Mittwoch, 4. Januar 2017

Die neue Offenheit – Wie die Digitalisierung die Interessenvertretung verändert

Dies ist ein Gastbeitrag von Jan Böttger (Managing Partner) und Daniel Enke (Director) von der Agentur 365 Sherpas - Corporate Affairs & Policy Advice. 365 Sherpas ist eine Berliner Agentur mit dem Schwerpunkt politisch-strategische Beratung für Unternehmen und Institutionen.

Logo 365 Sherpas - Corporate Affairs & Policy Advice
Das waren noch Zeiten: Kontakte wurden im Adressbuch aus Papier verwaltet, Dokumente kamen in aller Regel per Post, Computer waren zu schwer zum Herumtragen und das Mobiltelefon ein kleiner Koffer mit großer Antenne. Das war damals am Rhein. Heute an der Spree sieht die Sache anders aus. Computer passen in die Hosentasche, Nachrichten und Dokumente sind jederzeit mobil verfügbar und Kontakte werden in Datenbanken gepflegt. Die Digitalisierung hat das politische Berlin verändert – technologisch, aber auch kulturell.

Der Wandel drückt sich in der ungeheuren Beschleunigung politischer Debatten aus, der kommunikativen Schlagkraft auch kleinster Interessengruppen, in einer direkten politischen Auseinandersetzung nahezu ohne Gatekeeper und der Erwartung der digitalen Community nach eindeutigen Positionen. Auch hier gilt das alte Sprichwort: „Wer nicht am Tisch sitzt, steht auf der Speisekarte.“ Sind Unternehmen und Verbände nicht in der Lage, ihre Positionen digital auffindbar zu machen und die Inhalte der Logik der digitalen Welt anzupassen, findet ein wichtiger Teil der Debatte ohne sie statt. Daraus lassen sich fünf Ratschläge für die digitale Politikkommunikation ableiten:

1. Wer nicht auffindbar ist, existiert nicht.


Aktuelle Studien zeigen, dass die digitale Auffindbarkeit politischer Positionen im Internet für Interessenvertreter immer wichtiger wird. Eine Umfrage unter Büroleitern von Bundestagsabgeordneten hat ergeben, dass neun von zehn Büroleitern täglich Suchmaschinen für ihre Fachrecherchen nutzen. Wenn also Büroleiter für die nächste Rede ihrer Abgeordneten recherchieren oder ein Fachgespräch vorbereiten, sollten die Unternehmenspositionen im Suchmaschinenranking möglichst unter den ersten Treffern auftauchen. Es reicht also nicht, eine Website mit politischen Inhalten online zu stellen. Die eigenen Positionen müssen neben der Politik auch für die Suchmaschinen Relevanz haben. Darüber hinaus sollten einzelne Beiträge immer auch in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Schließlich sind 96 Prozent aller Bundestagsabgeordneten und deren Teams in sozialen Netzwerken aktiv.

Screenshot Jan Böttger
Tweets zu #digitalesDE













2. Nichts ist langweiliger als Einbahnstraßen-Kommunikation.


Klar ist, Sie wollen Ihre Positionen vermitteln. Doch einen ganzen Internetauftritt voller Lobhudeleien auf das eigene Unternehmen möchte niemand ein zweites Mal anklicken. Ordnen Sie Ihre Positionen in eine Debatte ein, lassen Sie andere Akteure zu Wort kommen, werden Sie zum Aggregator interessanter und relevanter Debattenbeiträge zu einem Thema. So tut es beispielsweise das Digitale Hauptstadtbüro der METRO GROUP. Im Stil eines Mediums interviewt das Konzernbüro regelmäßig politische und gesellschaftliche Akteure zu ihrer Sicht auf aktuelle Handelsthemen. Auch kritische Meinungen sind willkommen oder werden gar in einem Doppelinterview direkt gegenübergestellt. Zusätzlich werden auf der Website interessante Tweets rund um Handel und Ernährung durch das METRO GROUP Team kuratiert. So wird das Digitale Hauptstadtbüro zum Newsroom.

Screenshot Digitales Hauptstadtbüro
Doppelinterview Thorben Albrecht (BMAS) und Heiko Hutmacher (Metro AG) auf den Seiten der Metro AG


















 

3. Like & Share ergänzen Bild, BamS und Glotze.


Gerhard Schröder sagte einmal: „Zum Regieren brauche ich nur Bild, BamS und Glotze.“ Würde er heute noch regieren, wären Like & Share hinzugekommen. Denn es gilt: Gut ist, was schnell rezipierbar, teilbar, klickbar und zitierbar ist. So müssen komplexe politische Sachverhalte visuell durch Infografiken übersetzt oder per Videosequenz in Sekundenschnelle erklärt werden. So praktiziert es beispielsweise Telefónica Deutschland, in deren eigens geschaffener Eventlocation BASECAMP beinahe täglich Veranstaltungen rund um die digitale Transformation stattfinden – ob Netzpolitik, digitale Arbeitswelt, Handel 4.0 oder Shareconomy. Die besten Soundbites der Vorträge und Diskussionen werden über die sozialen Netzwerke geteilt. Vordefinierte Hashtags sorgen für die Auffindbarkeit der Inhalte. So wird die Debatte im Netz fortgeführt. Wer eine Veranstaltung verpasst hat, kann sich einzelne Zusammenschnitte auf YouTube ansehen. An dieser Stelle wird auch klar: Wer online erfolgreich sein will, braucht eine gute Verzahnung mit seinen Offline-Aktivitäten.

YouTube-Kanal UdL Digital


















4. Politik vertraut Menschen, keinen Portalen.


Alle medienadäquat aufbereiteten Inhalte nutzen nichts, wenn nicht klar wird, wer hinter ihnen steht. Denn der persönliche Kontakt ist noch immer das wichtigste Instrument der politischen Interessenvertretung. Das gilt auch für die digitale Kommunikation. Es sollte transparent sein, wer hinter einzelnen Posts in sozialen Netzwerken oder Artikeln auf der eigenen Website steht. Die METRO GROUP löst dies etwa, indem sich das Politik-Team namentlich mit Foto, Kontaktdaten und Werdegang auf dem Portal vorstellt – inklusive ihrer Aktivitäten in Ausschüssen von Verbänden und Ministerien. So können Politik, Wissenschaft, NGOs und Medien nachvollziehen, mit wem sie es zu tun haben. Und über die persönlichen Kontaktdaten ist die Verbindung schnell hergestellt.

Personenprofofil von Michael Wedell auf den Seiten des Digitalen Hauptstadtbüros der Metro AG


 

5. Wer sich exponiert, wird diskutiert.


Märkte sind Gespräche. So heißt es im Cluetrain Manifesto von 1999 – und gilt heute mehr denn je, gerade in der politischen Kommunikation. Denn wer sich mit Meinungen und Argumenten öffentlich nachvollziehbar in eine politische Debatte einschaltet, muss damit rechnen, auch kritisch diskutiert zu werden. In diesem Fall kommt es auf Reaktionsschnelligkeit und Sprachfähigkeit an. Und weil sich bis heute viele Unternehmen vor der Erteilung kommunikativer Prokura für ihre politischen Vertreter scheuen, verabschieden sie sich folgerichtig von der Idee der digitalen Politikkommunikation. Ein Gordischer Knoten, den zu zerschlagen es an der Zeit wäre.

Digitale Kommunikation im politischen Raum erfordert neben Fragen der Auffindbarkeit und Aufbereitung vor allem Schnelligkeit, Klarheit, Dialogbereitschaft und Kritikfähigkeit. Das klingt nach Plattitüden und erfordert doch ein deutliches Umdenken vieler Interessenvertreter in Unternehmen und Verbänden. So befördert der technologische Fortschritt eben auch einen kulturellen Wandel bei den Interessenvertretern.


Politikportale von Unternehmen


Webseite
Digitales Hauptstadtbüro der Metro Goup
METRO GROUP
 










Politikportal von Microsoft Deutschland
Microsoft













Politikportal der GEMA
GEMA










 

UdL Digital
Politikportal Telefónica Deutschland
Telefónica Deutschland










  

Politikportal Union Investment
Union Investment













 
Screenshot
politikLounge TUI Group
TUI Group
http://www.tui-politiklounge.com








 


Detaillierte Beschreibungen der konzeptionellen Ansätze und Instrumente der (digitalen) Hauptstadtrepräsentanzen von METRO GROUP, Microsoft und Telefónica finden Sie auf dem Blog der 365 Sherpas.


Autoren

Jan Böttger

365 Sherpas
Jan Böttger
Jan Böttger ist Managing Partner bei 365 Sherpas - Corporate Affairs & Policy Advice. Sein Schwerpunkt liegt in der strategischen Corporate Affairs-Beratung national und international agierender Unternehmen. In diesem Feld berät er Geschäftsführungen und Kommunikationsleiter in Fragen der Unternehmenspositionierung (Public Affairs, Reputation Building, Corporate Responsibility) sowie des Issues- & Stakeholdermanagements im (gesellschafts-)politischen Umfeld.

Auf Twitter: @JanBoettger

Daniel Enke

365 Sherpas
Daniel Enke
Daniel Enke ist Director bei 365 Sherpas - Corporate Affairs & Policy Advice. Sein Schwerpunkt liegt in der strategischen Kommunikationsberatung von Unternehmen und Verbänden – nach innen wie außen, gegenüber Politik und Öffentlichkeit, digital und analog.






Auf Twitter: @danielenke




Dienstag, 6. Dezember 2016

Twitter-Analyse: Wem folgen die Bundestagsabgeordneten?

Lieber SPIEGEL ONLINE-Leser, dies ist die erweiterte Auswertung des Datensatzes, den SPIEGEL ONLINE am 06.12.2016 veröffentlichte.  

Twitter ist aus der politischen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Insbesondere in Deutschland.

Collage Aylin Ünal
Twitter in der Politik, Quelle UdL Digital
Aktuell nutzen ca. 57 Prozent der Bundestagsabgeordneten den Microbloggingdienst, um ihre Ideen, Positionen oder manchmal auch nur Provokationen in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Unter den deutschen EU-Parlamentariern sind es sogar knapp 80 Prozent.
Und in der Bundesregierung verzichtet aktuell nur das Bundesverteidigungs- ministerium auf einen eigenen Twitter-Kanal, lässt dafür aber die Bundeswehr twittern.

Diese politische Relevanz wird durch eine aktuelle Umfrage unter Lobbyisten bestätigt. Auch hier ist Twitter mit Abstand das wichtigste Instrument für die digitale Kontaktpflege der Berliner Interessenvertreter, vor Facebook, XING, Youtube und Co.

Viele Analysen beschäftigen sich mit der Anzahl von Followern von Politikern, Parteien und was auch immer und küren dann alle paar Monate politische Twitter-Königinnen und -Könige. Da Twitter als Informationsmedium für viele Politiker zum Alltag gehört, interessierte mich allerdings die entgegengesetzte Perspektive: Wem folgen eigentlich die Bundestagsabgeordneten auf Twitter? Was sind die wichtigsten Informations-Repertoire unserer Volksvertreter? Welche Informationsquellen sind Ihnen am wichtigsten und welchen Accounts vertrauen sie?

Inspiriert vom Data-driven journalism-Blog der Universität Zürich habe ich mit Hilfe von Thomas Puppe (bundestwitter.de) alle 358 Twitter-Accounts der Bundestagsabgeordneten ausgelesen und hatte dann ca. 200.000 Datensätze vor mir liegen. Durch die habe ich mich in den vergangenen Wochen gemeinsam mit den Kollegen von SPIEGEL ONLINE gewühlt.

Zu den Ergebnissen: 


Balkdendiagramm
Wie viele MdB nutzen Twitter - nach Fraktionen (relativ/absolut)
Erstmal ein wenig Statistik. Die Fraktion mit der höchsten Twitter-Dichte ist auch im Jahr 2016 weiterhin die Grünen-Fraktion, gefolgt vom Oppositionsführer Linksfraktion und den Koalitions-Fraktionen. Über 90 Prozent Twitter-Quote spricht für eine innige Beziehung der Grünen zum 140-Zeichen-Dienst.

Absolut die meisten twitternden Parlamentarier gibts in der CDU/CSU-Fraktion. Seit Anfang der Legislatur- periode sind über 40 twitternde Parlamentarier im Bundestag hinzugekommen. Am stärksten war der Zuwachs dabei ebenfalls in der Unionsfraktion.

Von den 358 Accounts konnten allerdings nur 343 Accounts ausgewertet werden, da die restlichen entweder noch keinem anderem Account folgen oder geschützt waren und somit für uns nicht auslesbar sind.


Balkendiagramm
Wie vielen Accounts folgen MdB - nach Fraktionen
Wie vielen Accounts folgt ein durchschnittlicher Volksvertreter auf Bundesebene? Durchschnittlich 596 Accounts.

Allerdings ist die Streuung unter den Fraktionen enorm. Folgen die Abgeordneten von CDU/CSU und SPD im Durchschnitt 459 bzw. 519 Accounts, sind es bei den Grünen doppelt so viele Accounts. Das Informations-Repertoire ist hier also deutlich breiter - was nicht unbedingt heterogener bedeuten muss. 

Zum Vergleich: Durchschnittlich folgen einem Parlamenarier 5245 Follower. Selbstverständlich verzerren viel gefolgte Accounts mit über 100.000 Followern, wie die von Peter Altmaier, Gregor Gysi, Sahra Wagenknecht oder auch Dr. Peter Tauber diese Zahl.

 

Wem folgen die Bundestagsabgeordneten?

 

Gesamt

Balkdendiagramm
Top 10 - Meist gefolgte Twitter-Accounts aller MdB
Betrachtet man alle twitternden  Bundestags- abgeordneten ergibt sich ein recht buntes Bild der wichtigsten Quellen.

Neben den klassischen großen Nachrichten- angeboten von Tagesschau, SPIEGEL ONLINE, ZEIT ONLINE, SZ und WELT finden sich auch Spitzenpolitiker der schwarz-roten Koalition und der Regierungssprecher unter den Top 10. (In der Übersicht befinden sich 11 Accounts da die WELT und Sigmar Gabriel gleich viele MdB-Follower haben).

Man vermisst allerdings die Accounts der Parteien und Fraktionen, die vielen MdB nicht so wichtig zu seien scheinen wie der Twitter-Kanal von Regierungssprecher Steffen Seibert. Ihm folgen über 68 Prozent der aktiven MdB-Accounts. Er wird stärker von CDU/CSU- und Grünen-Abgeordneten gefolgt (über 75 Prozent), als von SPD- und Links-Parlamentariern.

Auch den Accounts von Tagesschau und SPIEGEL ONLINE folgen über 60 Prozent aller twitternden MdB. 
  
Von den fünf twitternden BundesministerInnen haben es nur der Chef des Kanzleramtes Peter Altmaier (CDU) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) ins Top-Ranking geschafft. Dafür aber auch Dorothee Bär (CSU), die als Parlamentarische Staatssekretäin u.a. für Digitales im Verklehrsministerium zuständig ist. 

Aus den Fraktionsspitzen hat es nur SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann in dieses Ranking geschafft, dem immerhin 180 MdB folgen, also mehr Twitterati als nur die Anzahl der eigenen twitternden SPD-MdB. Ihm folgen allerdings "nur" 91 MdB aus der SPD-Fraktion (von 114), 40 MdB aus der Union, 29 von den Grünen und 12 von den Linken.


CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag


Balkendiagramm
Top 10 - Meist gefolgte Twitter-Accounts aller MdB der CDU/CSU
Auf den ersten Blick sichtbar:  Die Abgeordneten der Unionsfraktion bewegen sich bei ihrem Follower-Verhalten in der eigenen Parteiblase.

Unter den Top 10-Accounts ist mit Regierungssprecher Steffen Seinert nur ein Account ohne Parteizugehörigkeit. Ebenfalls vermisst man Medien- und Journalistenaccounts, die bei der CDU/CSU nicht zu den wichtisten Twitter-Informationsquellen gehören.

Die traditionell hohe Partei- und Fraktionstreue zeigt sich auch bei Twitter: Sowohl der Fraktion als auch der Partei folgen über 100 MdB, dies entspricht ca. 80 Prozent der aktiven Accounts.

Allerdings ist die CSU in diesem Ranking unterepräsentiert, lediglich Dorothee Bär hält die Fahne der bayerischen Schwesterpartei hoch.

Neben 7 Bundespolitikern hat es auch eine Landespolitikern ins relevant set der MdB geschafft, der rheinland-pfälzischen Landesvorsitzenden und Ex-MdB Julia Klöckner folgen 100 KollegInnen von der Bundesebene.

Interessant finde ich, dass Franktionsvize Nadine Schön und der 1. Parlamentarische Geschäftsführer Michael Grosse-Brömer zu den wichtigsten Accounts gehören. Beide gehören mit Abstand nicht zu den CDU-Accounts mit den meisten Followern in der Gesamtbevölkerung. Aber für die Mitglieder derFraktion stellen sie eine überaus wichtige Quelle dar.


SPD-Bundestagsfraktion 

Balkendiagramm
Top 10 - Meist gefolgte Twitter-Accounts aller MdB der SPD

Ganz ähnlich wie beim Koalitionspartner kann man in der SPD ebenfalls eine klare Blasenbildung erkennen. Alle Top 10-Accounts sind sozialdemokratisch.

Auch hier ist eine sehr große Treue sowohl zum Partei-, als auch zum Fraktionsaccount erkennbar. Von den aktiven MdB aus der Fraktion folgen diesen gut 90 Prozent.

Überraschend finde ich, dass dem Parteivorsitzenden, Vize-Kanzler und möglichen Kanzlerkandidaten Sigmar Gabriel, weniger eigene MdB folgen als z.B. dem Fraktions-Vize Hubertus Heil.

Zum Vergleich: Martin Schulz folgen aktuell 74 MdB. Dies entspricht 69 Prozent, Sigmar Gabriel folgen aktuell 77 Prozent der eigenen MdB.
 
Auch in diesen Top 10 finden sich Namen, die einer breiten Öffentlichkeit nicht unbedingt so bekannt sind: Netzwerk-Sprecherin Dr. Eva Högl, Netzpolitiker Lars Klingbeil und der bayerische Landeschef Florian Pronold. Diese stellen ebenso wie Hubertus Heil, Thomas Oppermann und Viel-Twitterer Johannes Kahrs innerhalb der Fraktion eine wichtige Machtbasis dar.

Dafür fehlen auffällig z.B. wichtige und große SPD-Accounts wie der von Familienministerin Manuela Schwesig, Justitzminister Heiko Maas, Peer Steinbrück oder Olaf Scholz.

Auch in diesem Ranking vermisse ich Medien- und Journalisten-Accounts. Dafür finden sich mit Ulrich Kelber und Florian Pronold zwei Parlamentarische Staatssekretäre prominent in der Liste. Die gewollte Anbindung der Exektive an die Lgislative durch die Funktion des Parlamentarischen Staatssekretärs scheint in diesen beiden Fällen auch sehr gut digital zu funktionieren. 

 

Linksfraktion 

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Top 10 - Meist gefolgte Twitter-Accounts aller MdB der Linke
Im Vergleich zu den anderen Fraktionen ist die Twitter-Treue zu den eignenen Fraktions- und Parteiaccounts bei den Linken am höchsten. Über 95 Prozent der twitternden Abgeordneten folgen den Account der Fraktion und 91 Prozent dem der Partei.

Auch die beiden Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger finden sich an prominenter Stelle der Top 10 wieder. Dagegen vermisst man die Accounts der aktuellen Fraktionsvorsitzenden und Bundestagswahl-SpitzenkandidatInnen Sarah Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Diese fehlen in dieser Übersicht. Wagenknecht folgen immerhin über 108.000 Accounts, aber nur 34 MdB (79 Prozent) der eigenen Fraktion.

Im Gegensatz zu allen anderen Fraktionen sind in der Übersicht der Linksfraktion auch Medienaccounts vertreten. Das ehemalige Parteiorgan Neues Deutschland und sein aktueller Chefredakteur Tom Strohschneider scheinen als Informationsquelle eine hohe Reputation zu genießen. Diesen Accounts folgen neun von zehn Linke-Parlamentarier.

Zudem ist der erste linke Ministerpräsident Bodo Ramelow als Landespolitiker eine geschätzte Informationsquelle, ebenso wie die parteinahe Rosa-Luxemburg-Stiftung, der über 81 Prozent der MdB folgen. Zum Vergleich: Der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) folgen nur 51 CDU/CSU-MdB (38 Prozent), der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) lediglich 46 SPD-MdB (42 Prozent).
  
Mit Andrej Hunko und Nicole Gohlke tauchen auch in dieser Übersicht Namen auf, die in der breiten Öffentlichkeit nicht so bekannt sind, aber in der Fraktion eine hohe Wichtigkeit besitzen.

 

Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion 

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Top 10 - Meist gefolgte Twitter-Accounts aller Grünen-MdB
Europapolitik scheint bei den Parlamentariern der Grünen ganz hoch im Kurs zu stehen. Unter den Top -Accounts sind drei grüne Mitglieder des Europaparlaments: Reinhard Bütikofer, Jan Philipp Albrecht und Sven Giegold, sowie Europapolitiker Manuel Sarrazin.

Und auch Netzpolitiker scheinen eine hohe Beliebtheit unter den Kollegen zu besitzen. Konstantin von Notz folgen mehr MdB als der Bundespartei. Malte Spitz als Ex-Mitglied des Parteivorstandes und angesehener Netzpolitiker folgen zudem knapp 88 Prozent der grünen Parlamentarier.

Der Parteivorsitzende Cem Özdemir fehlt hingegen in diesem Ranking. Ihm folgen lediglich 50 MdB. Auch der männliche Teil der Fraktionsspitze Toni Hofreiter gehört nicht zu den wichtigsten Informationsquellen (42 MdB-Follower) der Fraktion. Allerdings gehören Co-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt
und Co-Parteichefin Simone Peter zu den meistgefolgten Accounts.

Das ist spannend mit Blick auf die grüne Urwahl zur Bundestagswahl. Denn mit Özdemir, Hofreiter, Göring-Eckardt treten drei der Genannten an, um SpitzenkandidatIn zu werden. Schleswig-Holsteins Umweltminister Habeck wird dort auch seinen Hut in den Ring werfen, ihm wiederum folgen ebenfalls 50 MdB, also genauso viele wie Cem Özdemir und acht mehr als Toni Hofreiter. Habeck ist digital somit der beliebteste männliche Kandidat unter den Urwahlkandidaten in der Fraktion,

Unter den forderen Plätzen finden sich zudem einige grüne Prominente, die aber mit Blick auf die Bundestagswahl keine große Rolle mehr in der Partei spielen werden dürften, wie z.B. Volker Beck und Jürgen Trittin.

Journalisten, Medien, Interessenvertretungen & Organisationen

Neben den spezifischen Informationsverhalten der Fraktionen hat mich zudem interessiert, welche Medien & Journalisten den Abgeordneten am meisten als Inforationsquelle dienen. Hierzu habe ich die Gesamtliste nach spezifischen Accounts abgesucht und ebenfalls einige Top 10-Rankings erstellt. Mit interessanten Erkenntissen.

Journalisten


Top 11 - Meist gefolgte Twitter-Accounts von Journalisten
Bisher vermisste man in allen Fraktionsübersichten Journalisten-Accounts, mit Ausnahme von Tom Strohschneider. Betrachtet man alle 358 MdB gibt es aber doch einige Journalisten denen eine große Anzahl der Parlamenatrier folgen.

Mehr als jeder dritte aktive Abgeordnete auf Twitter folgt z.B. Thorsten Denkler von der Süddeutschen Zeitung, gefolgt unter anderem von Sascha Lobo, Florian Gathmann und Annett Meiritz.

Allesamt Redakteure und Kolumnisten von SPIEGEL ONLINE. Unter den Top 11 finden sich mit Jan Fleischhauer & Jakob Augstein zudem weitere Mitarbeiter des SPIEGEL Verlages. 

Fast jeder vierte MdB folgt der BAMS-Redakteurin Miriam Hollstein und dem Tagesspiegel-Redakteur Matthias Meisner. Sie gehören neben Thorsten Denkler zur Ausnahme im Ranking.

Denn neben dem SPIEGEL ist auch das ZDF in dieser Übersicht sehr gut vertreten: Hauptstadtbüro-Redakteur Dominik Rzepka, Anchor Claus Kleber und Brüssel-Korrespondent Stefan Leifert gehören aus Sicht der MdB zu den spannendsten Journalisten-Twitter-Quellen. Die ARD bzw. Journalisten der dritten Programme sucht man allerdings vergebens. Keine Tagesschau und Talkshow-Redakteure weit und breit.



Medien

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Top 10 - Meist gefolgte Twitter-Accounts von Medien
Die Top Twitter-Informationsquelle unter den Medien-Accounts ist die Tagesschau. Gut zwei Drittel der twitternden Parlamentarier folgen dem Flagschiff des deutschen Fernsehens.

Danach folgen mit SPIEGEL ONLINE, ZEIT ONLINE, SZ und WELT wichtige Online-Nachrichtenseiten.  

Von den TV-Sendern finden sich das ZDF und der Nachrichtenkanal n-tv unter den Top-Informationsquellen.

Überraschend ist die tageszeitung in den Top 10 vertreten, vor vielen wesentlich reichweitenstärkeren Angeboten. Über die Hälfte aller MdB folgen dem Twitter-Account der linken Tageszeitung. Darunter auch 37 MdB der CDU/CSU-Fraktion.

Im Gegensatz dazu folgen der FAZ und FAZ Politik nur 139 MdB, also über 30 Prozent weniger Politiker als z.B. den SPIEGEL ONLINE-Accounts. Dem BILD-Account folgen ebenfalls nur 140 Parlamentarier, dies entspricht ca. 41 Prozent aller Abgeordneten.

Digital Public Affairs 


Neben den Medien gelten ja auch gemeinhin Lobbyisten als wichtige Informationsquelle der Volksvertreter. Deshalb habe ich die Gesamtliste nochmal speziell nach diesen Accounts durchsucht - und bin fündig geworden.


Interessengruppen/Lobbys

Balkendiagramm
Top 10 - Meist gefolgte Twitter-Accounts von Lobbys
Wer in Deutschland an Lobbyismus denkt, denkt schnell an Unternehmen und Verbände. Die Liste der meistgefolgten Interessengruppen zeigt allerdings ein anderes Bild.

Unter den Top 10 ist kein einziges Unternehmen und kein Verband. Die MdB folgen vorallem NGOs und Gerwerkschaften (Ver.di, IG Metall, IG BCE). Mit Lobbycontrol ist auf Platz 11 (50 MdB) sogar ein Lobbyverein dabei, der die Lobbys überwacht.

Der Einfluss der Gewerkschaften auf die Meinungsbildung der Legislative - jedenfalls als Informationsquelle - ist also weiterhin und auch im digitalen Raum hoch. 

Die für die MdBs wichtigsten NGOs auf Twitter sind: Das Kampagnennetzwerk campact, Greenpeace, Amnesty Deutschand, Amadeu Antonio-Stiftung BUND und Pro Asyl.

Interessant dabei, der Antonio Amadeu Stiftung folgt kein einziger Abgeordneter der Unions-Fraktion.

Außerhalb der Top 10 finden sich weiter hinten noch folgende meist bekannte Interessenvertretungen: Verbraucherzentrale Bundesverband, Industrie Pro TTIP (BDI), Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin, Initiative Soziale Marktwirtschaft (INSM), NABU, WWF,  Pro Asyl, AJC Berlin, DB Personenverkehr, Familienunternehmer, BDI, Wirtschaftsrat, Mehr Demokratie, VKU, Attac, Blockupy, Human Rigths Watch, Twitter Deutschland, Deutsche Bahn, Netz gegen Nazis, Progressives Zentrum, OECD und das Öko-Institut.


Sonstiges


Außer den hier präsentierten Rankings sind mir zudem noch einige weitere spannende Details in den Daten aufgefallen.

So folgen z.B. über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg weiterhin noch 97 Parlamentarier dem vor über einem Jahr gestorbenen CDU-MdB Philipp Missfelder und 79 Abgeordnete dem ebenfalls verstorbenen Herausgeber der FAZ Frank Schirmacher. Eine Form der digitalen Trauerarbeit?

Screenshot
Twitter-Account Edward Snowden
Die meistgefolgten Europapolitiker im Bundestag sind: David McAllister (CDU, 85 MdB), Jean-Claude Juncker (79 MdB) und Jan Phillip Albrecht (Grüne, 77 MdB).

Die meistgefolgten Landespolitiker im Bundestag sind: Julia Klöckner (CDU, 134 MdB, Hannelore Kraft (SPD, 127 MdB) und Ralf Stegner (SPD, 126 MdB).

Überraschungen in der Top-Liste sind für mich: extra3 (113 MdB), Barack Obama (89 MdB), Jan Böhmernann (86 MdB), POTUS (53 MdB), Hillary Clinton (67 MdB), Papst Franziskus (74 MdB), Jakob Maria Mierscheid (fiktiver MdB, 70 MdB über alle Fraktionen), Piratenpartei (58 MdB), Yanis Varoufakis (55 MdB, aus allen Fraktionen, die meisten von den Linken) und NSA-Whistleblower Edward Snowden (50 MdB).

Snowden folgen jeweils 18 MdB von den Grünen & der Linken, aber auch einzelne Mitglieder der Regierungsfraktionen.

Dem Liquidator der letzten FDP-Bundestagsfraktion Otto Fricke folgen immer noch 52 MdB, allein 30 aus der CDU/CSU-Fraktion. FDP-Chef Christian Lindner folgen 106 MdB, dies entspricht 31 Prozent aller aktiven MdB auf Twitter. Die Sehnsucht nach liberalen Inhalten im Bundestag scheint hoch zu sein.


Datenmaterial: Die komplette Excel-Liste mit den Top 483 Accounts, denen die Abgeordneten folgen, die Top 25-Listen der vier Fraktionen sowie der Liste der untersuchten Twitter-Accounts kann hier heruntergeladen werden.  

Linktipp: Auf Bundestwitter hat Thomas Puppe alle Tweets der Bundestagsabgeordneten aus dem Jahr 2016 ausgewertet und unter anderem die erfolgreichsten zusammengestellt. Toller Datenporn- & Journalismus.


Mittwoch, 9. November 2016

Wie viral sind Bundesregierung & Bundesminister in Social Media?

Die digitale Kommunikation der Bundesregierung hat sich in den letzten Jahren extrem professionalisiert - sowohl quantitativ als aus qualitativ. Dies zeigt sich unter anderem in den Reichweiten von Postings, die immer öfter viral gehen und somit hundertausende Bürger direkt erreichen.

Wir gehen jetzt in einen irischen Pub und betrinken uns. Ab morgen arbeiten wir dann wieder für ein besseres #Europa. Versprochen“ #EUref
Tweet des AA zum #Brexit am 24.Juni 2016
So erzielte das Facebook-Posting des Auswärtigem Amtes zum #Brexit über 5 Millionen Impressions und wurde somit zu einem der reichweitenstärksten Inhalte der Bundesregierung. Aber auch via Twitter erreicht mancher Inhalt heute schon Reichweiten, die weit über die reine Anzahl der Follower hinaus gehen, so z.B. ein Statement von Justizminister Heiko Mass (SPD) zum Amoklauf in München (OEZ) und den islamistischen Anschlägen. Dieses reine Text-Posting erzielte Ende Juli 2016 allein auf Twitter über 600.000 Impressions.    

Mehr als die reinen quantitiven Fan- und Followerzahlen ist Viralität ein Gradmesser für die Qualität und den Erfolg von Social-Media-Aktivitäten. Aus diesem Grund habe ich mir gemeinsam mit dem Social-Media-Analyse-Unternehmen uberMetrics Technologies bereits im Spätsommer 2015 die Profile aller Bundesministerien und BundesministerInnen bei Facebook und Twitter genauer angeschaut und die Postings und Tweets der Bundesregierung auf Viralität hin untersucht. 

Diese Studie haben wir nun wiederholt, um zu schauen wie sich die Viralität seitdem verändert hat.

Logo uberMetrics
uberMetrics hat dafür im Zeitraum vom 01. November 2015 bist zum 01. Juli 2016 alle Postings und Tweets automatisch erfasst und die Interaktionen zu diesen Postings analysiert.

Interaktionen stellen eine der wichtigsten Größen bei der Ermittlung von Viralität da. Auf Grundlage der Viralität lassen sich nun im Vergleich der Ministerien und MinisterInnen untereinander Aussagen treffen, welche Inhalte die größten Reichweiten erzielt haben. Genaue Zahlen wieviele Bürger einen Tweet bzw. Posting gesehen haben lassen sich aus diesen Daten jedoch nicht ableiten. Seriöse Aussagen ohne Einblick in die netzwerkinternen Statisiken sind schlicht nicht möglich.

Datenbasis 


Aktuell nutzen zehn BundesministerInnen (inkl. der Kanzlerin) und neun Bundesministerien (inkl. der Bundesregierung) eine Facebookseite. Bei Twitter sind fünf BundesministerInnen und bereits 13 von 14 Bundesministerien mit eigenem Ministeriums-Account aktiv. Facebook ist also unter den MinisterInnen und Twitter bei den Ministerien verbreiteter.  


ALLGEMEIN


Facebook-Seite Justitzminister Heikoe Maas (SPD)
Die Bundesminister nutzen die beiden wichtigsten Social-Media-Netzwerke - Facebook und Twitter - höchst unterschiedlich. Es gibt unter den 16 Bundesministern (inkl. Kanzlerin) entweder Minister mit hoher Affinität zu Facebook oder zu Twitter. Nur sehr wenige erreichen auch in beiden Netzwerken hohe Interaktionsraten. Über beide Netzwerke hinweg schafft es lediglich Justizminister Heiko Maas (SPD) seine Themen breit in der digitalen Öffentlichkeit zu platzieren. Bei Twitter erreicht er die zweitbeste, bei Facebook die beste Interaktionsrate, unter den Ministern.

Unter den Ministerien erzeugt die digitale Kommunikation des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz, des Bundesumweltministeriums und des Auswärtigen Amtes (AA) die viralsten Inhalte. (Twitter). Bei Facebook sind die Seiten des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundesregierung absolutes Best Practice. Diese Häuser schaffen es am besten ihre Inhalte im digitalen Raum zu platzieren und erreichen im Verhältnis zu anderen Ministerien durchschnittlich die meisten Bürger mit ihren Inhalten.


FACEBOOK


Bei Facebook zählen wir nur die Anzahl der Kommentare und nicht die Shares und Likes als InteraktionenDie Erklärung liegt im Prinzip der Viralität: Diese stellt Beziehungen zwischen Artikeln her, es braucht also für jede Interaktion zwei Posts. Deshalb zählen Likes nicht in die Datenbasis hinein. Shares sind Facebook-bedingt nur sehr schwierig zu ermitteln, da sie meisterns auf der privaten Timeline des Nutzers erfolgen. Facebook hat diese aber per se für den automatisierten Zugriff durch Externe wie uns gesperrt.

MinisterInnen:


Facebook-Seite Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD)
Der aktivste Minister ist mit weitem Abstand Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Er setzte in den sieben Monaten wahnsinnige 1740 Postings ab. (7 Postings/Tag). Damit erhöhte er auch nochmal die Frequenz aus der ersten Studie, wo er mit 3,5 Postings am Tag ebenfalls weit vor allen anderen MinsterInnen lag.  Darauf folgt Hermann Gröhe (CDU) mit rund 2 Postings am Tag.
Die geringste Aktivität war bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (beide CDU) zu beobachten. Sie setzen lediglich 0,18 bzw. 0,14 Postings am Tag ab, Fans erhielten also nur aller 5 bis 6 Tage ein Update von ihnen. Immerhin eine Steigerung zur ersten Studie wo beide kein einziges Posting absetzten. Alle anderen MinisterInnen setzen im Schnitt 1,5 Postings am Tag ab. Ausgenommen Alexander Dobrindt (CSU), der seit September 2013 kein Posting mehr abgesetzt hat und deshalb in dieser Analyse nicht mit betrachtet werden konnte. Im Durchschnitt setzt somit jeder Minister der Bundesregierung 1,77 Facebook-Postings am Tag ab.

Die mit Abstand meisten Interaktionen pro Posting erhält mit durchschnittlich 6940 Interaktionen hingegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, gefolgt von Heiko Maas (266 Interaktionen) und Sigmar Gabriel (157 Interaktionen). Die Postings von Gesundheitsminister Hermann Gröhe erreichen die wenigsten Interaktionen. Lediglich durchschnittlich 8 Interaktionen erhält ein Posting auf seiner Facebookseite. In der ersten Studie waren Sigmar Gabriel (455 Interaktionen), Heiko Maas (158 Interaktionen) und Andrea Nahles (73) unter den Top 3.


Balkendiagramm
Abb 1. Anzahl der Interaktionen/1000 Fans MinisterInnen
Setzt man die Interaktionen mit der Anzahl der Fans in Relation würde sich folgendes Bild ergeben: Heiko Maas, vor Peter Altmaier und Andrea Nahles mit der besten Interaktionsrate bezogen auf alle Fans. Maas und Altmaier erhalten über 9 Interaktionen pro 1000 Fans. Gröhe und Steinmeier im Vergleich dazu nur lediglich 0,48 bzw. 0,25 Interaktionen pro 1000 Fans.  Insgesamt ist diese Rate aber bei allen Ministern eher unterdurchschnittlich, wenn man diese z.B. mit den Raten der Bundesländer auf Facebook vergleicht.


Ergebnis: Heiko Maas schafft es innerhalb der Bundesregierung am besten seine Themen auf Facebook zu platzieren und erreicht die meisten Bürger über Facebook direkt, gefolgt von Peter Altmaier und Andrea Nahles.
Die Minister Gröhe und Steinmeier sind zwar sehr aktiv, erreichen aber pro Posting relativ nur sehr wenige Menschen,  die mit ihren Inhalten auch interagieren und diese somit in die Breite tragen.

Nichtsdestotrotz können natürlich auch Politiker mit großen Fanseiten und geringerer Interaktionsrate ebenfalls viele Menschen erreichen, die nicht mit ihnen interagieren (z.B. Postings kommentieren). Die Frage ist nur, wie stark der Facebook-Algorithmus diese Postings aus den Timelines der Fans herauselektiert, da sie als "irrelevant" angesehen werden, da eben keine Interaktionen erzeugt werden. Interaktionen sind einer der wichtigsten Bestandteile des intransparenten Facebook-Algorithmus, der entscheidet welche Inhalte wie vielen Nutzern angezeigt werden. 

Alle Fanseiten der MinisterInnen mit tagesaktuellen Fanzahlen finden Sie hier.


Ministerien


Facebookseite Auswärtiges Amt
Das Auswärtige Amt ist am fleißigsten unter den Bundesministerien. Es postete durchschnittlich 3,3 Postings am Tag im Untersuchungszeitraum (2015: 2,9 Postings/Tag). Darauf folgt die Fanseite der Bundesregierung mit 2,42 (2015: 2,1 Postings/Tag) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit & Entwicklung (BMZ) mit 2 Postings am Tag. Am wenigsten postete das Bundesminitserium für Arbeit & Soziales (BMAS) mit lediglich 0,64 Postings/Tag und das Bundeswirtschaftsministerium (BMWI) mit 0,87 Postings am Tag.

Ähnlich ist das Bild bei den Interaktionsraten. Die Bundesregierungs-Seite erzielt mit über 674 Interaktionen/Posting die meisten Interaktionen, darauf folgt das Auswärtige Amt mit 40 Interaktionen/Posting und das Gesundheitsministerium mit durchschnittlich 28 Kommentaren pro Posting. Alle anderen Bundesministerien erzielen lediglich 2 - 9 Interaktionen pro Posting. Am schlechtesten schneidet das BMZ ab, es erhält lediglich 2,41 Kommentare pro Posting.

Balkendiagramm
Abb. 2. Anzahl der Interaktionen/1000 Fans Ministerien
Betrachtet man die Interaktionsraten pro Fan ergibt sich folgendes Bild: Die mit Abstand beste Interaktionsrate hat die Bundesregierung, knapp vor dem Bundesgesundheitsministerium. Mit weitem Abstand folgen BMJV und BMAS.

Alle Ministerien haben realtiv gesehen sehr schwache Raten pro Fan. Viele der Postings der anderen Ministerien werden aufgrund des Facebook-Algorithmus vermutlich einem Großteil ihrer Fans gar nicht mehr angezeigt. Höchstwahrscheinlich sogar der Mehrheit der Fans.







Das mit Abstand viralste Posting auf allen Fanseiten der Bundesministerien war im Erhebungszeitraum dieses hier von der Bundesregierung: Allein auf dieses Posting entfielen 5964 Interaktionen (bzw. Kommentare)
 



Gefolgt von diesen beiden Postings:
Bundesregierung mit Video-Statement des türkischen Ministerpräsidenten Davutoğlu zu den Anschlägen in Istanbul: 5391 Interaktionen.
Bundesregierung mit SharePic von Heiko Mass zu den Übergriffen an Silvester am Kölner Hauptbahnhof : 4632 Interaktionen. 

Ergebnis: Die Fanseite der Bundesregierung (Bundespresseamt) überstrahlt alle anderen Ministerien. Sowohl was die Anzahl der Postings/Monat angeht, als auch bei den Interaktionsraten. Danach folgt das Bundesministerium für Gesundheit und das Bundesjustizministerium. Diese Seiten schaffen es am besten die Themen zu platzieren und in die Breite zu tragen. Am schlechtesten gelingt dies dem Bundeswirtschaftsministerium, dem Auswärtigen Amt und dem BMZ.

Alle Fanseiten der Ministerien mit tagesaktuellen Fanzahlen finden Sie hier.

Anmerkung: Die Fanseite des Bundesministeriums für Familie, Senoiren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wurde nicht mit betrachtet, da diese erst am 28.04.2016 umgestellt wurde, zuvor besaß das Ministerium lediglich eine Projekt-Fansseite. Ebenfalls konnte die neue Seite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) nicht mehr erfasst werden, da diese erst am 01. Juni 2016 also kurz vor Ende der Datenerhebung startete.


TWITTER


Bei Twitter zählen als Interaktionen in dieser Studie nur Retweets, Favs zählen wie bei den Facebook-Likes aus Gründen der Viralitätsermittlung dort nicht mit hinein. 

MinisterInnen:


Aktuell besitzen nur 5 BundesministerInnen einen Twitter-Account, bis zur #fragsigmar Rückkehr von Sigmar Gabriel Ende 2015 twitterten nur 4 von Ihnen aktiv.

Screenshot
Twitter-Account Manuela Schwesig (SPD)
Die meisten Tweets wurden von Heiko Maas (5,2/Tag) und Manuela Schwesig (3,8 Tweets/Tag) abgesetzt. Bei der ersten Studie lag hier noch Manuela Schwesig mit 6 Tweets am Tag vorne. Aufgrund der Geburt ihres zweiten Kindes hatten die Aktivitäten bei Twitter im Untersuchungszeitraum verständlicherweise stark abgenommen. Aber auch alle anderen drei Regierungsmitglieder sendeten durchschnittlich ca. 2 Tweets/Tag. Hier ist eine leichte Zunahme der Twitter-Aktivitäten bei allen MinisterInnen zu beobachten.

Abb 3. Durchschnittliche Interaktionen pro Tweet Bundesministerinnen
Die mit Abstand meisten Interaktionen erzeugte Sigmar Gabriel (SPD). Mit 24,4 Interaktionen pro Tweet liegt er weit vorne. Dies ist überraschend, da er wie beschrieben bei der letzten Studie aufgrund seiner Nicht-Aktivität auf 0 Interaktionen kam. Es folgen Heiko Maas (SPD) (16,8 Interaktionen pro Tweet) und Peter Altmaier (CDU) (13,6 Interaktionen pro Tweet). Schwesig und Gröhe folgen dann etwas abgeschlagen mit jeweils 5 bzw. 4 durchschnittlichen Interaktionen.  Mit durchschnittlich 24 Retweets gingen die Tweets von Sigmar Gabriel "am stärksten viral". Er versteht es also am besten mit seinen Tweets die Leute zu erreichen. Aber auch die Interaktionsraten der anderen MinisterInnen sind im Vergleich zur ersten Studie stark angewachsen. Bei Gröhe & Schwesig haben sie sich sogar mehr als verdoppelt. Im Verhältnis Interaktionen/Follower liegt ebenfalls Sigmar Gabriel vor Heiko Maas und allen anderen MinisterInnen.

Die tagesaktuellen Followerzahlen der BundesministerInnen finden Sie hier.

Der meist retweetete Tweet innerhalb des Untersuchungszeitraumes kam von Heiko Mass und war wiederum ein externer Tweet von Hillary Clinton, er erzeugte 3053 Interaktionen.



Ministerien:


Aktuell twittern 13 Ministerien. In der Studie wurden aber nur 12 untersucht, da das Bundesinnenministerium erst Anfang Mai 2016 bei Twitter startete und somit nicht mehr ins Panel aufgenommen werden konnte.

Twitter-Account des Umweltministeriums
Am aktivsten ist das Auswärtige Amt mit 15 Tweets am Tag. Gefolgt vom Umweltministerium mit 13,7 Tweets am Tag und dem Arbeitsministerium mit 11 Tweets/Tag. Am wenigsten twittern das Verkehrs-, Ernährungs- und Bildungsministerium. Immerhin gabs hier durchschnittlich noch gut 2-3 Tweets am Tag.

Im Vergleich zur ersten Studie haben alle Ministerien - außer das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und Bundesministerium für Familie, Senoiren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) - ihre Schlagzahl stark erhöht und twittern wesentlich häufiger. So hat das BMZ die täglichen Tweets von 3 auf 9 verdreifacht und das Arbeitsministerium ebenfalls fast verdreifacht (von 4 auf 11).

Grund für die Abnahme der Tweets beim BMVI ist die Umstellung bei der Aussendung von Pressemitteilungen. Diese wurden in 2015 noch automatisch vertwittert. Dies wurde zwischenzeitlich umgestellt.

Balkendiagramm
Abb 4. Interaktionen pro Tweet der Ministerien
Die höchste Viralität erzeugen die Tweets von BMJV (6,2 Interaktionen/Tweet), BMUB (5,4) und des Auswärtigen Amtes (5,2). Das Auswärtige Amt erzeugte in 2015 mit damals 6,3 noch die meisten Interaktionen pro Tweet.

Am wenigsten viral gingen hingegen die Tweets von BMAS (1,1) , BMFSFJ, BMZ & BMEL (alle 2,3). In 2015 lag noch das BMVI mit 0,75 Interaktionen pro Tweet am Ende des Rankings. Nun konnte das für die Digitalisierung zuständige Ministerium seine Interaktionen mit 3,5 fast mehr als vervierfachen. Außer Auswärtigem Amt, Finanzministerium und Forschungsministerium konnten sich somit alle anderen 9 Ministerien bei der Interaktionsrate steigern. Die drei genannten haben allerdings nur leichte "Verluste" hinnehmen müssen.

Interessanterweise haben alle drei ihre Tweet-Anzahl aber sehr gesteigert. Das heißt in Umkehrschluß: Mehr Tweets bedeuten nicht zwangsläufug eine bessere Interaktionsrate. Jedenfalls in der Regierungskommunikation. Im Gegenteil, es kann sogar dazu führen dass die Follower weniger retweeten und faven und einzelne Tweets nicht mehr so große Reichweiten erzielen, wie bei geringerer Tweet-Frequenz.  

Ergebnis: Das BMJV, BMUB und das Auswärtige Amt erzielen die höchsten Reichweiten mit ihren Tweets und schaffen es so ihre Themen via Twitter am besten zu platzieren.

Die drei Tweets mit den meisten Interaktionen aller Ministerien:
Retweet eines Tweets von Sigmar Gabriel durch das BMWI: 1195 Interaktionen


Reweet eines Tweets des argentinischen Präsidenten Macri, durch das Auswärtige Amt: 817 Interaktionen
Retweet eines Tweets von Regierungssprecher Steffen Seibert durch das Finanzministerium: 762 Interaktionen


Die Studie wurde am 07. November 2016 exklusiv beim Tagesspiegel veröffentlicht.