozess gestartet, der zur Klärung der eigenen Identität und der Verständigung über die gemeinsamen Werte und Programmatik beitragen sollte. Unter dem Motto #GermanMut wurde deutlich, dass wir für Optimismus, Weltoffenheit und Lösungsorientierung stehen. 
Diese Attribute beziehen sich sowohl auf unsere Inhalte als auch auf unser Auftreten, das durch einen optischen Relaunch unterstrichen wurde. Die Zeit in der außerparlamentarischen Opposition (APO) hat die Partei auf allen Ebenen verändert. Vielerorts war APO weniger ein schleunigst zu verändernder Status, sondern auch eine Geisteshaltung. Neue Themen wurden angegangen, alte Gewohnheiten hinterfragt und neue Wege der politischen Kommunikation beschritten.

Gerade als kleine Partei mit begrenzten finanziellen Ressourcen setzen wir auf Neue Medien und innovative Formate. Allen voran der Bundesvorsitzende Christian Lindner bespielt die Klaviatur der Sozialen Netzwerke; nur wenige Politiker in Deutschland können mit seinen Reichweiten bei Facebook, Twitter und Instagram mithalten. Seine Wutrede im nordrhein-westfälischen Landtag, in der er für eine Gründerkultur in Deutschland wirbt, wurde millionenfach auf YouTube und Facebook angeschaut.



Im zurückliegenden Wahlkampf hatten die FDP Berlin und unser Spitzenkandidat Sebastian Czaja nicht nur erfolgreich und nachhaltig das Thema Tegel gesetzt, sondern auch verschiedene Guerilla-Maßnahmen und eine viel und international beachtete Startup-Kampagne durchgeführt. Zum Kick-Off wurde ein Plakat mit dem Slogan "Dear start-ups, keep calm and move to Berlin." durch London gefahren. Für weniger als 2.000 Euro wurden über 200 Millionen Mediakontakte mit einem Mediagegenwert von sechs Millionen Euro erzielt (Siehe auch politik & kommunikation).

Die Themen Gründergeist und Startups wurden so erfolgreich mit modernen Kommunikationsmitteln verknüpft, die Offenheit für neue Technologien und Digitalisierung als Chance glaubhaft vermittelt.

Ein Beitrag geteilt von Christian Lindner (@cl2017) am

Mit dieser Haltung und dem Kampagnenclaim “Zeit für das nächste Berlin” wurden die Freien Demokraten am 18. September 2016 mit 6,7 Prozent wieder in das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt.

Der FDP-Bezirksverband Mitte hatte im Wahlkampf Räume geschaffen, die niedrigschwellig und lokal Ort und Anlass für inhaltliche Diskussionen waren. Es wurde extra ein Pop-Store als Wahlkampfladen eröffnet, in dem sich Freiwillige trafen und Veranstaltungen stattfanden. Eingebettet in Social Media haben wir Politik unmittelbarer und erlebbar gemacht, damit beide Seiten ihre Anliegen bzw. Positionen einander vortragen und in den Dialog treten können. Online und offline gingen Hand in Hand. Und die lokale Sichtbarkeit wurde honoriert. In meinem Wahlkreis in Mitte, in dem sich auch der Popup-Store befand, haben wir sehr gut abgeschnitten. Es war also nur folgerichtig, dass mein neues Wahlkreisbüro in dem Kiez liegen sollte, in dem ich seit 18 Jahren wohne. Hier möchte ich ansprechbar sein.

Foto von Schribtischen und Stühlen
Coworking Space WE’RE ALL IN
Die Idee eines Wahlkreisbüros ist es, Barrieren abzubauen und auch Impulse aus dem Umfeld aufzunehmen. So bezog ich schon wenige Wochen nach der Wahl in der Torstraße mein eigenes Wahlkreisbüro in einem Coworking-Space "WE´ RE ALL IN". Das hat für mich viele Vorteile: Ich war sofort arbeitsfähig, mehr als einen Laptop und eine Kaffeemaschine hatte und brauchte ich nicht. Wie in der Gründungsphase eines Unternehmens war ich ohnehin damit beschäftigt, Mitarbeiter einzustellen, Formalia mit der (sehr hilfsbereiten!) Verwaltung des Abgeordnetenhauses zu klären und mich an den neuen Arbeitsalltag zu gewöhnen.

Box von Maren Jssper-Winter im Coworking Space
In meiner Box im Coworkingspace verfüge ich über zwei Schreibtische und kann darüber hinaus die komplette Infrastruktur nutzen, seien es die Konferenzräume für Arbeitssitzungen und Workshops mit bis zu 30 Personen oder größeren Events mit hundert Leuten. Demnächst eröffnet hier auch ein Café, in dem ich dann Bürgersprechstunden (deutsch und englisch) anbiete. Meine Mitarbeiter und ich haben hier ein lebendiges und inspirierendes Umfeld, um uns herum arbeiten Solo-Selbständige und Startups aus der Tech-Branche, manche mieten sich die Schreibtische tageweise. Man kommt leicht ins Gespräch. Das passt zu Mitte und das passt zu den Freien Demokraten.

Das Wahlkreisbüro ist also Ausgangspunkt für meine politische Arbeit, über die ich schon heute regelmäßig mit kurzen Facebook-Videos z.B. aus dem Abgeordnetenhaus, einem Newsletter und demnächst (wieder) verstärkt via Twitter berichte. Diesen offenen und vernetzten Ansatz werde ich weiter verfolgen - online und offline. Mein Ziel ist es, dass ich leicht zugängliche Angebote und Formate schaffe, damit ich mich für die Menschen in Mitte einsetzen kann.




Autorin

Portrait Jasper-Winter
Dr. Maren Jasper-Winter
Dr. Maren Jasper-Winter ist bei der Wahl am 18. September 2016 als Spitzenkandidatin der FDP Berlin-Mitte über die Bezirksliste in das Abgeordnetenhaus von Berlin eingezogen. In ihrem Wahlkreis (Mitte 1) erreichte sie 8,7 Prozent der Erststimmen und 10,8 Prozent der Zweitstimmen. Jasper-Winter ist die erste Berliner Abgeordnete, die ihr Wahlkreisbüro in einem Coworking Space bezogen hat.




Mittwoch, 22. Februar 2017

Wahlplakate from Hell: Landtagswahlen Saarland, Schleswig-Holstein & NRW

Der Klassiker ist zurück! 

Nachdem ich bereits im letzten Europawahlkampf, bei der Hamburger und der Bremer Bürgerschaftswahl, bei den drei Landtagswahlen im März und im September 2016 die schönsten "Wahlplakate from Hell" präsentiert habe, konnte ich eurem Wunsch nicht widerstehen und habe auch wieder zu den Landtagswahlen im Saarland (26. März 2017), Schleswig-Holstein (07. Mai 2017) und NRW (14. Mai 2017) einige schöne Motive drüben bei Twitter und Facebook zusammengetragen.

Hier nun alle auf einen Blick:

 

Schleswig-Holstein


Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein
 
Piratenpartei Schleswig-Holstein
 
Linkspartei Schleswig-Holstein
 
Jusos Lübeck
 
Rüdiger Kohls, FDP 

Hans Peter Farysej, unabhängiger Kandidat

Christian Schubbert-von Hobe, Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein 

 

Nordrhein-Westfalen 


SPD NRW

Internationalistische Liste/MLPD NRW

Bündnis 90/Die Grünen Mönchengladbach
 
Bündnis 90/Die Grünen Mönchengladbach
 
Bündnis 90/Die Grünen NRW
 
Deutsche Zentrumspartei NRW
 
Jusos Lippe
 
Marcus Stawars, CDU NRW

Bianca Dausend, CDU NRW

Sandra Janat, Piratenpartei NRW

Felix Wöstmann, Piratenpartei NRW 

Ingo Luff, Piratenpartei NRW

Klaus Kaiser, CDU NRW

Boris Vorholt, Die PARTEI Essen

Yannick Bayer, Die PARTEI Bonn
 
Thomas Mitze, Piratenpartei Köln
 
Nadja Lüders, SPD NRW

Martin Volkenrath, SPD NRW
 
Brigitte Harti, CDU NRW & Britta Altenkamp, SPD NRW
 
Christian Lindner, FDP NRW

 

Saarland


Die Linke Saarland

Die Linke Saarland
[Dieses Motiv stammt bereits aus dem saarländischen Landtagswahlkampf 2012. Danke für den Hinweis an Thorsten Bischoff]

Piratenpartei Saarland
[Alle #MachDichFrei-Plakate der Piratenpartei Saar gibts hier]

FDP Saarland

Bündnis 90/Die Grünen Saarland 
 
Bündnis 90/Die Grünen Saarland
 
Bündnis 90/Die Grünen Saarland
 
SPD Saar 
 
SPD Saar 

Die PARTEI Saar 
 
Dagmar Ensch-Engel, Die LINKE Saarland
 
Liberal-Konservative Reformer Saarland
 
Alternative für Deutschland Saarland

Peter Richter, NPD Saarland

Die LINKE Saarland

 

Außer Konkurrenz 


Thorsten Przygoda, OB-Kandidat Darmstadt, parteilos 
 
Kerstin Lau, OB-Kandidatin Darmstadt, Uffbasse Darmstadt

Dominique Kalb, OB-Kandiat Kassel, CDU

Dominique Kalb, OB-Kandididat Kassel, CDU


Matthias Spindler, OB-Kandidat Kassel, Die PARTEI
 
Annette Maurer & Pirmin Magez,  Bündnis 90/Die Grünen Grünstadt
 
Oliver Liedtke, Lindelbacher Liste e.V, Randersacker
 
Franca Bauernfeind, RCDS Erfurt

FPÖ Bezirk Oberpullendorf (Österreich)


Junos Wien (Österreich)
 
Deutsche Glasfaser

Sollte ich weitere sehenswerte Exemplare übersehen habe, freue ich mich immer über sachdienliche Hinweise unter martin.fuchs@hamburger-wahlbeobachter.de, die Kommentarspalte sowie Facebook und Twitter. ;)

#ltwsaar #ltwsaar17 #ltwsh #ltwsh17 #ltwnrw #ltwnrw17



Dienstag, 7. Februar 2017

Mit Facebook und Twitter in den Bundestag? Der Einfluss von Social Media auf den Wahlerfolg

Dies ist ein Gastbeitrag von Dr. Kay Hinz. Er promovierte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum Thema "Kandidaten und ihre Unterstützer im Online-Wahlkampf" und ist als Berater bei der politischen Kommunikationsberatung neues handeln in Berlin tätig. 
HHU Düsseldorf
Logo Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Soziale Online-Netzwerke gewinnen in Wahlkämpfen bereits seit Jahren stetig an Bedeutung. Wie Politiker Plattformen wie Facebook und Twitter nutzen, wird von den Medien, politischen Mitbewerbern und Bürgern wahrgenommen. Die Kommunikation wirkt also über das Web 2.0 hinaus. Dass Online-Kommunikation auch mit dem Wahlerfolg von Kandidaten zusammenhängen kann, liegt daher nahe. Dies gilt vor allem für Direktkandidaten in den Wahlkreisen. Anders als Kandidaten der Landeslisten sind sie eher Einzelkämpfer und müssen für ihren Einzug in den Bundestag vor Ort kämpfen. Für Direktkandidaten ist es wichtig, potentielle Unterstützer umfangreich zu informieren , sie zu mobiliseren und im Wahlkreis vernetzt zu sein.

Da Soziale Online-Netzwerke mittlerweile zum Wahlkampf von Direktkandidaten dazugehören, ist zu klären, ob deren Nutzung auch außerhalb des Internets Effekte hat: Bestehen begründete Zusammenhänge zwischen Online-Kommunikation und dem Wahlerfolg bei der Bundestagswahl 2013?

Die Frage wird mit Daten aus der Studie „Kandidaten und ihre Unterstützer im Online-Wahlkampf. Die Bundestagswahl 2013 im Web 2.0“ beantwortet, die 2017 im Verlag VS Springer erschienen ist. Mit Befunden zu über 600 Kandidaten wurde untersucht, wie Kandidaten und Bürger im Online-Wahlkampf auf Facebook und Twitter miteinander kommunizieren und wovon dies beeinflusst wird.

Theoretischer Zusammenhang von politischer Online-Kommunikation und Wahlerfolg 

 
Wahlerfolg hängt nicht nur vom Kandidaten oder von seiner Online-Aktivität ab. Nicht zuletzt ist dafür relevant, welcher Partei ein Kandidat angehört. Dennoch können Kommunikation und Interaktion das Image eines Kandidaten prägen und in Zustimmung zu ihm und in seiner Wahl münden. 

Kandidaten und ihre Unterstützer im Online-Wahlkampf
Promotion Dr. Kay Hinz
Die Kommunikationswissenschaft unterscheidet vier Funktionen, die Kandidaten im Online-Wahlkampf erfüllen können: Information, Vernetzung, Mobilisierung und Nutzerpartizipation. Diese vier Funktionen unterliegen dem Ziel des Wahlkampfes, Wähler zu rekrutieren. Dass die Erfüllung der Funktionen über das Netz hinaus wirkt, ist nicht unrealistisch: Online vermittelte Informationen können offline aufgenommen oder über traditionelle Massenmedien weiterverbreitet werden; Vernetzung im Web 2.0 bedeutet Bekanntheit und kann eine Wahlabsicht begünstigen; Mobilisierung und die Nutzerpartizipation in Sozialen Online-Netzwerken können auch am Wahltag eine Wirkung entfalten, weil sie inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Kandidaten zeigen.




 

Datengrundlage und Messung der Funktionen


Um sicherzustellen, dass Kandidaten zur Bundestagswahl 2013 ihre Facebook- und Twitter-Profile primär für die öffentliche Kommunikation in ihrer Rolle als Politiker genutzt haben, wurden nur öffentlich zugängliche Fan-Seiten (Facebook) oder Profile (Twitter) der Kandidaten mit realistischer Chance auf Einzug in den Bundestag betrachtet. Untersucht wurden 436 Direktkandikandidaten aus allen 299 Wahlkreisen. Der Einzug in den Bundestag wurde als Wahlerfolg bewertet.

Information
Ein Kandidat kann Bürger nur dann informieren, wenn er über ein Profil in einem Sozialen Online-Netzwerk verfügt. Zudem ist die Anzahl der Beiträge relevant, die ein Kandidat während des Wahlkampfes im Netzwerk veröffentlicht hat.

Vernetzung
Die Vernetzung wurde anhand der Unterstützerzahl gemessen, die ein Kandidat einen Monat vor der Bundestagswahl 2013 im Netzwerk hatte.

Mobilisierung
Wie stark es Kandidaten gelingt, Unterstützer zu mobilisieren, wurde bei Facebook und Twitter auf jeweils zwei Arten überprüft: Durch die Entwicklung der Unterstützerzahl während des Wahlkampfes sowie durch die relative Anzahl der multiplizierten Kandidatenbeiträge.

Partizipation
Für die Nutzerpartizipation wurde erhoben, wie viele inhaltliche Beiträge Bürger auf dem Facebook- und Twitter-Profil eines Kandidaten hinterlassen haben. Dies wurde relativ zur Unterstützerzahl erfasst.

Ergebnisse: Online-Kommunikation und Wahlerfolg von Kandidaten


Um zu zeigen, wie es insgesamt um die Kommunikation von Direktkandidaten bestellt war, finden sich hier zunächst einige Eckdaten zum Online-Wahlkampf 2013 auf Facebook und Twitter:

Infografik
Infografik 1: Nutzung von Twitter und Facebook im Bundestagswahlkampf 2013 - untersuchte Kandidaten

Eine große Mehrheit der Direktkandidaten hat Soziale Online-Netzwerke für die eigene Vermarktung genutzt. 77 Prozent von ihnen waren auf Facebook und/oder Twitter präsent. In den letzten 30 Tagen vor der Bundestagswahl veröffentlichen sie durchschnittlich 66 (Facebook) bzw. 58 (Twitter) Beiträge und somit etwa zwei Beiträge täglich.

Im Median verfügen Direktkandidaten einen Monat vor der Bundestagswahl über 375 (Facebook) bzw. 482 (Twitter) Unterstützer, an die sie ihre Beiträge richten konnten. Sie konnten ihren Unterstützerkreis während des Wahlkampfes durchschnittlich um 28 Prozent (Facebook) bzw. 18 Prozent (Twitter) erweitern.

Nur ein geringer Anteil der Nutzer ließ sich zur Multiplikation von Beiträgen mobilisieren. Durchschnittlich 7 Prozent (Facebook) bzw. 9 Prozent (Twitter) der Unterstützer teilten in den letzten 30 Tagen vor der Bundestagswahl einen Kandidatenbeitrag. Bei der Nutzerpartizipation zeigte sich ein ähnliches Bild. Zwar wurde auf Facebook (15%) mehr kommentiert als auf Twitter (4%), doch wird deutlich, dass der größte Teil der Unterstützer sich nicht aktiv im Web 2.0 beteiligt, sondern passiv Inhalte konsumiert

Ob die Erfüllung von Funktionen des Online-Wahlkampfes einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat, mit der ein Direktkandidat in den Bundestag einzieht, wurde mit logistischen Regressionen geprüft. Dabei zeigen sich positive Zusammenhänge zwischen der Facebook-Präsenz und der Chance auf das Direktmandat. Präsenz auf Twitter hingegen erhöhte nicht die statistische Chance, in den Bundestag einzuziehen. Da die reine Präsenz im Web 2.0 nicht zeigt, wie die Online-Kommunikation zwischen Kandidaten und Bürgern ausgestaltet ist, waren weitere Analysen notwendig. Deutlich wurde aber bereits hier, dass die Präsenz von Direktkandidaten bei Facebook einen Vorteil für Kandidaten bedeuten kann. Derjenige, der auf Facebook präsent war, hatte eine um 7 Prozent höhere Chance, in den Bundestag einzuziehen, als derjenige, der es nicht ist war.

Ein differenziertes Bild bietet die Analyse, wie die Erfüllung von Funktionen des Online-Wahlkampfes mit dem Einzug in den Bundestag zusammenhing.

Die Abbildung zeigt, wie stark die Erfüllung die Chance auf Wahlerfolg beeinflusst hat. 10 veröffentlichte Beiträge auf Facebook mehr erhöhten die Chance auf Wahlerfolg um 5,7 Prozent. Wer also 30 Beiträge auf Facebook veröffentlicht hat, hatte eine um 5,7 Prozent höhere statistische Chance auf Wahlerfolg als jemand, der 20 Beiträge veröffentlicht hat. 100 Unterstützer auf Twitter mehr erhöhten die Chance auf Wahlerfolg um 30,2 Prozent. Bei den übrigen Faktoren veränderte ein Prozent mehr bzw. weniger die Chance auf Wahlerfolg um die Prozentangaben im Balkendiagramm. Die Werte zur Multiplikation und Partizipation waren gering und variierten kaum zwischen den Kandidaten.

Infografik
Infografik 2: Übersicht über Einfluss der Erfüllung von Funktionen des Online-Wahlkampfes auf den Wahlerfolg

Häufige Online-Aktivität von Direktkandidaten während des Wahlkampfes erhöhte die Chance, dass diese in den Bundestag einzogen. Verbreitung von Informationen in Sozialen Online-Netzwerken konnte auf die Wahlentscheidung von Nutzern einwirken.

Wie stark Kandidaten in Sozialen Online-Netzwerken mit Unterstützern vernetzt waren, beeinflusste die Chance auf einen Wahlerfolg ebenfalls positiv. Eine breite Vernetzung in der potentiellen Wählerschaft half Politikern dabei, auch über das Web 2.0 hinaus sichtbar zu sein.

Wer im Wahlkampf neue Unterstützer auf Facebook mobilisiert hat, erhöhte seine Chance auf Einzug in den Bundestag. Bei Twitter zeigte sich dies nicht. Facebook ist in der Gesamtbevölkerung in Deutschland weiter verbreitet als Twitter. Außerdem ist es schon semantisch ein Unterschied, ob sich ein Netzwerknutzer mit einer Seite bei Facebook („Gefällt mir!“) oder einem Profil bei Twitter („Folgen“) vernetzt. Insofern ist das Folgen nicht automatisch eine Sympathiebekundung. Festzuhalten bleibt, dass es für Kandidaten sinnvoll ist, während des Wahlkampfes um neue Unterstützer zu werben, um sie kontinuierlich mit Informationen erreichen zu können.

Eine hohe Zahl multiplizierter Beiträge hing nicht direkt mit dem Wahlerfolg zusammen. Es war für Direktkandidaten eher bedeutsam, neue Unterstützer zu generieren als vorhandene Unterstützer zum Teilen von Beiträgen anzuregen. Wichtiger war, dass Unterstützer Informationen wahrgenommen haben, als dass sie diese weiterverbreit haben. Facebook- und Twitter-Nutzer teilen nicht nur Beiträge, die ihrer Meinung entsprechen, sondern vor allem solche Beiträge, die polarisieren oder (unfreiwillig) komisch sind. Insofern sind Shares und Retweets nicht unbedingt Anzeichen für einen erfolgreichen Wahlkampf. Dennoch helfen sie Kandidaten dabei, Teil der öffentlichen Debatte zu bleiben und können somit indirekt auf deren Bekanntheit und öffentliche Wahrnehmung einwirken.

Die Partizipation von Nutzern auf den Kandidatenprofilen war nicht positiv mit dem Wahlerfolg eines Kandidaten verknüpft. Inhaltliche Auseinandersetzung der Nutzer mit Beiträgen von Kandidaten fand auf den Profilen allerdings ohnehin kaum statt.

Fazit


Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Erfüllung von Funktionen des Online-Wahlkampfes und dem Wahlerfolg von Direktkandidaten bei der Bundestagswahl 2013. Außer zur Präsenz auf den Plattformen und zur Mobilisierung neuer Unterstützer wiesen die Befunde für Facebook und Twitter jeweils in dieselbe Richtung. Soziale Online-Netzwerke sind wichtige Instrumente für Kandidaten, um kommunikativen Kontakt zu Bürgern einzugehen. Ihre Nutzung darf zwar bislang nicht als potentiell wahlentscheidend verstanden werden, ein tendenzieller Einfluss ist jedoch erkennbar. 

Besonders die Aktivität im Web 2.0 und ein hoher und weiter wachsender Unterstützerkreis erhöhen die Bereitschaft, für einen Kandidaten zu stimmen. Dabei ist Kommunikation in Sozialen Online-Netzwerken nicht für sich alleinstehend zu betrachten. Nachrichtenmeldungen im Fernsehen und in der Zeitung werden häufig mit aktuellen Diskussionsentwicklungen bei Facebook oder Twitter gespickt, ebenso wie die Meldungen traditioneller Massenmedien in Sozialen Online-Netzwerken verbreitet und diskutiert werden.

Die wachsende Gruppe der Digital Natives, die sich vor allem online auf dem Laufenden hält, wird über traditionelle Medien immer seltener erreicht. Kandidaten, die ihre Chance auf einen Wahlerfolg erhöhen möchten, sollten daher präsent im Web 2.0 sein, dort regelmäßige Aktivität zeigen und einen möglichst großen Unterstützerkreis aufbauen, den sie auf direktem Wege erreichen können. Dies mag trivial klingen, ist es aber nicht, wenn man beachtet, dass etliche Kandidaten zur Bundestagswahl 2013 inaktive Profile hatten oder etwa ein Viertel generell das Web 2.0 mied.

 
Autor

neues handeln berlin
Dr. Kay Hinz
Dr. Kay Hinz hat Politik- und Sozialwissenschaften studiert und in der Kommunikations- und Medienwissenschaft im Graduiertenkolleg LinkDe an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf promoviert. Seine Dissertation ist unter dem Titel Kandidaten und ihre Unterstützer im Online-Wahlkampf bei Springer VS erschienen. Seit April 2016 ist Kay Hinz in der politischen Kommunikationsberatung bei der Agentur neues handeln in Berlin tätig.