Montag, 8. September 2014

Folgen Sie diesen Frauen! - Zehn Politikerinnen, von denen Sie Fan und Follower werden sollten

Ein Blog goes Papier. Im Magazin "politik & kommunikation" gibts meine Postings auch als Kolumne und auf Totholz. In meiner neunten Kolumne in der Ausgabe August/September 2014 mit dem Schwerpunkt Frauen in der Politik stelle ich zehn Politikerinnen vor, die verstanden haben wie Social Media funktioniert.

Hier das Blog-Crossposting dieser Kolumne.


Dorothee Bär, MdB (CSU):


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Facebookseite Dorothee Bär, MdB
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium ist nicht nur für die Digitale Agenda mitverantwortlich, sie lebt auch Social Media. Damit gehört sie zu den wenigen Mitgliedern der Bundesregierung, die nicht nur Social-Media-Accounts haben, sondern diese auch richtig und erfolgreich für die politische Kommunikation einsetzen. Neben inhaltlichen Positionen und Terminen erhält man auf Ihrem Twitteraccount @DoroBaer Einblicke in ihr Politikerleben, Meinungen zu aktuellen Diskussionen und selbstironische Bewertungen des Alltagslebens abseits der Politik. Besonders bemerkenswert finde ich, dass Dorothee Bär den direkten Dialog sucht und mit Parteifreunden aber auch mit Andersdenkenden die Diskussion sucht und sich für keinen Schlagabtausch zu schade ist. Nicht zuletzt dadurch konnte sie sich beachtliche Communities sowohl auf Facebook als auch bei Twitter aufbauen. Kein CSU-Politiker hat mehr Fans und Follower als sie.

Silvia Bretschneider, MdL (SPD): 

 

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Twitter-Account Sylvia Bretschneider, MdL
Die Landtagsabgeordnete der SPD lebt in der Social-Media-Diaspora Mecklenburg-Vorpommern. Aus der Landespolitik erfährt man ansonsten nicht viel in den sozialen Netzwerken, würde Sylvia Bretschneider nicht so engagiert twittern. Sie ist ein kommunikativer Leuchturm und Vorbild für alle Landespolitiker. Bisher folgen leider nur wenige Mecklenburger ihrem Account @NBBretschneider. Diese erhalten nicht nur Tweets zu eigenen politischen Aktivitäten, sondern auch viele spannende Informationen von anderen politischen Institutionen, aus der Landespresse und auch aus anderen Parteien. Die Re-Tweets überwiegen zahlenmäßig sogar die eigenen Nachrichten. Damit ist sie zu einer wichtigen Nachrichtenquelle aus dem Norden geworden, die Landesthemen auch im Rest der Republik bekannt macht.

Anke Domscheit-Berg, (Piraten): 

 

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Twitter-Account Anke Domscheit-Berg
Die ehemalige Landesvorsitzende der Piratenpartei Brandenburg gehört zu den ersten Politikern auf Twitter. Bereits seit 2008 nutzt sie den Kanal aktiv - über 49.000 Tweets zeigen, dass sie nicht nur in den TV-Studios des Landes präsent ist. Sie gehört zu den letzten prominenten Politikern der Piratenpartei und nutzt ihre Prominenz um die Partei digital im Gespräch zu halten. Gefühlt twittert sie 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Politische Meinungen, Urban Knitting-Installationen, internationale Presse und natürlich Piraten-Popcorn sind nur einige der Inhalte des Accounts @anked, der mit über 14.000 Followern zu den größten in der Politik gehört. Den Dialog nimmt sie ernst: Sie führt aktiv kritische Diskussionen und lobt oder retweetet andere Parteien und Politiker.

Eva Hoegl, MdB (SPD): 

 

Twitter-Account Dr. Eva Högl, MdB
Die Berliner Bundestagsabgeordnete gehörte lange Zeit zu den in der Öffentlichkeit eher unbekannten Parlamentariern. Durch Ihre von allen Seiten gelobte Arbeit im NSU-Untersuchungsausschuss wurde sie dann auch bundesweit bekannt. Bei Facebook und Twitter war sie allerdings schon länger eine Größe. Bewundernswert ist ihre Reaktionsschnelligkeit bei direkten Fragen. Die Möglichkeit - auch in stressigen Zeiten - mit ihr einfach in Kontakt zu kommen, wird von ihr konsequent gelebt. Damit gehört sie zu einer der wenigen SPD-Politikerinnen, die auch digital immer ansprechbar sind. Sie liebt den Austausch mit den Followern, insbesondere auch mit Politikern anderer Parteien. So wird politischer Diskurs live und transparent verfolgbar. Einzig zu bemängeln ist, dass sie, wie viele Kollegen, Twitter und Facebook gleichgeschaltet hat. Hier werden Potentiale verschenkt.   


Katharina König, MdL (Die LINKE.): 

 

Die LINKE
Twitter-Account Katharina König, MdL
Wer als Oppositionspolitikerin mehr Freunde und Follower als die Ministerpräsidentin und der stellvertretende Ministerpräsident des Landes hat, macht vieles richtig. Die außerhalb von Thüringen eher unbekannte LINKE-Landtagsabgeordnete Katharina König hat es auch ohne überregionale Prominenz geschafft, sich eine große und treue Followerschaft aufzubauen. Kritsch, pointiert, bilderlastig und mit dem richtigen Tonfall auch bei schwierigen und emotional diskutierten Themen gehört sie zu den digitalen Vorzeigepolitikern auf der Landesebene. Viele Tweets der Netz- und Innenpolitikerin werden oft retweetet und gefaved. Ihre Reichweite ist damit oft höher als von vielen etablierten Bundespolitikern. Auch wenn man nicht immer Ihrer Meinung ist und nicht im grünen Herzen Deutschlands lebt, macht es durchaus Spaß, Ihren Account @KatharinaKoenig zu folgen.

Christiane Schneider, MdHB (Die LINKE):

 

Die LINKE
Twitter-Account Christiane Schneider, MdHB
Die parlamentarische Geschäftsführerin der LINKE-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft ist das beste Gegenbeispiel zum Vorurteil, dass man jung sein muss, um die Social Media-Kultur zu verstehen und die Netzwerke richtig zu nutzen. Mit 63 Jahren entdeckte sie Twitter für sich und gehört seit 2011 zu den aktivsten Hamburger Landespolitikern beim Microbloggingdienst. Ihre Tweets aus dem Plenum,  von Demonstrationen, Terminen und dem Büro sind informativ, selbstkritisch und blicken über den Tellerrand ihrer eigenen Fachthemen hinaus. Christiane Schneider hat Twitter als wertvolles Instrument zum Netzwerke knüpfen, diskutieren und informieren schätzen als auch lieben gelernt und das merkt man dem Account @ChristianeSchn2 auch an.

Julia Klöckner, MdL (CDU):

 

Twitter-Account Julia Klöckner, MdL
Die Oppositionsführerin im rheinland-pfälzischen Landtag ist eine geborene Kommunikatorin, dies merkt man auch ihrer Social-Media-Kommunikation an.  Sie beteiligt sich an vielen Diskussionen, antwortet schnell und souverän auf Kritik, verwendet mustergültig Hashtags, postet Aktuelles aber auch politische Hintergrundinfos und informiert aus dem politischen Alltag. Die Informationen sind dank Fotos, Videos und einem eigenen Podcast perfekt für Facebook, Twitter und Co aufbereitet. So wird Politik verständlich und erlebbar auch für politikferne Bürger. Das kommt auch bei ihren Followern an: @JuliaKloeckner folgen über 30.000 Twitterati. Damit gehört sie neben Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zu den erfolgreichsten Landespolitikern im Microbloggingsdienst. 

Annegret Kramp-Karrenbauer, MdL (CDU):

 

Ministerpräsidentin
Facebook-Seite Annegret Kramp-Karrenbauer, MdL
Die saarländische Ministerpräsidentin ist seit 2009 bei Twitter und seit August 2011 auch mit einer Fanseite bei Facebook präsent. Mit kontinuierlichen Informationen aus dem kleinsten Bundesland und der Arbeit der Landesregierung, persönlichen Einblicken in den Alltag einer Regierungschefin,  Re-Tweets anderer Nutzer und der Verwendung von selbstkreierten Hashtags hat sie sich eine ständig wachsende Fan- und Followerschaft erarbeitet. Ein wenig mehr Interaktion wäre wünschenswert, ist aber mit dem Amt wohl nicht immer vereinbar. Dank Ihrer Accounts wie @_A_K_K_ ist sie auch im Web 2.0 zu einer wahrnehmbaren digitalen Marke geworden.


Anja Schillhaneck, MdL (Bündnis 90/Die Grünen):

 

Facebookseite Anja Schillhaneck, MdL
Die Vizepräsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses gehört neben einigen weiteren sehr aktiven und fitten grünen Landespolitikerinnen (z.B. Katharina Schulze, Margarete Bause) zu den Web 2.0-Enthusiasten in der Partei. In der Hauptstadt ist sie die einzige Politikerin, die bei Fan- und Followerzahlen mit den Abgeordneten der Piratenpartei mithalten kann. Aber Quantität ist bekanntlich nicht alles. Sie überzeugt auch bei den Inhalten: Täglich Postings, viele Fotos, gelebter Dialog und direkte Ansprache von anderen Politikern und Medien via Twitter sowie Re-Tweets auch von der politischen Konkurrenz sprechen für die Wissenschaftspolitikerin. Man merkt @A_Schillhaneck die Freude an der Nutzung der Netzwerke an, damit sollte sie Vorbild für viele andere politische Twitter-Nutzer sein. 



Halina Wawzyniak, MdB (Die LINKE.): 


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Twitter-Account Halina Wawzyniak, MdB
Die netz- und rechtspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Deutschen Bundestag beschäftigt sich inhaltlich mit dem Netz und gehört zu den profiliertesten Politikern auf diesem Themenfeld. Dass sie es nicht nur theoretisch verstanden hat, beweist ihre Kommunikation bei Facebook und Twitter. In den bisher über 20.000 abgesetzten Tweets diskutiert sie mit vielen Nutzern, erklärt Ihre Positionen, retweetet Neues aus dem Themenbereich und gewährt auch immer mal wieder Einblicke in Ihr Gefühlsleben. Man bekommt als Follower ein umfassendes Bild vom Menschen und der Politikerin Halina Wawzyniak. Zudem ist Ihr Account @Halina_Waw eine wunderbare Nachrichtenquelle für netzpolitisch Interessierte. Ihre offene und von Politikerfloskeln befreite Art kommt sehr gut an. Sie gehört zu den beliebtesten LINKE-Politikern im Web 2.0.


Selbstverständlich gibt es noch weitere spannende Accounts von Politikerinnen im Netz, diese zehn sind eine bewusste Auswahl und repräsentieren sowohl Mandatsträgerinnen, als auch außerparlamentarisch Aktive, Bundes- und Landespolitikerinnen und Vertreterinnen möglichst vieler demokratischer Parteien. 

Welche Politikerinnen machen in Ihren Augen eine gute Arbeit auf Facebook, Twitter, Youtube und Co?

Die Original-Kolumne aus der "politik & kommunikation" finden Sie als .pdf hier.

Montag, 1. September 2014

1komma8millionen – Wie die Hamburger CDU Debatte und Dialog im Netz beleben will.

Dies ist ein Gastbeitrag von Carsten Ovens, Vorsitzender der Jungen Union Hamburg und Mitglied der CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel. 

Startseite 1komma8millionen.de
Im Internet wird viel geboten. Auch die politischen Parteien und ihre Vertreter haben das Netz für sich entdeckt und bieten auf ihren Homepages, in Blogs sowie in den Sozialen Netzwerken reichlich Informationen – in der Regel vorgefertigte Programme, manchmal immerhin eine kleine Befragung oder eine Möglichkeit zur Kommentierung. Die Erarbeitung inhaltlicher Themen behalten die Parteien bislang jedoch hauptsächlich ihren dafür eingerichteten Gremien vor.

Die Hamburger CDU  geht nun einen Schritt weiter, betritt als erste Hamburger Partei #Neuland. Nicht mehr nur die Parteigremien sollen in den kommenden Monaten Ideen sammeln und ein Parteiprogramm erarbeiten, sondern die Bürgerinnen und Bürger sind gefragt. Im Juli hat die CDU einen Onlinedialog gestartet, den es so offen, so einfach und so vielfältig für Hamburg noch nicht gegeben hat.

1komma8millionen.de heißt das dazu geschaffene Mitmach-Portal. Es soll ein digitaler, politischer Marktplatz für die rund 1,8 Millionen Einwohner unserer Stadt sein, der 24 Stunden und 7 Tage die Woche geöffnet hat.

Begrüßungstext 1komma8millionen.de
Jeder kann seine Meinung zu allen denkbaren Themen direkt an die Pinnwand des Portals posten, Bilder und Links hinzufügen, und so miteinander und mit der CDU in den Dialog kommen. Die Optik erinnert an bekannte Seiten wie tumblr und Facebook. Look & Feel vermitteln damit ein Verständnis, wie die Interaktion funktioniert, und dass sie grundsätzlich erwünscht ist. Dazu können Beiträge auch in anderen Sozialen Netzwerken geteilt werden.

Posts erscheinen sofort auf der Pinnwand. Die Moderatoren greifen nur dann ein, wenn offensichtlich Missbrauch betrieben wird.

Dahinter liegt ein einfacher Gedanke: Es ist gut für Hamburg, wenn sich Experten, Funktionsträger aus Vereinen, Verbänden und Initiativen engagieren. Um wirklich etwas zu verändern, braucht es aber eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung. Deshalb können Hamburgerinnen und Hamburg ihre Ideen auf 1komma8millionen.de direkt einbringen und Alternativen aufzeigen. Für die CDU ist es selbstverständlich, dass Hamburg nur gemeinsam gestaltet werden kann – Bürger und Politik, Hand in Hand.

Im Vergleich zu früheren Diskussionsportalen anderer Parteien ist es auch neu, dass bewusst keine vordefinierten Textbausteine durch die Partei online gestellt wurden, sondern eine offene Ideensammlung durch die Beiträge und Kommentare der Nutzer erfolgt. Doch es soll nicht nur diskutiert werden: über 1komma8millionen.de werden Anregungen gewonnen, die letztendlich auch ins CDU-Programm für Hamburg einfließen werden. Wie genau dies ablaufen soll, wird erst später entschieden. Man will bewusst ausprobieren, Raum für neue Ideen und Prozesse lassen. Ob ein vorab definiertes Verfahren sinnvoller gewesen wäre, wird die Erfahrung zeigen.

Die Hamburger CDU zeigt mit diesem Portal dennoch, dass sie alles andere als strukturkonservativ ist. Im Gegenteil: die technischen Möglichkeiten werden voll genutzt und auch vom Verfahren her ist das Portal eine kleine Innovation. Nutzer müssen sich nicht mal registrieren. Jeder Besucher kann sofort loslegen, mit eigenem Namen oder auch mit einem Pseudonym.

Die Website wurde am 4. Juni gestartet und gegenüber Journalisten präsentiert. Um das Portal bei allen Hamburgern bekannt zu machen, hat die CDU bestehende Facebook- und Twitterkanäle genutzt, Postkarten und Aufkleber gedruckt und die Webseite prominent auf alle neuen Publikationen gesetzt. Daneben werden Vereine und politische Initiativen über die Möglichkeiten der Beteiligung informiert.

Aber nicht nur für jeden Bürger: auch für die gewählten Mandatsträger der Partei sowie für die Kandidatinnen und Kandidaten in den Wahlkreisen kann das Portal nützlich sein, um auf eigene Initiativen und Themen vor Ort hinzuweisen und auf einer mehr oder weniger neutralen Plattform Feedback zu bekommen.

Posting Sören Niehaus
So schreibt beispielsweise Sören Niehaus, Spitzenkandidat der Jungen Union Hamburg für die Bürgerschaftswahlen 2015, zur Abschaffung des bezirklichen Ordnungsdienstes durch die SPD und will sich für die Wiedereinführung einsetzen. Der Wandsbeker Bezirksabgeordnete Niehaus nutzt das neue Portal als zusätzliche Plattform, neben seinem Profilen auf Facebook und Twitter .

Die erste Beiträge wurden gepostet, doch Platz nach oben ist immer da. Einige Diskussionen sind dennoch bereits im Entstehen: So fragt Nutzerin Sabrina K. nach weiteren Meinungen zum aktuellen Seilbahn-Projekt. Immerhin zwei Antworten gab es darauf schon: eine pro, die andere contra. 

Der  Dialog hat also begonnen – außerhalb der klassischen Parteigremien, offen und transparent für jedermann, der sich dafür interessiert.

Ziel ist es einen dauerhaften Kommunikationsraum zu schaffen, in dem zugehört, diskutiert und gefragt werden kann. Da es eine so offene Plattform tatsächlich im politischen Hamburg noch nie gab, hat das Projekt eine Art Laborcharakter, es ist schwer abzuschätzen, wie es sich entwickeln wird, aber das Redaktionsteam meint von sich selbst, „mit viel Herzblut und Zuneigung“ dabei zu sein.




Autor:  

Carsten Ovens
Carsten Ovens arbeitet als Unternehmensberater und Hochschuldozent. Seit 2003 engagiert er sich in der Hamburger CDU und ist seit 2011 Landesvorsitzender der Jungen Union Hamburg. Im Februar 2015 kandidiert er im Wahlkreis Lokstedt/Niendorf/Schnelsen für die Hamburgische Bürgerschaft. Über seine politische Arbeit bloggt er auf www.carsten-ovens.deDaneben ist er auch auf Facebook, Twitter und Google+ im Netz präsent. 






Montag, 25. August 2014

Hashtags in Kommunalparlamenten

Im Juni habe ich an dieser Stelle einmal alle 16 Hashtags der deutschen Landesparlamente zusammengetragen, einige waren schon länger etabliert, in einigen Bundesländern hatte ich die (neuen) Hashtags in Zusammenarbeit mit den Fraktionen definiert.

Leipziger Stadrat 1952 - noch ohne Hashtags
Mich freut es zu sehen, dass diese Hashtags von immer mehr Abgeordneten, Fraktionen, Parteien, Medien, Journalisten und natürlich auch von Bürgern bei Twitter, Facebook und Google+ genutzt werden. Damit lässt sich die Landespolitik im Netz sichtbarer machen und für Interessierte werden Informationen und Aktivitäten im Web 2.0 gebündelt und dokumentiert. 


Langsam entdeckt auch die Kommunalpolitik die Potentiale von Social Media - hier haben sich zuletzt einige aktiv genutzte politische Hashtags herausgebildet.

Über Twitter habe ich in den vergangen Wochen angefangen etablierte Hashtags aus der Kommunalpolitik zu sammeln. Und ich bin überrascht, wie sich erste Hashtags bereits etabliert haben. Deutschland einig, Hashtagland? ;)  

Die Liste wird ständig akualisiert.

Berlin


Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte: #bvvmitte
Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf: #bvvcw
Bezirksverordnetenversammlung Kreuzberg-Friedrichshain: #bvvxhain
Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg: #bvvlbg
Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf:  #bvvmahe
Bezirksverordnetenversammlung Neukölln: #bvvnk
Bezirksverordnetenversammlung Pankow: #bvvpankow
Bezirksverordnetenversammlung Reinickendorf: #bvvrdf
Bezirksverordnetenversammlung Spandau: #bvvspandau
Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf: ???
Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg: #bvvts 
Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick: #bvvtk

Bielefeld 

Stadtrat Bielefeld: #RatBi

Bochum

Stadtrat Bochum: #RatBO 

Borna

Stadrat Borna: #SRBNA

Darmstadt 

Stadtverordnetenversammlung Darmstadt: #stavoDA

 

Dresden

Stadtrat Dresden: #staddrat

 

Greifswald 

Bürgerschaft Greifswald: #bsghw 

Hamburg


Bezirksversammlung Altona: #bvaltona
Bezirksversammlung Bergedorf: #bvbergedorf
Bezirksversammlung Eimsbüttel: #bvebuettel
Bezirksversammlung Hamburg-Mitte: #bvmitte
Bezirksversammlung Hamburg-Nord: #bvhhnord
Bezirksversammlung Harburg: #bvharburg
Bezirksversammlung Wandsbek: #bvwandsbek

Für die Hamburger Politik hatte ich zudem 2013 eine Sammlung politischer Hashtags begonnen.

Kevelaer

Stadtrat Kevelaer: #RatKevelaer

Kiel

Ratsversammlung Kiel: #RVKiel 

Kleve

Kreistag Kleve: #KreistagKleve

Köln

Stadtrat Köln: #KoelnRat

Limburg-Weilburg

Kreistag Limburg-Weilburg: #kltw

Main-Kinzig

Kreistag Main-Kinzig-Kreis: #ktmkk

Münster

Rat der Stadt Münster: #ratms

Nürnberg

Stadtrat Nürnberg: #ratnbg

Leipzig

Stadtrat Leipzig: #srle

Saarbrücken

Stadtrat Saarbrücken: #ratsb

Saarlouis 

Stadtrat Saarlouis: #ratsls

 

Seeheim-Jugenheim

Gemeindevertretung Seeheim-Jugenheim: #GeVerSJ

St. Wendel 

Stadtrat St. Wendel: #RatWND

Vorpommern-Greifswald

Kreistag Vorpommern-Greifswald: #kvtg

Wuppertal

Stadtrat Wuppertal: #talrat 

Gibt es weitere Hashtags aus Stadt- und Gemeinderäten, Ratsversammlungen, Kreistagen, Bezirksversammlungen, Ortsgemeinschaften, Stadtversammlungen, Bürgerschaften oder Stadtverordnetenversammlungen?

Feedback am besten via Kommentarfunktion, Twitter, Facebook oder Email.
Besten Dank vorab.


Foto: Deutsche Fotothek‎ [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons


Sonntag, 17. August 2014

Welche Auswirkungen hat die Nutzung politischer Inhalte in Social Media auf das Vertrauen in die Politik?

Dies ist ein Gastbeitrag von Florian Wintterlin vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Studie ist Teil eines Forschungsprojekts am Institut für Kommunikationswissenschaft zum Thema „Medien und politisches Vertrauen“ unter Leitung von Prof.Dr. Marcinkowski. 

WWU Münster
Auf die Relevanz von Vertrauen in die Politik moderner Demokratien wurde bereits 1965 vom kanadischen Politikwissenschaftler David Easton hingewiesen, der vor der Gefahr warnte, dass fehlendes Vertrauen die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft von politischen Autoritäten entferne und für politische Instabilität sorge.

Politisches Vertrauen beruht auf individuellen Erwartungen an künftige Leistungen des politischen Systems (vgl. Barber 1983). Als Gründe für die Bildung politischen Vertrauens dienen Einschätzungen von Strukturen und Prozessen des politischen Systems und insbesondere die Beurteilung politischer Akteure. Quellen für diese Einschätzungen sind persönliche Gespräche, Medien sowie Primärerfahrungen mit Politik.

Wenn man den Analysen von Experten und Medien glauben darf, haben wir es seit den 60er-Jahren mit einem substantiellen Niedergang politischen Vertrauens in westlichen Demokratien zu tun, für den nach der Videomalaise-These die Massenmedien eine Teilverantwortung tragen (vgl. Robinson 1975; Cappella & Jamieson 1997). Mit dem Internet und insbesondere Social Media werden jedoch im wissenschaftlichen Diskurs aufgrund niedriger Zugangshürden und hoher Interaktivität Hoffnungen auf mehr Partizipation der Bürger am öffentlichen Diskurs verbunden (vgl. Emmer et al. 2011; Coleman/Blumler 2009). In der Praxis nutzen einige Politiker wie Peter Altmaier (CDU) deren Möglichkeiten bereits sehr aktiv (vgl. Abbildung 1).

@peteraltmeier

Abbildung 1: Twitterprofil Peter Altmaier

Als eine der ersten ihrer Art stellt die hier vorgestellte Studie nun die Frage, welche vertrauensrelevanten Wirkungen die interaktive, persönlichere Form der Kommunikation auf Social Network Sites (SNS) hat.


Nach netzwerktheoretischen Argumenten sind drei Gründe dafür verantwortlich, dass Social-Media-Kommunikation ihren Einfluss hauptsächlich auf die Einschätzung politischer Akteure ausübt. 

  • Erstens sind Social Media ein stark personalisiertes Medium, das Politikern neue Möglichkeiten bietet, sich selbst positiv und transparent darzustellen. 
  • Zweitens können Nutzer direkt mit Politikern interagieren, was zu einem „sense of intimacy“ (Crawford 2009: 528) führt. 
  • Und drittens kann bereits das Verfolgen von Interaktionen Anderer mit Politikern deren Bewertung positiv beeinflussen (vgl. Donath 2008; Lee 2013). Es wird demzufolge argumentiert, dass der Effekt von Social Media auf politisches Vertrauen ein indirekter, über die Wahrnehmungen politischer Akteure vermittelter Effekt ist [1].


Abbildung 2: Variablenmodell


 

NUTZUNG POLITISCHER INHALTE IN SOCIAL MEDIA


Von den Social-Media-Nutzern verwenden 33,9 Prozent mindestens mehrmals pro Monat Online-Netzwerke für politische Zwecke, immerhin 12,4 Prozent sogar täglich. Die Zahl derjenigen, die Social Media nie im Zusammenhang mit Politik nutzen, liegt bei 36,5 Prozent. Bezogen auf die gesamte Stichprobe liegt der Anteil derjenigen, die Social Media mindestens selten für politische Zwecke nutzen bei 41,6 Prozent.


Abbildung 3: Häufigkeiten politischer Social-Media-Nutzung in Prozent




 

BEURTEILUNGEN VON POLITIKERN SIND DER WICHTIGSTE GRUND FÜR POLITISCHES VERTRAUEN


Zunächst wurde in einem ersten Auswertungsschritt überprüft, welche der erfassten politischen Einstellungen, demografischen Merkmale und Mediennutzungsvariablen einen signifikanten Einfluss auf das politische Vertrauen haben. Dabei erwiesen sich neben globalen Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage und einer allgemeinen Zufriedenheit mit der Demokratie auch die vorher theoretisch angenommenen Beurteilungen politischer Strukturen, Prozesse und Akteure als relevante Prädiktoren. Stärkster Prädiktor sind die Einschätzungen der Politiker, was die These einer personalisierten Politikwahrnehmung bestätigt.

SOCIAL-MEDIA-NUTZUNG BEEINFLUSST DIE BEURTEILUNG VON POLITIKERN POSITIV


Im zweiten Schritt wurden relevante Einflussfaktoren auf den Hauptgrund politischen Vertrauens, die Politikerwahrnehmung, identifiziert. Hinter einer allgemeinen Demokratiezufriedenheit, die offensichtlich auch eine positive Wahrnehmung der handelnden Personen zur Folge hat, ist die Social-Media-Nutzung für politische Zwecke der stärkste Faktor und beeinflusst das Bild der Politiker positiv. Insbesondere im Vergleich zu den ebenfalls erfassten klassischen Massenmedien, bei denen kein signifikanter Effekt nachgewiesen werden konnte, erwiesen sich Social Media als starker Prädiktor.

SOCIAL MEDIA HABEN EINEN INDIREKTEN, POSITIVEN EINFLUSS AUF POLITISCHES VERTRAUEN


Die Resultate des Pfadmodells zeigen, dass Social Media auch unter Berücksichtigung relevanter Kontrollvariablen einen signifikant positiven, indirekten Einfluss auf politisches Vertrauen haben, der durch die Einschätzung der Politiker vermittelt ist. Social Media haben einen starken Einfluss auf das Bild, was wir uns von Politikern machen, welches wiederum der Hauptgrund für Vertrauen in Politik ist.

BESONDERES WIRKUNGSPOTENTIAL BEI POLITISCH WENIG INTERESSIERTEN


Wenn nach politischem Interesse differenziert wird, zeigt sich der Social-Media-Effekt am stärksten bei politisch wenig Interessierten.  Besonders in der Gruppe derjenigen, die ansonsten nicht von politischer Kommunikation erreicht werden, ist demnach das Wirkungspotential von Social Media in Bezug auf die Bildung politischen Vertrauens am höchsten.

FAZIT


Politische Kommunikation über Social Media ist nach den Befunden der Studie in der Lage, die Beziehung zwischen Politikern und Bürgern über klassische Massenmedien hinaus zu vitalisieren und verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Die Möglichkeit einer größeren Nähe zu den Politikern begünstigt die Entwicklung politischen Vertrauens. Dieser Befund ist insbesondere für europäische Länder relevant, in denen die Verwendung von Social Media als Mittel der politischen Kommunikation weitgehend unterentwickelt ist und große Potentiale bislang ungenutzt bleiben.


Literatur

Barber, Bernard (1983): The Logic and Limits of Trust. New Brunswick.
Cappella, Joseph N./Jamieson, Kathleen H. (1997): Spiral of Cynicism. New York.
Coleman, Stephen/Blumler, Jay (2009): The Internet and Democratic Citizenship: Theory; Practice; Policy. New York.
Crawford, Kate (2009): Following You: Disciplines of Listening in Social Media. In: Journal of Media and Cultural Studies. 23. Jg., Nr. 4: 525-535.
Donath, Judith (2008): Signals in Social Supernets. In: Journal of Computer-Mediated Communication. 13. Jg., Nr. 1: 231–251.
Easton, David (1965): A System Analysis of Political Life. New York.
Emmer, Martin/Vowe, Gerhard/Wolling, Jens (2011): Bürger online. Die Entwicklung der politischen Online Kommunikation in Deutschland. Bonn.
Lee, Eun-Ju (2013): Effectiveness of Politicians’ Soft Campaign on Twitter Versus TV: Cognitive and Experiential Routes. In: Journal of Communication. Published online before print.
Robinson, Michael J. (1975): American Political Legitimacy in an Era of Electron-ic Journalism: Reflections on the Evening News. In: Cater, Douglas/Adler, Richard (Hrsg.): Television as a Social Force. New York: 97-139.


Autor

Florian Wintterlin
Florian Wintterlin promoviert am Graduiertenkolleg für Vertrauen und Kommunikation in einer digitalisierten Welt in Münster über die Verwendung von Social-Media-Quellen bei der Berichterstattung aus Krisengebieten. In einem zweiten Schwerpunkt interessiert er sich besonders für die politische Vertrauensforschung und Zusammenhänge mit Medien im Allgemeinen und Social Media im Speziellen.







[1] Die verwendeten Daten stammen aus einer Online-Befragung (N=519), die mithilfe der Global Market Insight, Inc. (GMI) realisiert wurde. Die Befragten sind hinsichtlich des Alters und Geschlechts proportional zur Gesamtbevölkerung verteilt. Zur Überprüfung der Hypothesen wird der Datensatz mit Hilfe von Regressionsanalysen und Pfadmodellen analysiert.