Donnerstag, 4. Februar 2016

Politik auf Snapchat

Es gibt aktuell wenige Apps und Social-Media-Angebote, die in den letzten Monaten so gehypt wurden wie Snapchat. In Deutschland soll der Instant Messenger bereits drei Millionen Nutzer haben. Für den anstehenden US-Präsidentschaftswahlkampf wird ihm sogar eine sehr große Rolle zugeschrieben.

Auch die deutsche Politik entdeckt die App langsam. Inspiriert von der langen Liste der snappenden JournalistInnen drüben bei Vocer (Danke an Mark Heywinkel), hier nun der Überblick über die Snapchat-Nutzung bei Politikern und Parteien.

Ach ja, wer die App besser kennenlernen möchte, dem empfehle ich das (kostenfreie) Snapchat-Buch von Philipp Steuer.

Parlamente


Europaparlament: europarl
Einen Überblick über die Snapchatnutzung des Europäischen Parlaments gibts hier.

Hamburgische Bürgerschaft: buergerschafthh

 

 

Parteien


Christlich-Soziale Union in Bayern: csu_de

Erstmals zum Einsatz kam Snapchat auf dem CSU-Parteitag im November 2015 in München. bento hatte sich damals dazu einige Gedanken gemacht.













Neue Liberale Hamburg: neueliberale_hh


Politiker 


MEP Matthias Groote (SPD): matthiasgroote

MdL Katharina Schulze (Bündnis 90/Die Grünen): kathaschulze

MdL Sebastian Striegel (Bündnis 90/Die Grünen): striegse

MdHB Carsten Ovens (CDU): carstenovens 

 Landtagskandidat Oliver Linder (SPD) aus Sachsen-Anhalt: olindner

Landtagskandidat Lutz Franke (FDP) aus Sachsen-Anhalt: lutz.franke

Kommunalwahlkandidat Alexander Schnapper (Piratenpartei) aus Hessen: alexschnapper

Politische Jugendorganisationen 


Junge Union Hamburg: juhamburg

Junge Union Bayern: jungeunion

Habe ich jemanden übersehen? Fehlen hier Parteien, Politiker und politische Institutionen aus Deutschland? Dann gerne her damit. Dies ist ein lebender Blogpost, der fortlaufend ergänzt wird ;)

Freue mich über eure Hinweise! 


Epilog: Auch beim Thema Werbung auf Snapchat sind amerikanische Politiker schon weiter. Wie solche 10 Sekunden-Spots aussehen können, zeigt der republikanische Ex-Kandidatenbewerber Rand Paul sehr schön.

Mittwoch, 20. Januar 2016

Warum Parteien & Politiker Petitionen nutzen sollten - Petitionsplattformen als politisches Werkzeug

Dies ist ein Gastbeitrag von Jörg Mitzlaff, Gründer und Gesellschafter von openPetition und Fritz Schadow, der als Kampagnenberater für die Plattform arbeitet.

Logo openPetition
Noch immer nutzen viel zu wenige PolitikerInnen die Chancen von Online-Petitionen und Petitionsplattformen für Ihre Arbeit. Längst etabliert sind Petitionen als Möglichkeit für BürgerInnen, ihrem Anliegen öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen und es auf die politische Tagesordnung zu setzen. Doch die gleichzeitig vorhandene Möglichkeit für gewählte Vertreter, mit BürgerInnen in Dialog zu treten und vor allem Menschen zu erreichen, die nicht wählen gehen und Parteipolitik gegenüber skeptisch sind, wird noch wenig genutzt. Zudem fehlte bisher eine wahlkreisgenaue Aufschlüsselung von Petitions-Unterschriften, um sichtbar zu machen, welche Themen und Anliegen den WählerInnen im Wahlkreis wichtig sind und wie sie ihre Prioritäten setzen.

Petitionen auch für PolitikerInnen zu einem wertvollen Werkzeug zu machen, ist ein Kernanliegen der Petitionsplattform openPetition. In diesem Artikel präsentieren wir, wie Abgeordnete die Plattform nutzen können.

Am Thema Interessierte erreichen


Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb) - Bundeszentrale für politische Bildung
Quelle: Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Wenn PolitikerInnen BürgerInnen erreichen wollen, insbesondere “politikferne”, müssen sie mit ihnen über die Themen sprechen, die ihnen wichtig sind. Denn BürgerInnen interessieren sich zunehmend mehr für einzelne Themen als für Parteien und werden zu konkreten Entscheidungen viel eher aktiv als zu Wahlprogrammen. Das zeigt nicht zuletzt die seit den 80er Jahren kontinuierlich sinkende Beteiligung an Bundestags- und Landtagswahlen, bei den Landtagswahlen 2014 in Brandenburg und Sachsen fiel sie sogar auf unter 50 Prozent. Im Gegensatz dazu nimmt die Popularität von Online-Petitionen zu.

Für einen themenbezogenen Dialog bietet eine Petitionsplattform ideale Voraussetzungen. Dort sind mittels ihrer Unterschrift viele Menschen versammelt, die sich für ein bestimmtes Thema interessieren. Zugleich ist sichtbar, wie vielen das Thema wichtig ist, insbesondere auch im Vergleich zu anderen Themen. So wird eine Gewichtung möglich. Über Unterschriften hinaus bringt eine zeitgemäße Petitionsplattform Argumente, Wünsche, Befürchtungen, Ideen und Quellen zu einem Anliegen zusammen. Welche besseren Voraussetzungen kann es geben für einen gewählten Vertreter, als sich genau an dieser Stelle an seine interessierten Wähler zu wenden?

Infografik
Infografik: Visaualisierte Stellungnahmen zu einer Petition im Landtag Niedersachsen







Deshalb bietet openPetition Adressaten und Entscheidungsträgern von Petitionen die Möglichkeit, Stellungnahmen zum jeweiligen Anliegen zu veröffentlichen. Seit 2014 erfragen wir zusätzlich aktiv Stellungnahmenzu einer Petition von den gewählten Vertretern, wenn das Quorum erreicht ist. Diese Möglichkeit wird ausgiebig auf den unterschiedlichen Ebenen genutzt: Bundesland, Landkreis, Stadt, Gemeinde

Den Wahlkreis im Blick


Screenshot
Übersichtsseite Petitionen Landtagswahlkreis Mainz 1
Eine wahlkreisgenau Aufschlüsselung von Petitions-Unterschriften ist eine wertvolle Informationsquelle und Entscheidungshilfe für Abgeordnete. Sie zeigt nicht nur, welche Themen und Anliegen den WählerInnen vor Ort wichtig sind, sondern ermöglicht darüber hinaus eine Gewichtung zwischen lokalen, regionalen und überregionalen Anliegen. Dazu werden zusätzlich zu den Petitionen, die sich direkt auf den Wahlkreis beziehen, auch alle anderen betrachtet. So wird z.B. erkennbar, dass im Landtagswahlkreis Mainz I von den zehn am häufigsten im Wahlkreis unterzeichneten Petitionen die Hälfte ein bundesweites Anliegen haben, drei ein landesweites und nur zwei sich auf die Stadt Mainz beziehen.

Eine derartige Auswertung nach Wahlkreisen war bisher für keine Petitionsplattform in Deutschland verfügbar. Jetzt schließt openPetition diese Lücke. Für jeden Bundestags- und Landtagswahlkreis zeigt unsere Plattform:
  •  die Zahl der Unterschriften aus dem Wahlkreis für jede Petition
  •  die Abgeordneten auf Landes- und Bundesebene aus diesem Wahlkreis
  •  die Stellungnahmen von diesen Abgeordneten zu Petitionen

Neben der Wahlkreis-Übersicht für Entscheidungsträger entsteht ein Profil jedes Abgeordneten, das WählerInnen eine Entscheidungsgrundlage für Wahlen in die Hand gibt. Gegenüber der reinen Dokumentation des Abstimmungsverhaltens, wie z.B. beim Deutschen Bundestag, zeigen die Stellungnahmen auf openPetition nicht nur die Positionierung für oder gegen das Anliegen einer Petition, sondern auch eine ausführliche Begründung und Erläuterung dieser Position. Darin liegt für Abgeordnete die Chance, die eigene Positionierung besser nachvollziehbar zu machen.


Pioniere unter den Parteien


Einige Parteien haben bereits begonnen, das Potential von Online-Petitionen auszuloten. Die Auswertung der rund 100 Petitionen, die auf openPetition von Parteien oder Parteigruppierungen gestartet wurden, zeigt, wofür Online-Petitionen aktuell von der Politik genutzt werden. Drei Typen von Petenten lassen sich dabei unterscheiden:  

Typ 1: der Petent ist eine kleine Fraktion im jeweiligen Parlament (Landtag, Kreistag, Stadtrat, Gemeinderat), typischerweise die dritt- oder viertstärkste Fraktion.  
Typ 2: der Petent ist ein Kleinpartei oder eine neu gegründete Partei, die meist nicht im Parlament vertreten ist. 
Typ 3: der Petent ist die stärkste Gruppierung im Parlament. Die drei Typen nutzen Online-Petitionen unterschiedlich und für unterschiedliche Ziele:

Übertragung der Grazer Gemeinderatssitzungen ins Internet
Beispiel Typ 1-Petition
Petenten vom Typ “kleine Fraktion”, die etwa 40% der Fälle ausmachen, wenden sich oft - wenig überraschend - gegen ein Vorhaben der stärksten Fraktion in ihrem Parlament. Häufig sind auch Petitionen mit “Markenzeichen”-Anliegen der jeweiligen Partei, z.B. Umwelt schonende Mobilität bei den Grünen oder Datenschutz bei den Piraten. Meist haben diese Markenzeichen-Anliegen einen lokalen Bezug. Weitere typische Petitionen enthalten populäre Forderungen wie günstigerer Öffentlicher Personennahverkehr, die Einführung eines zusätzlichen Feiertags oder bessere Kita-Betreuung. Schließlich richten sich einige Petitionen gegen Entscheidungen oder Vorhaben, die auf höherer Ebene entschieden werden.

Abschaffung der GEZ-Gebühren
Beispiel: Typ 2-Petition
Petenten vom Typ “Kleinpartei/neue Partei”, die weitere 40% der Fälle ausmachen, starten am häufigsten “Markenzeichen”-Anliegen und populäre Forderungen. Im Gegensatz zu ähnlichen Petitionen von “kleinen Fraktionen” haben sie meist keinen lokalen Bezug. Von allen untersuchten Petitionen hatten diese mit Abstand die meisten Unterschriften.  Exemplarisch genannt sei die Forderung nach Abschaffung der GEZ und damit der GEZ-Gebühren sowie die Aufhebung des Glühbirnenverbots. Petitionen der Partei DIE PARTEI, die satirische Kommentare zu aktuellem Geschehen in Form von Petitionen erstellen, bilden eine eigene Variante von “Markenzeichen”-Petitionen. Wiederholt wollten neu gegründete Parteien mit Hilfe von Petitionen ihre Zulassung zu Wahlen unterstützen: Die Popularität und leichte Verbreitungsmöglichkeit von Online-Petitionen sollte genutzt werden, um an anderer Stelle die nötigen (handschriftlichen) Unterschriften zu erlangen, die für die Wahlzulassung erforderlich sind.

Erhalt DB-Servicestelle Rüdesheim am Rhein
Beispiel: Typ 3-Petition
Petenten vom Typ “stärkste Fraktion” waren deutlich seltener als die zuvor genannten. Ein Teil Ihrer Petitionen war nicht an Entscheidungsträger in der Politik gerichtet, sondern an Unternehmen wie die Deutsche Bahn AG oder die Deutsche Post AG und hatte dabei einen lokalen Bezug. Die restlichen Petitionen richteten sich an eine höhere politische Ebene, meist zu einer Entscheidung mit Auswirkungen vor Ort wie große Verkehrsprojekte. Häufig waren die Mehrheitsverhältnisse auf der höheren Ebene dabei andere als im Parlament des Petenten. Es gab jedoch auch den Fall, in dem sich ein kompletter Gemeinderat über alle Fraktionen hinweg einstimmig an den Landtag gerichtet hat.

Die wichtigsten Ziele von Petitionen von Parteien sind somit:

  • Unterstützung erhalten gegen ein Vorhaben von stärkeren Fraktionen, von Akteuren auf höherer Ebene oder von nicht-staatlichen Akteur
  • Das Profil der eigenen Partei schärfen und bekannter machen durch Markenzeichen-Anliegen mit lokalem Bezug
  • Aufmerksamkeit für die eigene Partei erzeugen mittels eines populären Anliegens, das alle betrifft
  • Zusätzlich als übergeordnetes Ziel: direkte Kommunikation mit Wählerinnen ermöglichen zu einem Thema, das ihnen wichtig ist

Fazit


Petitions-Plattformen können ein wertvolles Instrument für gewählte VertreterInnen sein. Dazu brauchen sie spezielle Funktionen, um den Bedürfnissen von Abgeordneten Rechnung zu tragen. Insbesondere ist ein Rückkanal zu den Unterzeichnern einer Petition notwendig, sowie eine Wahlkreis-Übersicht. So kann der alte Einbahnstraßen-Charakter von Petitionen überwunden und Petitionen zu einem Instrument für konstruktiven Dialog werden. openPetition entwickelt die dafür notwendigen Instrumente und stellt sie auf ihrer Petitionsplattform zur Verfügung. Wir laden Sie ein, sie auszuprobieren und freuen uns über Rückmeldungen und Hinweise zur Weiterentwicklung.

Autoren

Fritz Schadow
Fritz Schadow ist seit 2012 bei der Petitionsplattform openPetition für Online-Kommunikation und Kampagnenberatung zuständig. Zuvor arbeitete er bei Oxfam Deutschland zu Klimagerechtigkeit und engagierte sich in mehreren Umwelt- und Klimainitiativen. Er hat Englisch und Spanisch in Potsdam, Ciudad Real/Spanien und Monterrey/Mexiko studiert. 






Jörg Mitzlaff
Jörg Mitzlaff - studierte Informatik in Berlin und arbeitete als Software-Entwickler und IT-Manager u.a. bei Infoseek, eBay und idealo. Er engagierte sich bei Mehr Demokratie e.V. bevor er 2010 die Plattform openPetition aufbaute. Seit 2012 ist er Gesellschafter und Geschäftsführer der openPetition gemeinnützigen GmbH und ist zuständig für Produktentwicklung, Softwareentwicklung und Marketing und Vertrieb. 





Dienstag, 12. Januar 2016

WhatsApp, Periscope und Facebook Live - Alternativen für den Newsletter?

Logo "politik & kommunikation"
Ein Blog goes Papier. Im Magazin "politik & kommunikation" gibts meine Postings auch als Kolumne und auf Totholz. Der Schwerpunkt der vierten Ausgabe 2015 ist "Zukunft". Meine Kolumne zum Thema Zukunft des Newsletters.  

Hier das Crossposting dieser Kolumne.

Nie war meine Postfach voller als heute: Jeden Morgen erreichen mich immer neue Email-Newsletter von Fachdiensten, Medien, NGOs, Parteien und Politikern. Aktuell versuchen mir 17 kuratierte Angebote wie Hamburger Tagesjournal, Social Media Watchblog, Piqd oder Nuzzel den Start in den Tag zu erleichtern. Der Newsletter ist lebendiger denn je.

Screenshot
Übersichtsseite "Politik & Netz" von Piqd
Medienhäuser aber auch politische Akteure haben die E-Mail wieder entdeckt. Dies wirkt in Zeiten von Persicope, Snapchat, WhatsApp, Tinder, Peach und vielen weiteren mobilen Kommunikationstools antiquiert. Gefühlt gibt es fast jede Woche ein neues Tool, das „die politische Kommunikation revolutionieren“ wird, das mit rasant steigenden Nutzerzahlen zum neuen Star ausgerufen wird. Technikaffine „Early Adopter“ spülen es wie verliebte Fanboys und aufgekratzte Groupies in die Timelines der politischen Akteure.

Aber was können die neuen Apps und Anwendungen? Was bringen sie wirklich für die politische Kommunikation? Sind sie sinn- und wirkungsvolle Alternativen zum lang vergessenen Email-Newsletter?

Ein kritischer Blick auf WhatsApp, Periscope und Facebook Live.

WhatsApp


Die Junge Union begrüßt seit April 2015 jedes Neumitglied via WhatsApp mit einem kurzen Video. CDU und SPD haben im beginnenden Vorwahlkampf in Rheinland-Pfalz eigene Accounts eingerichtet, um Presse- und Eilmeldungen zu versenden, aber auch um Fragen zu beantworten, und die nordrhein-westfalische Landtagsabgeordnete Sarah Philipp (SPD) versendet ihren „Bericht aus Düsseldorf“ nun über WhatsApp.

Screenshot YouTube
Wahlkampfvideo Johannes Kahrs (SPD) mit WhatsApp-Hinweis
Bereits 2013 veröffentlichte der Hamburger Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs (SPD) seine WhatsApp-Telefonnummer auf seinem Wahlplakat und im Wahlspot, um potentiellen Wählern die einfache Ansprache auch außerhalb von Parteiveranstaltungen zu ermöglichen. Mit großem Erfolg, resümierte er später.

Aktuell nutzen über 35 Millionen Deutsche die (im ersten Jahr) kostenlose Messenger-App, um ihre Handarbeitsgruppe zu organisieren, Opa und Opa an der Entwicklung der Enkel - mit Fotos und kurzen Videos - teilhaben zu lassen oder um der besten Freundin im Stress zwischendurch ein paar aufmunternde Emojis zuzusenden. Soweit so gut. Aber möchten die Nutzer darüber auch mit der Politik in Kontakt treten?

Logo WhatsApp
Funktionsweise: Jeder Smartphone-Nutzer kann sich die App kostenlos herunterladen. Sie funktioniert ähnlich wie die SMS, ergänzt um einige weitere kostenfreie Features: Man kann unbegrenzt lange Texte, aber auch Fotos und Videos an einzelne Nutzer oder auch in Gruppen mit bis zu 256 Mitgliedern senden. Jeder Nutzer kann zudem selbst Mitglied in unzähligen Gruppen werden, um so direkte Informationen zu erhalten und Diskussionen zu folgen. Zudem kann er direkten Kontakt zum Absender der Informationen aufnehmen.

WhatsApp bietet somit alle Funktionen für den Newsletter für die mobile Generation. Insbesondere auf mobilen Endgeräten können Informationen so optimal aufbereitet zur Verfügung gestellt werden. Und ganz wichtig: Sender und Empfänger können direkt miteinander kommunizieren.

Bewertung: Das Handling für Absender gerade bei Empfängerkreisen, die 256 Mitglieder übersteigen, ist noch nicht optimal. Auch wenn WhatsApp an Lösungen arbeitet, müssen Informationen bisher in parallel erstellten (Broadcasting-)Listen händisch über die App mehrfach gepostet werden. Eine Desktopversion ist noch nicht verfügbar. Eine Desktopversion ist seit 2015 verfügbar. Wenn man keinen externen Dienstleister beauftragen möchte, macht das die Versendung zu einer nervigen Fingerübung in Copy & Paste.

Da WhatsApp die „gewerbliche“ Nutzung bisher untersagt, befinden sich auch die Dienstleister in einer rechtlichen Grauzone. Weiterer Nachteil: Die Telefonnummern gehören dem Dienstleister, nicht dem Anbieter des Newsletters. Damit entstehen Abhängigkeiten und die Gefahr des Verlustes des kompletten Abonnentenstammes.

Erste Erfahrungsberichte zeigen aber, dass Newsletter über WhatsApp besser ankommen, da die Informationen gefühlt „näher am Nutzer“ sind als beim klassischen E-Mail-Versand: Newsletter-Öffnungsraten von 99 Prozent, normale Link-Klickraten von 30 bis 60 Prozent und fast überwiegend positives Feedback zeigen das Potential des Kanals.

Persicope & Facebook Live


Persicope-Startseite
Livestreaming-Angebote erfreuen sich in der Politik immer größerer Beliebtheit. Pressekonferenzen werden live gestreamt, genauso wie spontante Reden in Flüchtlingsunterkünften oder Debatten aus dem Bundestag. Persicope und Facebook Live sind überall dabei – parteiübergreifend. Bisher aber oftmals auch nur dort. Periscope, die zu Twitter gehörende App, kann zwar auch außerhalb des Twitter-Universums genutzt werden, die größte Reichweite erzielt sie aber über Twitter. In Deutschland erreicht man somit eine überschaubare Gruppe von Kommunikations-Multiplikatoren, aber nicht die breite Bevölkerung. Aktuelle Schätzungen zählen ca. 900.000 aktive deutsche Twitterati. Größere Reichweiten erzielt Facebook Live, allein durch die hohen Nutzerzahlen von Facebook. Bisher sind viele der Streamings aber lediglich das langweilige mobile Abbild von klassischen TV-Übertragungen. Die Reichweiten also auch hier bisher überschaubar. Erstmals in der deutschen Politik nutzte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (CDU) das Tool für einen Livestream.

Screenhsot von Facebook
Facebook Live mit Dr. Reiner Haseloff
Funktionsweise: Livestreams werden in den meisten Fällen vorher in den Netzwerken angekündigt oder finden spontan auf den Seiten und Profilen des Nutzers (Sender) statt. Sobald das Streaming beginnt, ist man als Zuseher live dabei. Mit Persicope kann bereits heute jeder Nutzer streamen, Facebook Live ist bisher nur für wenige (verifizierte) Fanseiten freigeschaltet. Nach 24 Stunden wird der Stream bei Persicope wieder gelöscht, Facebook-Streamings sind hingegen unbegrenzt abrufbar.

Bewertung: Bewegtbilder werden auch in der politischen Kommunikation immer wichtiger. Komplexe Inhalte lassen sich manchmal besser via Video erklären als in langen Texten, die keiner liest. So gesehen bieten Streamingangebote eine einfache Möglichkeit, den Newsletter in Bild und Ton anzubieten. Um diesen allerdings spannend und erfolgreich zu machen, müssen die Infos gut aufbereitet werden, der Präsentator muss live präsentieren können und der gestreamte Newsletter kontinuierlich angeboten werden. Dies kostet Zeit und gegebenenfalls zusätzlich Geld. Von daher gibt es bisher in Deutschland nur wenige gute Beispiele.

Fazit


Aktuell sind über 90 Prozent der deutschen Internetnutzer in allen Altersgruppen Email-Newsletter-Abonnenten. Auch in Zukunft wird sich dies nicht rapide ändern. Aber insbesondere WhatsApp stellt eine spannende Alternative dar, um zukünftig die Bürger noch direkter in ihrer Lebensumwelt zu erreichen und somit eine stärkere Aufmerksamkeit für politische Informationen zu erhalten.

Ich bin allerdings skeptisch, ob Streamingdienste den klassischen Newsletter ersetzen können. Politische Vodcasts zum Beispiel über YouTube konnten in der Vergangenheit trotz großem Aufwand die Erwartungen an Zuseher und Dialog oftmals leider nicht erfüllen. Auch wenn die Zugangsschwelle durch die erforderliche aktive Anmeldung via E-Mail oder Mobilnummer größer ist, ist die Wahrnehmung der Inhalte bei klassischen Email-Newslettern und via WhatsApp höher.

Der Newsletter wird in Zukunft mobiler werden müssen, da die Bürger Informationen immer stärker auf dem Smartphone wahrnehmen werden und E-Mails gerade von jungen Nutzern oft nur noch in Ausnahmefällen genutzt werden. Die E-Mail ist aber noch lange nicht tot, und ein gut gemachter Email-Newsletter ist auch in Zukunft wertvoller als ein schlechtes Streaming. 

Montag, 4. Januar 2016

Wenn die Regierung bloggt - Blogs in Landesministerien

Infografik
ARD/ZDF-Onlinestudie Blog-Nutzung in Deutschland 2015
In Deutschland gibt es laut Schätzungen ca. 1,5 Millionen Blogs und ca. 300.000 aktive Blogger. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2015 nutzen mindestens acht Prozent der deutschen Onliner mindestens einmal wöchentlich Blogs zur Information. Bei den 14 - 29 jährigen sind es sogar schon 15 Prozent.

Im Dezember 2015 war es dann soweit und ich habe das erste Mal einem Blog eines Landesministeriums ein Interview gegeben. Dem Blog des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus habe ich einiges zum Thema politische Onlinekommunikation, Medienkompetenz und Hass im Netz erzählt.

Anlass für mich, mir einmal die Ministeriums-Blogs der 142 deutschen Landesministerien und Staatskanzleien genauer anzusehen. Eine Bestandsaufnahme. 


Blog der Landesregierung NRW 

 

Staatskanzlei NRW
Blog der Landesregierung NRW

Seit Februar 2015 bloggt die Landesregierung NRW unter
land.nrw/de/aktuelles-und-presse/nrw-blog.
Damit war die Staatskanzlei am Rhein die erste in Deutschland, die einen Ministeriums- übergreifenden Blog ins Leben rief.

Leider hat es nicht für eine besonders schöne (und leicht merkbare) Domain gereicht und die Startseite sieht auch eher nutzerunfreundlich und zum Wegrennen aus.

Aber die Inhalte überzeugen. Blogger sind ausschliesslich Kabinettmitglieder, Staatssekretäre und einige wenige Gastautoren aus anderen Behörden des Landes. Die Beiträge sind kurz, gut geschrieben und befassen sich mit neuen Projekten und Ideen der Landesregierung. Neben dem gewissen Sexappeal, dass Ministerinnen und Minister selber bloggen, sind die Beiträge jeweils mit einem großen Bild angeteasert. Die Postings können kommentiert werden, hierfür ist allerdings eine Registerierung notwendig. Von daher wird diese Funktion leider bisher so gut wie nicht genutzt. 

Bienenblog des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz   

 

Screenshot
Bienenblog des Niedersächischen Landwirtschaftsministeriums

Seit Ende Juli 2015 gibt es den "Single-Issue"-Blog zum Thema Bienen des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums des grünen Ministers Christian Meyer.

Ziel des Blogs ist es, eine "Menge Wissenswertes aus der geheimnisvollen und wunderbaren Welt der Bienen zu vermitteln".

So wirklich bloggig ist der Blog aber bisher nicht. Neben den Pressemitteilungen zum Thema gibt es bisher lediglich ein Interview mit dem Minister, eine Bildergalerie und zwei weitere Artikel, die in sehr formeller Sprache über das Thema referieren. Zudem schade, dass das Blog als Unter-Unter-Thema auf den Seiten des Ministeriums etwas versteckt ist. So werden ihn wohl nur wenige Bienenfreunde finden. Zumal die Domain auch eher an ein IT-Projekt aus den 90ern errinnert.

Notiz-Blog des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie Schleswig-Holstein


Screenshot
Notiz-Blog des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie
Unter wimikiel.com
bloggt die Pressestelle des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein.

Zielgruppe des Blogs sind klar Journalisten zwischen Förde und Bokelholmer Fischteiche. Im Grunde genommen ist der Blog damit soetwas wie die moderne Form der klassischen Pressemitteilungs-Webseite. Im Mittelpunkt steht meistens der Minister. Die Texte sind im Stil von Pressemitteilungen verfasst, dazu gibts Bilder, Videos und - sehr genial - Audiofiles, meist mit Aussagen des Ministers. Ein sehr guter Service für die Kollegen vom Radio und für den ein oder anderen Bürger, der sich zwar ungern lange Texte durchliest aber um so lieber Minister Reinhard Meyer (SPD) zuhört.

Externe Blickwinkel findet man hier leider nicht. Ebenso vermisse ich den persönlichen Blick des Minsters bzw. den Blick hinter die Kulissen des Ministeriums - neben den formellen und offiziellen Aussagen.  


SMK-Blog des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus 

 

Screenshot
SMK-Blog des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus
Seit August bloggt auch Sachsen, bzw. das dortige Kultsministerium unter bildung.sachsen.de/blog/

Das Blog hat ein eigenes Logo, arbeitet mit inhaltlichen Metatags und Kategorien zur besseren Durchsuchbarkeit, ist problemlos und niedrigschwellig kommentierbar, listet die letzten Beiträge und Kommentare auf und hat den Twitter-Feed des Ministeriums eingebunden.

Also alles was ein gutes Blog braucht. 

Zudem versucht man - wie an meinem Beispiel zu sehen - Externe und deren Sichtweisen und Meinungen einzubinden und macht damit das Blog und somit die Inhalte des Ministeriums insgesamt spannender für die Leser.

Der inhaltliche Fokus liegt auf den Themenbereichen des Ministeriums, neben PR-Texten werden auch kritische Themen aufgegriffen z.B. in Form von Faktenschecks zum Thema Flüchtlinge. Redaktionell finde ich dies gelungen, nur graphisch könnte der Blog noch ein wenig mehr Lesekomfort bieten.   

Und sonst? 

Zudem habe ich noch folgendes Blog in der rheinland-pfälzischen Landesverwaltung gefunden:
Blog des Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen Rheinland-Pfalz.

Tagebuch Bodo Ramelow (Die LINKE.)


Screenshot
Online-Tagebuch Bodo Ramelow (Die LINKE.)
Und es gibt noch einen Ministerpräsidenten-Blog. Der Thüringer Regierungschef Bodo Ramelow (Die LINKE.) führt ein ziemlich umfangreiches Online-Tagebuch in dem er seit 2015 auch aus seiner Arbeit als Landesvater berichtet. Er schreibt selber und dies in einer sehr persönlichen gut lesbaren Form.

Das Blog besteht bereits seit 2008, alte Teile des Tagebuchs wurden archiviert, sind aber weiterhin abrufbar. Ab 2011 erscheinen die Texte nicht mehr unter bodo-ramelow.de/tagebuch/, sondern unter Aktuelles. Das ist ziemlich verwirrend. Zudem sind alte Texte nur über die Suchfunktion der Seite und das relativ versteckte Archiv auffindbar. Die Ergonomie des Blogs ist stark verbesserungswürdig.

Selbstverständlich gibt es inhaltliche Kategorien, eine Schlagwortwolke, eine RSS-Funktion und die Beiträge sind einfach kommentierbar. 

Inhaltlich finde ich das Blog ebenfalls sehr gelungen. Hier hat der Ministerpräsident den Platz und das Format, seine eigene Sicht zu präsentieren, abseits der Regierungsseiten und seiner erfolgreichen Accounts bei Facebook und Twitter. Und das macht er aus meiner Sicht sehr gut. Als Leser kommt man gefühlt sehr nah an die Person Ramelow heran. Man merkt dem Blog an, dass es mit Passion betrieben wird und nicht lediglich die fixe Idee einer hippen Online-Agentur war.  

Und die anderen Minister(-präsidenten) ? 


Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat so etwas Ähnliches wie ein Blog. Auf seiner Webseite stephanweil.de veröffentlicht er eine wöchentliche "Kolumne". Ich würde sagen auch so eine Art persönliches Blog aus dem Leben eines Ministerpräsidenten.

Thüringens Kultus-, Bundes- und Staatsminister Prof. Benjamin-Immanuel Hoff bloggt seit Ende 2013 auf freitag.de zu allen Themen "die ihn interessieren", darunter seit seiner Berufung auch von seiner Arbeit als Leiter der Staatskanzlei Thüringen.

Fazit


BITKOM-Studie "Demokratie 3.0"
BITKOM-Studie "Demokratie 3.0"
Ich finde, Blogs bieten eine wunderbare Möglichkeit für politische Akteure und insbesondere auch Regierungen, Themen abseits der großen Linien aufzubereiten und zu behandeln, einen persönlichen Blick auf politische Initiativen zu geben und Externe besser einzubinden, als dies auf den "offiziellen" Seiten eines Ministeriums möglich ist. Für mich ein klarer Mehrwert, um abseits der formellen Sprache eines Ministeriums Themen aufzugreifen und somit auch Zielgruppen anzusprechen und zu erreichen, die niemals auf eine Ministeriumsseite kommen würden. Laut einer BITKOM-Studie aus dem Jahr 2013 informierten sich in Wahlkampfzeiten 28 Prozent der Bürger u.a. auf Seiten von Ministerien, aber bereits 16 Prozent in politischen Blogs. 

Im Rahmen der Bundestagswahl 2013 habe ich dem Portal Wahlkampfanalyse.de ein Interview zum Thema Bloggerrelations in der Politik gegeben, in dem ich erkläre warum es für Politiker und Parteien richtig und wichtig ist aktiv auf Blogger zuzugehen. Das scheint das Sächsische Kultusministerium ja schon mal erkannt zu haben ;) 


Janine Bilker hat bei den Netzpiloten zudem richtigerweise festgestellt, dass man zum bloggen heute gar kein eigenes klassisches Blog mehr benötigt - es gibt unzählige gute Alternativen. 

Habe ich einen Blog eines Ministeriums übersehen? Über Hinweise zu weiteren neuen Blogs aus der Exekutive würde ich mich sehr freuen.

Hinweis: In vorherigen Postings habe ich bereits die Facebook- und die Twitter-Aktivitäten der Landesministerien analysiert.

Mit DRadio Wissen ("Schaum oder Haase") habe ich zu dieser kleine Analyse im Radio gesprochen und noch ein paar weitere Bewertungen zu den bloggenden Ministerien abgegeben.
 

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Die Viralität der Bundesregierung

Für Behörden, Ministerien und staatliche Stellen gehören virale Inhalte in sozialen Netzwerken (noch) nicht zum tägIich Brot. Aber ab und zu schafft es ein Posting viral zu gehen. So zum Beispiel im Mai 2015. Fast schon Kultcharakter besitzt das Chemtrail-Posting des Umweltbundesamtes. Innerhalb weniger Stunden erreichte das Facebook-Posting über 500.000 Bürger - bei gerade einmal knapp 9.000 Fans und ohne einen Euro Werbebudget. Leider verschwand der Anti-Verschwörungstheoretiker-Post kurze Zeit später auf mysteriöse Weise und musste neu gepostet werden. 

Liebe Facebook-Community, mit großem Bedauern mussten wir feststellen, dass unser Beitrag zu so genannten „Chemtrails“...
Posted by Umweltbundesamt on Freitag, 15. Mai 2015


Mehr als die reinen quantitiven Fan- und Followerzahlen ist Viralität auch ein Gradmesser für die Qualität und den Erfolg von Social-Media-Aktivitäten. Aus diesem Grund habe ich mir gemeinsam mit dem Social-Media-Analyse-Unternehmen uberMetrics Technologies im Spätsommer 2015 die Profile aller Bundesministerien und BundesministerInnen bei Facebook und Twitter genauer angeschaut und die Postings und Tweets der Bundesregierung auf Viralität hin untersucht.

Logo uberMetrics
uberMetrics hat dabei im Zeitraum vom vom 04. August bist zum 03. September 2015 alle Postings und Tweets automatisch erfasst und die Interaktionen zu diesen Postings analysiert.

Interaktionen stellen eine der wichtigsten Größen bei der Ermittlung von Viralität da. Auf Grundlage der Viralität lassen sich nun im Vergleich der Ministerien und MinisterInnen untereinander Aussagen treffen, welche Inhalte die größten Reichweiten erzielt haben. Genaue Zahlen wieviele Bürger einen Tweet bzw. Posting gesehen haben lassen sich aus diesen Daten jedoch nicht ableiten. Seriöse Aussagen ohne Einblick in die netzwerkinternen Statisiken sind schlicht nicht möglich.

Datenbasis 


Aktuell nutzen zehn BundesministerInnen (inkl. der Kanzlerin) und sieben Bundesministerien (inkl. der Bundesregierung) eine Facebookseite. Bei Twitter sind fünf BundesministerInnen und bereits zwölf Bundesministerien mit eigenem Ministeriums-Account aktiv. Facebook ist also unter den MinisterInnen und Twitter bei den Ministerien verbreiteter.  

Allgemein


@HeikoMaas
Twitter-Profil Justitzminister @HeikoMaas
Die Bundesminister nutzen die beiden wichtigsten Social-Media-Netzwerke - Facebook und Twitter höchst unterschiedlich. Es gibt unter den 16 Bundesministern (inkl. Kanzlerin) entweder Minister mit hoher Affinität zu Facebook oder zu Twitter. Nur sehr wenige erreichen auch in beiden Netzwerken hohe Reichweiten. Über beide Netzwerke hinweg schafft es lediglich Justizminister Heiko Maas (SPD) seine Themen breit in der digitalen Öffentlichkeit zu plazieren. Bei Twitter erreicht er die höchste Interaktionsrate, bei Facebook die höchste Interaktionsrate pro 1000 Fans unter den MinisterInnen.

Unter den Ministerien erzeugt die digitale Kommunikation des Auswärtigen Amtes (AA) und das Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) die viralsten Inhalte auf Twitter. Bei Facebook ist die Seite der Bundesregierung absolutes Best Practice. Diese Häuser schaffen es am besten ihre Inhalte im digitalen Raum zu platzieren und erreichen durchschnittlich die meisten Bürger mit ihren Inhalten.  

FACEBOOK  


Facebookseite Frank-Walter Steinmeier
MinisterInnen: Der aktivste Minister auf Facebook ist mit weitem Abstand Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Er setzte in den vier untersuchten Wochen 111 Postings ab (3,5 Postings/Tag). Darauf folgen Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) mit 51 Postings, Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mit 49 Postings und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) mit 43 Postings. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (beide CDU) setzen in den betrachteten vier Wochen kein einziges Posting ab, Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) lediglich neun Postings (0,3 Postings/Tag).  

Balkendiagramm
Abb 1: Interaktionen der MinisterInnen pro 1000 Fans
Die mit Abstand meisten Interaktionen pro Posting erhält hingegen Vizekanzler Sigmar Gabriel (455 Interaktionen/Posting), gefolgt von Heiko Maas (158 Interaktionen) und Andrea Nahles (73 Interaktionen). Die Postings der Minister Alxander Dobrindt (CSU) und Barbara Hendricks (SPD) erreichen so gut wie keine wahrnehmbaren Interaktionen.

Setzt man die Interaktionen mit der Anzahl der Fans in Relation (siehe Abbildung 1) würde sich allerdings folgendes Bild ergeben: Die beste Interaktionsrate pro 1000 Fans haben Heiko Maas, Sigmar Gabriel und Andrea Nahles. Insgesamt ist diese Rate aber bei allen MinisterInnen eher unterdurchschnittlich, wenn man dies z.B. mit den Raten der Bundesländer auf Facebook vergleicht.

Ergebnis: Heiko Maas schafft es innerhalb der Bundesregierung am besten seine Themen auf Facebook zu platzieren und erreicht die meisten Bürger über Facebook direkt, gefolgt von Sigmar Gabriel und Andrea Nahles. (alle SPD) Die Unionsminister haben in Sachen Facebook-Kommunikation augenscheinlich noch einigen Nachholebedarf.  

Am Rande: Besonders auffällig ist, dass der am 01.07.2015 gepostete Artikel „Europa ist stark“ (vor dem Erhebungszeitraum) von Kanzlerin Angela Merkel noch bis in den September Kommentare generiert hat. Selbst gepostet wurde auf der Seite im Beobachtungszeitraum nichts, was die Statistik an der Stelle etwas komisch aussehen lässt. Das Posting hat also über einen Monat nach der Veröffentlichung noch knapp 8000 Interaktionen erhalten. Dies zeigt das Facebook-Postings durchaus Longseller sein können.  

Ministerien: Das Auswärtige Amt (AA) ist unter den Bundesministerien am fleißigsten, was die Anzahl der Postings angeht. Das Team von Frank-Walter Steinmeier postete 97 Beiträge im Untersuchungszeitraum (2,9 Postings/Tag). Darauf folgt die noch relativ neue Fanseite der Bundesregierung mit 66 Postings (2,1 Postings/Tag) und das Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) mit 43 Postings. Ähnlich ist das Bild bei den Interaktionsraten. Die Bundesregierungs-Seite erzielt mit über 530 Interaktionen/Posting die meisten Interaktionen, darauf folgt das Auswärtige Amt mit 44 Interaktionen/Posting. Alle anderen Bundesministerien erzielen lediglich durchschnittlich eins bis elf Interaktionen pro Posting. Am schlechtesten schneiden die Bundesministerien für Justiz und für Verbraucherschutz und wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ab.  
Balkendiagramm
Abb 2: Interaktionen pro 1000 Fans auf Facebookseite

Betrachtet man die Interaktionsraten pro 1000 Fans (Siehe Abbildung 2) ergibt sich folgendes Bild: Die mit Abstand beste Interaktionsrate hat auch hier die Bundesregierung. Gefolgt vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Danach kommt lange nichts. Alle anderen fünf Ministerien haben sehr sehr schlechte Raten. Viele ihrer Postings werden aufgrund des Facebook-Algorithmus vermutlich einem Großteil ihrer Fans gar nicht mehr angezeigt. Höchstwahrscheinlich sogar der Mehrheit der Fans. 

Ergebnis: Die Fanseite der Bundesregierung (Bundespresseamt) überstrahlt alle anderen Ministerien. Sowohl was die Anzahl der Postings/Monat angeht, als auch bei den Interaktionsraten. Diese Seite schafft es am besten die Themen zu platzieren und in die Breite zu tragen. Danach folgen das Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und das Auswärtige Amt.  

TWITTER 


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Abb 3: Interaktionen pro Tweet bei MinisterInnen
MinisterInnen: Aktuell besitzen nur fünf MinisterInnen einen offiziellen und verifizierten Twitter-Account, bis zur #fragsigmar- Rückkehr von Sigmar Gabriel am 29. September twitterten lediglich vier aktiv. Die meisten Tweets kamen dabei von Manuela Schwesig (186, sechs Tweets/Tag), aber auch alle anderen drei sendeten durchschnittlich mindestens anderthalb bis zwei Tweets/Tag. Die mit Abstand meisten Interaktionen erzeugte dabei allerdings Heiko Maas. Mit durchschnittlich 13 Retweets und Favs gingen seine Tweets "am stärksten viral". Er versteht es also am besten mit seinen Tweets die Leute zu erreichen.
Im Verhältnis Interaktionen/Follower liegt Heiko Maas ebenfalls vorne.  

Ministerien: Aktuell twittern 12 Ministerien. Am aktivsten ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit über 400 Tweets (13 Tweets/Tag), gefolgt vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senoiren und Jugend  (BMFSFJ) (310 Tweets, 10 Tweets/Tag) und dem Auswärtigen Amt (AA) (304 Tweets, 9,8 Tweets/Tag). Am wenigsten twittern das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), immerhin gibts hier durchschnittlich noch gut zwei Tweets am Tag.  

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Abb 4: Interaktionen pro Tweet bei Bundesministerien
Die höchste Viralität erzeugen dabei die Tweets des Auswärtigen Amts (AA), des  Bundesministeriums für Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) und des Bundesfinanzministeriums (BMF). Das Auswärtige Amt erzeugt immerhin durchschnittlich sechs Interaktionen pro Tweet. Am wenigsten viral gehen hingegen die Tweets des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), des BMFSF und Bundesarbeitsministeriums (BMAS). Nur 0,75 Interaktionen pro Tweet erzeugen die Postings des Digitalministeriums. Dies ist bemerkswert, ist das Haus doch für die Digitalisierung innerhalb der Bundesregierung zuständig.  

Ergebnis: Das AA und das BMJV erzielen also die höchsten Reichweiten mit ihren Postings und schaffen es so ihre Themen im digitalen Raum am besten zu platzieren.  


Interessant werden diese Analysen auch noch vor dem Hintergrund der personellen Ausstattung der einzelnen Ministerien im Bereich der digitalen Kommunikation. Als Antwort auf eine kleine Anfrage der Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion veröffentlichte die Bundesregierung Anfang November die Anzahl der MitarbeiterInnen, die in den Ministerien Facebook und Twitter betreuen (Ab S. 12, .pdf). So erzielt das Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz seine hervorragenden Werte mit lediglich 0,35 Personalstellen, im BMBF betreuen fünf Personen - neben anderen Aufgaben - den Twitteraccount und für die Facebookseite der Bundesregierung arbeiten insgesamt acht Personen, die aber noch weitere Tätigkeiten innerhalb des Bundespresseamtes wahrnehmen.


Der Tagesspiegel veröffentlichte Ende Oktober erste Zahlen und Ergebnisse dieser Analyse exklusiv.