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Donnerstag, 12. Juni 2025

Wie LinkedIn sind Bundestag und Bundesregierung - Die große Analyse 2025

Ist LinkedIn die neue Lieblings-Plattform der Bundesregierung? 

Sieht fast so aus. Noch nie waren so viele Mitglieder einer deutschen Bundesregierung auf der Business-Plattform angemeldet und auch dort aktiv, wie im Jahr 2025. 

74% der Minister:innen, Staatsminister:innen und (Parlamentarischen) Staatssekretär:innen sind mit einem Account auf dem zu Microsoft gehördenen Netzwerk angemeldet.  

Die Chance hier auf eine:n Politiker:in zu stoßen ist also recht groß, jedenfalls wenn man einen Bundestagsabgeordneten oder ein Mitglied der Bundesregierung digital treffen möchte. Von den 630 Volksvertreter:innen haben immerhin 344 einen Account, das entspricht gut 54 Prozent aller MdB - ein leichter Rückgang zur letzten Legislatur von 4 Prozent. 

Nach der Wahl ist vor der neuen Analyse. Wie schon 2022 und 2024 habe ich mich diesmal in Zuammenarbeit mit der Agentur MSL (🙌 Dicke Props gehen raus an Julia Kremp) wieder durch die 630 Mitlieder des Bundestages und die neu formierte Bundesregierung gewühlt, um euch ein paar grundlegende Daten zur politischen Kommunikation auf LinkedIn zusammenzutragen.

Los gehts!  

Und es gibt wieder einige Überraschungen  😮

Nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag und ihrer immerhin 75 LinkedIn-Nutzer:innen und dem starken Zuwachs der Fraktionen von AfD und Linke, die bisher eher durch Nichtnutzung aufgefallen waren, hatte ich vermutet, dass die Nutzung im Parlament stark sinken würde. 

Dies tut sie aber nicht. Viele neugewählte Mitglieder bei CDU/CSU (+10%), bei der SPD (+2%) und bei den Grünen (+11%) sind mit einem LinkedIn-Account in den Bundestag eingezogen. Und auch bei den Linken gab es überraschend große Zuwächse: 15 zusätzliche MdB (+11%) nutzen das Netzwerk nun für ihre Kommunikation. Die einzige Fraktion die im Vergleich zu 2024 nun noch weniger auf der Plattform aktiv ist, ist die AfD. Auch wenn durch den starken Zuwachs absolut mehr rechtsextreme Parlamentarier:innen auf LinkedIn sind (44 MdB), ist der Anteil um 11 Prozentpunkte innnerhalb der Fraktion gesunken. (von 40% auf 29%📉).  

Da Profil einrichten und es auch aktiv nutzen immer zwei paar Schuhe sind 👟👢, haben wir uns auch angeschaut wie aktiv die Parlamentarier:innen sind. Und immerhin 55% der Abgeordneten haben innerhalb der letzten drei Monate mit anderen Postings interagiert, Inhalte repostet oder eigene Postings veröffentlicht. In harten Zahlen: 190 MdB. Zum Vergleich: 2024 waren 62% aktiv. Der leichte Rückkgang ist auch mit dem Datenerhebungszeitraum zu erklären. Viele MdB sind neu dabei und haben ihre Prioritäten erstmal auf das Ankommen im Bundestag verlegt, der Wahlkampf lag schon teilweise länger als drei Monate zurück und diese Postings wurden nicht mehr berücksichtigt. Ich gehe stark davon aus, dass die Aktivitätsrate im Laufe der Legislatur wieder steigen wird.

Wieviele Bundestagsabgeordnete nutzen LinkdIn aktiv?

 

Aber am meisten hat mich aber die Bundesregierung überrascht. 

Von den 18 Minister:innen sind 12 auf LinkedIn vertreten. Dies entspricht zwei Dritteln (67%). Wieviele sind nochmal bei Tik Tok, YouTube oder WhatsApp aktiv? Viel viel weniger.

Von den 12 Minister:innen nutzen wiederum 67% die Plattform aktiv, posten eigene Beiträge, kommentieren, reposten etwas oder verteilen Reactions unten den Posts anderer Nutzer:innen.  

Von den 40 (Parlamentarischen) Staatssekretär:innen haben 31 einen eigenen LinkedIn-Account. (77,5%) und 16 sind auch auf der Plattform aktiv. Dies entspricht 52%. 

An der Spitze der Top 10 der Bundesregierung nach Follower:innen (Stand 5. Juni 2025) steht erstmals ein Bundeskanzler, Friedrich Merz hat seit Sommer 2024 über 100.000 Follower:innen dazugewonnen (+73%). Aber auch die Ministerinnen Verena Hubertz und Reem Alabali-Radovan (beide SPD) konnten insbesondere in den letzten Monaten große Follower:innen-Zuwächse verzeichnen. Seit 2024 sind ihre Accounts um 63% (Hubertz) bzw. 96% (Alabali-Radovan) gewachsen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In den Top 10 der Regierungsmitglieder nach Follower:innen-Zahlen finden sich alle drei Koaltionspartner fast paritätisch wieder: 4 x SPD, 3 x CDU, 2 x CSU und 1 Parteiloser. 


Und wer hat die meisten Follower:innen im Parlament? Hier der Überblick (Stand 05. Juni 2025)

 





















Einige Sachen sind uns wieder aufgefallen, die ich hier mal aus dem Datenschatz herausgreife:

  • LinkedIn ist grün. Und nicht blau. Jedenfalls was die Parteifarbe angeht. 
  • Unter den Top 10 der MdB mit den meisten Follower:innen sind 3 grüne Parlamentarier:innen, unter den Top 6 sogar 3
  • Als erster deutscher Politiker hat der ehemalige Vize-Kanzler Robert Habeck die halbe Million Follower-Marke geknackt
  • Der grüne Bundesvorsitzende Felix Banaszak hat seit Oktober 2024 seine Follower:innen-Zahl um gut 27.000 gesteigert, dies entspricht einer Wahnsinns-Wachstumsrate von 690 Prozent in 8 Monaten 😱 
  • Unter den MdB mit den stärksten Wachstumsraten sind zudem sehr viele grüne Abgeordnete z.B. Till Steffen, Johannes Wagner, Dr. Paula Piechotta oder auch Nyke Slawik  
  • Gemeinsam mit der CDU/CSU-Fraktion hat die Grünen-Fraktion mit 69% aller Abgeordneten die stärkste LinkedIn-Nutzung aller Fraktionen 
  • Keine Fraktion nutzt Linked:in aktiver: 72,8% der grünen Abgeordneten sind auf ihren Profilen auch aktiv 
  • Durchschnittlich 11.400 Follower:innen folgen jedem grünen MdB. Keine Fraktion hat mehr (Bevor ihr schreibt: Ja, ich weiß, das der große Account von Habeck diese Zahl natürlich nach oben treibt und verzerrt)
  •  Auch bei der CDU/CSU gibt es einige spannende Zahlen: 
  • Bundeskanzler Friedrich Merz hat absolut die meisten Follower:innen seit 2024 zugelegt: 103.000, dies entspricht 73% Wachstum 
  • Unter den Top 10 MdB mit den meisten Follower:innen sind 4 aus der Unions-Fraktion, interessanterweise aber mit dem Bundeskanzler nur 1 Bundesminister:in, dazu aber mit Jens Spahn noch der Fraktionschef und mit Dr. Norbert Röttgen und Roderich Kiesewetter zwei prominente parteiinterne Merz-Kritiker.   
  • Keine Fraktion ist mit mehr Abgeordneten sowohl absolut (145 MdB) als auch relativ (69,7%) auf der Plattform vertreten  

 

Und weil wir wollen, dass ihr mit den Daten weiterarbeiten könnt, eigene neue Analysen erstellt oder einfach nur Spaß an Dataporn und DDJ habt, haben wir euch auch wieder ein Google Doc gebaut, in dem ihr alle MdB-Profile und hier zitierten Zahlen findet.👉Voila.


Betrachtet man die Nutzung innerhalb der verschiedenen Fraktionen bzw. Gruppen zeigen sich teilweise massive Unterschiede nach Parteifarbe.


 

Übersicht über Verteilung der Linked-Accounts nach Fraktion

 

CDU/CSU

145/208 nutzen LinkedIn (69,7%)

Ein Plus von 28 MdB und 10 Prozentpunkten.

100/145 MdB nutzen LinkedIn aktiv (69%)

4305 Follower:innen im Durchschnitt


SPD 

75/120 MdB nutzen LinkedIn (62,5%)

Ein Minus von 50 MdB, aber ein Plus von 2,1 Prozentpunkten

35/75 MdB nutzen LinkedIn aktiv (47%)

2485 Follower:innen im Durchschnitt ( +734 Follower:innen)

 

Bündnis 90/Die Grünen

59/85 MdB nutzen LinkedIn (69,4%)

Ein Minus von 9 MdB, aber ein Plus von 11 Prozentpunkten

43/59 MdB nutzen LinkedIn aktiv (72,8%)

11.405 Follower:innen im Durchschnitt ( +3189 Follower:innen)


Linke

21/64 MdB nutzen LinkedIn (32,8%)

Ein Plus von 15 MdB und 11,4 Prozentpunkten

4/21 MdB nutzten LinkedIn aktiv (19%)

247 Follower:innen im Durchschnitt ( -180 Follower:innen)


AfD 

44/151 MdB nutzen LinkedIn (29,1%)

Ein Plus von 13 MdB, aber minus 11 Prozentpunkten

7/44 MdB nutzen LinkedIn aktiv (16%)

246 Follower:innen im Durchschnitt (-7 Follower:innen)


Fraktionslos 

1/2 MdB nutzen LinkedIn (50%)

1/1 MdB nutzt LinkedIn aktiv (100%)

2177 Follower:innen im Durchschnitt

 

 

Und wer machts am besten?  

Auch dieses Mal gibt es wieder inspirierende Profile und Best Practices, an denen man sich orientieren kann, um bei LinkedIn ebenfalls erfolgreiche politische Kommuniation zu betreiben? 

Voila! 

Unsere bestimmt unvollständige Liste von Profilen, die uns postiv aufgefallen sind - nach Fraktion und alphabetisch sortiert:

Marc Biadacz (CDU) 
 
Armand Zorn (SPD) 

Felix Banszak (Grüne) 

 

Bei der Analyse 2024 bin ich (gemeinsam mit Maria Timtschenko) auch qualitativ noch etwas tiefer eingestiegen, dort findet ihr auch noch mehr Erfolgsfaktoren im Bereich "Best Practices".  

Montag, 15. August 2022

Wie LinkedIn ist der Deutsche Bundestag?

Na, was denkst Du? Wie viele Bundestagabgeordnete nutzen LinkedIn

Das klassische Businessnetzwerk hat sich in den letzten Jahren zu einer vollwertigen Social-Media-Plattform gemausert. Berater rufen es zum Trend für die politische Kommunikation aus 😉, ehemalige Ministeriumssprecher kritisieren das Politiker:innen den Trend verschlafen & aktuelle Analysen zur Kommunikation von Bundesminister:innen und Ministerien zeigen, das da noch viel Potential brach liegt

Aber stimmt das auch? 

Nutzer:innen-Zahlen von LinkedIn nach Ländern, u.a. auch DACH-Region. Quelle: futurebiz.de https://www.futurebiz.de/artikel/linkedin-statistiken/

 

Leider gibt es keine aktuelle Übersicht über Bundestagsabgeordnete auf LinkedIn. Waaaaas? Deshalb habe ich mich mal wieder ein paar Tage hingesetzt und mir die LinkedIn-Kommunikation aller 736 Abgeordenten des Deutschen Bundestages angesehen. Ihr wisst in solchen Fällen bin ich ein Nerd 💁

Und weil ich so ein nicer Typ bin, habe ich euch auch ein Google Doc gebaut in dem ihr alle MdB-Profile und hier zitierten Zahlen findet.👉Voila.

Die überraschendste Zahl zu erst: 341 Abgeordnete besitzen bereits ein LinkedIn-Profil. Das entspricht ca. 46% aller Parlamentarier:innen. Wow! Das hätte ich nicht gedacht. 

 

Anzahl der Bundestagsabgeordneten, die ein LinkedIn-Profil haben; eigene Grafik mit Canva.

 

Schaut man dann allerdings mal etwas genauer hin, wird es schon dünner. Wieviele der 341 sind auch wirklich aktiv? Als aktiv habe ich alle Profile gezählt, die in den letzten 3 Monaten mindestens einen Beitrag oder Artikel veröffentlicht haben. Ich weiß, da fällt der ein oder andere MdB hinten runter, einige Abgeordnete kommentieren nur oder verteilen Likes für Beiträge anderer Nutzer:innen. So kann man aber seine eigene politische Agenda nur schwer verbreiten. Ich habe jedenfalls bei den "Inaktiven" keinen Fall gesehen wo die Kommentare strategisch genutzt wurden, um die eigene Blase zu verlassen und Themen kontinuierlich auf anderen Profilen aktiv zu setzen bzw. in Diskussionen Sichtbarkeit für den eigenen Standpunkt zu erzielen.     

Nur 143 der 341 Abgeordneten auf LinkedIn sind dort auch wirklich aktiv. (Stand August 2022). 

Das entspricht 41% der Parlamentarier:innen auf LinkedIn. Wenn man das im Verhältnis zu allen MdB setzt, sind es lediglich 19% 😞. Wolfgang Ainetter & Patrick Pietruck haben also recht, da liegt noch einiges an Potential brach.  

Wieviele Politiker sind auf LinkedIn aktiv?
Anzahl der Bundestagsabgeordneten, die auf LinkedIn aktiv/inaktiv sind; eigene Grafik mit Canva

 

Wie viele Follower:innen hat denn ein:e Abgeordnete:r so? 

Insgesamt haben alle Parlamentarer:innen zusammen 696.559 Follower:innen. Das klingt erstmal nicht so schlecht für 341 Profile. Im Durchschnitt macht das für jede:n Abgeordente:n also 2042 Follower:innen. Aber - und ich höre schon die berechtigte Kritik der Statistiker:innen unter meinen Leser:innen - dieser Durchschnitt ist ziemlich verzerrt da u.a. LinkedInfluencer wie Christan Lindner (FDP) mit 152.000 Follower:innen, Jens Spahn (CDU; 83.000 Follower:innen) oder auch Roderich Kiesewetter (CDU; 22.000 Follower:innen) den Wert nach oben hin verzerren. 

Ohne die Top 10 wären es dann nur noch ca. 970 Follower:innen pro Mandatsträger:in. Das entspricht dann schon eher der Realität eines durchnittlichen MdB-Profils.

 

Apropos Top 10. Wer sind denn die 10 MdB mit den meisten Follower:innen?  

Welcher Politiker hat dei meisten Follower auf LinkedIn?
Top 10 der MdB mit den meisten Follower:innen auf LinkedIn, eigene Grafik mit Canva

  

Die Unionsfraktion ist mit sechs Vertreter:innen am stärksten in den Top 10 vertreten, gefolgt von 2 Mal FDP und einmal Grüne sowie SPD. Diese Verteilung ist nicht überraschend, gelten beide Parteien ja als eher wirtschaftsnah - genauso wie die Plattform selber. Verena Hubertz von der SPD ist auch selber Start up-Unternehmerin und von daher schon länger auf LinkedIn unterwegs, als sie im Bundstag sitzt. 

Interessant hierbei, das sowohl Roderich Kiesewetter als auch Grünen-Parteichef Omid Nouripour explizit als Außenpolitiker:innen auftreten bzw. aufgetreten sind. Ihr Publikum ist auch wesentlich internationaler. Kiesewetter tritt sogar offensiv in der Jobbeschreibung als Krisenpräventionsexperte auf, als Unternehmen gibt er "Hub for crises prevention and crises resilience" an. Das er nebenbei auch noch MdB ist erfährt man nur mit Blick in seine Berufserfahrung. (Ergänzung: Hinter seinem Namen hat er "geb. MdB", geborener MdB? stehen). 

 

Und da ich noch mehr Dataporn habe, hier noch ein Blick in die einzelnen Fraktionen:

 

SPD (206 MdB)

96/206 nutzen LinkedIn (47%)
38/95 nutzen LinkedIn aktiv  (40%)
949 Follower:innen im Durchschnitt 

CDU/CSU (197 MdB)

96/197 nutzen LinkedIn (49%)
43/96 nutzen LinkedIn aktiv  (45%)
3039 Follower:innen im Durchschnitt 

Bündnis 90/Die Grünen (118 MdB)

49/118 nutzen LinkedIn (41%)
18/49 nutzen LinkedIn aktiv  (37%)
1086 Follower:innen im Durchschnitt 

FDP (92 MdB)

67/92 nutzen LinkedIn (73%)
43/67 nutzen LinkedIn aktiv  (64%)
3876 Follower:innen im Durchschnitt 

Linksfraktion (39 MdB)

6/39 nutzen LinkedIn (15%)
1/6 nutzt LinkedIn aktiv  (17%); es ist MdB Clara Bünger 
251 Follower:innen im Durchschnitt 

Fraktionslos  (4 MdB)

1/4 nutzt LinkedIn (25%)
1/1 nutzt LinkedIn aktiv  (100%); es ist MdB Stefan Seidler vom SSW 
1490 Follower:innen im Durchschnitt  

 

AfD (80 MdB)

27/80 nutzen LinkedIn (34%)
0/27 nutzen LinkedIn aktiv  (0%)
184 Follower:innen im Durchschnitt  
 
 
Was mir sonst noch aufgefallen ist?  
 
Nur 6 Parlamentarier nutzen einen Premium-Account. 

Eine ganze Reihe von Profilen ist unaktuell, dort sind die Abgeordneten noch mit ihren ehemaligen Jobs unterwegs, haben keine Profil und/oder Titelbilder und oder gar keine Profilbeschreibungen. 
Besonders aufgefallen ist mir dabei MdB Frank Ullrich (SPD), der als Info "Jetzt Pensionär" angegeben hat. Gewählte Mandatsträger:innen verstecken also das sie Mitglied des Bundestages sind. Warum?
 
Screenshot LinkedIn-Profil von MdB Stefan Rouenhoff (CDU), Kein Profil- & Titelbild 



Screenshot LinkedIn-Profil MdB Holger Mann (SPD), firmiert noch als MdL & nutzt LinkedIn nur als Visitenkarte

 
 
Da man in vielen How Tos lesen kann, das man in der Jobbeschreibung mit motivierenden Sinnsprüchen auffallen muss, haben das auch einige MdB getan, so liest man dort nicht das sie Mitglied des Bundestages sind, sondern u.a.:
 
oder auch formschön:  #WirsindWahlkreis10  
 
 
Best Practice

Und falls ihr euch jetzt fragt: Wer hebt denn das Potential der Plattform für die politische Komunikation und macht es denn schon super? Da sind mir vorallem zwei SPD-Politiker aufgefallen. Zwei sehr junge: MdB Robin Mesarosch und MdB Matthias Mieves.

Deren Kommunikation hat mich mit gelungenem Storytelling, spannenden für die Zielgruppe relevanten Themen, Dialogorienterung und sehr professioneller Aufbereitung überzeugt.
 
 
So, und jetzt kommt ihr!
Habe ich einen Account vergessen, habe ich was übersehen?
Freue mich über euer Feedback zur Google Doc-Liste und zur Analyse hier. 


Und hier gehts zu meinem LinkedIn-Profil - aktiv 😇
 

Freitag, 13. November 2020

Wer hasst wen? – Hate Speech auf den Facebook-Seiten politischer Parteien

Dies ist ein Gastbeitrag von Bastian Rosenzweig, er hat im letzten Semester sein Bachelorstudium in Kommunikationswissenschaft, Philosophie und Soziologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg abgeschlossen. Im Blog präsentiert er zentrale Ergebnisse seiner Bachelorarbeit zum Thema Hate Speech auf den Facebook-Seiten deutscher Bundesparteien. Hierzu analysierte er die zwischen 2016 - 2018 auf den Facebook-Seiten von CDU, CSU, SPD, LINKE, Grünen, FDP und AfD veröffentlichten Kommentare.        

 

Logo Otto-Fiedrich-Universität Bamberg
Logo Otto-Fiedrich-Universität Bamberg
Am 1. Juni 2019 erschießt der rechtsextreme Stephan Ernst den CDU-Politiker Walter Lübcke. Sowohl im Vorfeld wie auch danach wird der Mord im Internet von Hasskommentaren begleitet. Unter anderem hetzen die AfD-nahe Ex-CDU-Politikerin Erika Steinbach und der rechtsextreme Blog PI-News mit einem vier Jahre alten Video gegen Lübcke. Morddrohungen, die in Reaktion darauf in den Kommentaren auftauchen, werden nicht gelöscht. In den Tagen nach der Tat werden Beiträge veröffentlicht, die Freude über den Tod des Politikers ausdrücken. Auch Stephan Ernst selbst räumte später ein, in der Zeit vor der Tat unter einem Pseudonym Hasskommentare gepostet zu haben.

 

Hate Speech

Der Fall Lübcke zeigt in aller Deutlichkeit, was schon länger klar ist: dass sich Hate Speech im Internet nicht von der „realen“ Welt trennen lässt. Hassbeiträge wirken auf individueller Ebene ähnlich wie Mobbing, auf gesellschaftlicher Ebene können sie den Diskurs verzerren und die strukturelle Benachteiligung bestimmter Gruppen reproduzieren. In einer Studie der Landesanstalt für Medien NRW gibt über ein Drittel der Befragten an, von Hasskommentaren verängstigt zu sein. Eine Umfrage von Campact ergab, dass sich circa die Hälfte der Befragten wegen Hate Speech seltener zu ihrer politischen Meinung bekennen.

Unter Hate Speech fallen in den gängigen Definitionen alle Äußerungen, die die Herabsetzung (also nicht etwa die Kritik) bestimmter, meist marginalisierter, Gruppen zum Ziel haben. Darunter fallen beleidigende Beiträge, die auf ganze Gruppen abzielen, aber auch herabwürdigende Äußerungen gegenüber Einzelpersonen, sofern die Herabwürdigung mit der (vermeintlichen) Gruppenzugehörigkeit begründet wird.

Abbildung 1. Tortendiagramm mit Facebook-Abonnierende nach Partei
Abb 1. Facebook-Abonnierende nach Partei
Um das Ausmaß von Online Hate Speech besser einschätzen zu können, wurden in der vorliegenden Arbeit die Facebook-Seiten der aktuell im Bundestag vertretenen Parteien analysiert. Untersucht wurde unter anderem, wie hoch im Zeitraum von 2016 bis 2018 der Anteil an Hasskommentaren war, welche Themen dort Hate Speech nach sich zogen und welche gesellschaftlichen Gruppen davon betroffen waren.

 

 

 

 

 

Das Ausmaß

In den drei Jahren wurden insgesamt 4.447.947 Kommentare auf den Facebook-Seiten der sieben Parteien veröffentlicht, aus denen dann eine einfache Stichprobe gezogen wurde. Hate Speech findet sich in 4,33% der Beiträge. Bei der AfD (auf die 32% aller Abonnierenden und über ein Drittel aller Kommentare abfallen) ist dieser Anteil mit 6,79% am höchsten. Darauf folgen die Grünen mit 4,76% und die Linken mit 3,38%. Da Kommentare bei Facebook von den Seitenbetreiber*innen gelöscht werden können, muss man davon ausgehen, dass der Anteil eigentlich größer ist.

Balkendiagramm Anteil an Hasskommentaren nach Partei
Abbildung 2: Anteil an Hasskommentaren nach Partei und Jahr


 

Welche Themen ziehen Hasskommentare nach sich?

Wo Hasskommentare veröffentlicht werden sagt nur bedingt etwas über deren Inhalt aus, da ja auch Rechtsradikale bei den Linken kommentieren können oder Linke bei der AfD. Aufschlussreicher ist da ein Blick auf den Inhalt bzw. die Gruppe, die das Ziel der Hassbeiträge ist. Hate Speech findet sich unter Posts zu fast allen Themen. Der größte Anteil fällt hierbei ab auf die Themen Frauenrechte (15,38%), Terrorismus (11,32%) und Rechtsextremismus (10,91%).

Abbildung 3:  Balkendiagramm mit Themen, die Hasskommentare nach sich ziehen
Abbildung 3: Themen, die Hasskommentare nach sich ziehen

 

Wer ist betroffen?

Opfer von Hate Speech sind in 46,67% der Fälle Migrant*innen, im Jahr 2017 lag der Anteil sogar bei 69,23%. Der am häufigsten gelikete Hasskommentar fällt ebenfalls in diese Kategorie und beinhaltet die Aussage: „Hälse durchschneiden , das ist was sie kennen und wollen …“ Er wurde 2018 auf der Facebook-Seite der AfD veröffentlicht und bis zur Erhebung im März 2019 nicht entfernt. Des Weiteren richten sich die Hassbeiträge gegen Politiker*innen im Allgemeinen (14,44%), Muslim*innen (12,22%) und Linke (10%). Auffällig ist, dass Hasskommentare bei den Linken in 60% der Fälle auf Linke abzielen. Auch hier scheinen also eher rechts gesinnte Personen zu kommentieren.

Abbildung 4: Balkendiagramm Betroffene nach Jahr
Abbildung 4: Betroffene nach Jahr

 

Die vor allem von Anhänger*innen der AfD immer wieder bemühte These, Rechte bzw. Konservative seien ebenso oft Opfer von Hate Speech wie alle anderen konnte nicht bestätigt werden. Nur 1,11% aller Hasskommentare richten sich gegen rechte/konservative Personen. Viel mehr lässt ein Großteil der Hasskommentare auf eine rechtsextreme Gesinnung des*der Verfasser*in schließen. Wenn man sich die Definition von Hate Speech ansieht, ist auch nichts anderes zu erwarten: Die Herabsetzung benachteiligter gesellschaftlicher Gruppen wird i. d. R. von rechtspopulistischen bis konservativen Kräften vorangetrieben.

 

Hate Speech in der Echokammer

Ein weiteres Ergebnis, das aus der Arbeit hervorgeht ist, dass Kommentare, die Hate Speech enthalten öfter mit „Gefällt mir“ markiert werden als Kommentare ohne. Neutrale Beiträge erhalten im Schnitt 2,60 Likes, bei Hasskommentaren liegt diese Zahl bei 4,73. Auch hier gibt es zwischen den Parteien große Unterschiede: Bei der SPD, CDU, FDP und Linken werden Hasskommentare seltener geliket als neutrale Beiträge. Einzig bei den Grünen (2,17 zu 1,81), der CSU (2,3 zu 1,87) und der AfD (5,97 zu 2,89) werden Hasskommentare häufiger mit „Gefällt mir“ markiert, bei der AfD sogar mehr als doppelt so häufig. Da die Hate Speech-Beiträge hauptsächlich auf rechtsradikale bis rechtsextreme Gesinnungen schließen lassen, kann man aufgrund dieser Zahlen davon ausgehen, dass die Seite der AfD eine Art Echokammer für solcherlei Ansichten bildet.

Auch wird auf Posts (der Parteien selbst), die bereits Hate Speech enthalten häufiger mit Hasskommentaren reagiert wird als auf andere. Auf „neutrale“ Posts folgt in 4,23% der Fälle Hate Speech, bei Hassposts ist dieser Anteil mit 8,47% ungefähr doppelt so hoch. Da die AfD die einzige Partei ist, die regelmäßig selbst Hate Speech-Beiträge veröffentlicht, kann man vermuten, dass sie selbst zum Anteil der Hasskommentare beiträgt.

 

Rechtsextremer Hass

Insgesamt ist erkennbar, dass Hate Speech erstens häufig (in mindestens 4,33% der Fälle) anzutreffen und zweitens eine vor allem rechtsextreme Angelegenheit ist.

4.33% scheinen kein so großer Anteil zu sein. Allerdings muss man beachten, dass hierunter wirklich nur Hate Speech fällt und keine reinen Falschinformationen, Beleidigungen oder harmlosere hämische Kommentare. Ebenfalls ist zu berücksichtigen, dass sechs der sieben Parteien angeben, solche Beiträge zu löschen. Zudem enthalten über 35% der Posts auf die sich die Kommentare beziehen nur harmlose parteibezogene Inhalte wie Mitgliederwerbung, anstehende Termine oder Feiertagswünsche.

Abbildung 5: Tortendiagramm Politische Einordnung der Hasskommentare
Abbildung 5: Politische Einordnung der Hasskommentare

Dass das Phänomen Hate Speech tendenziell rechtsextremer Natur ist, ist einerseits an den betroffenen Themen und Gruppen erkennbar, andererseits auch am Facebook-Auftritt der AfD selbst. So ist sie die einzige Partei, die keine Kommentarregeln auf ihrer Seite eingebunden hat und auch keine solchen anzuwenden scheint, da sie eine hohe Zahl von Hasskommentaren stehen lässt, selbst wenn darin gefordert wird, anderen Menschen die Hälse durchzuschneiden. 

 

Die komplette Bachelorarbeit von Bastian Rosenzweig gibt es bei Das NETTZ zum Download

 

Autor 

Portrait Bastian Rosenzweig
Bastian Rosenzweig
Bastian Rosenzweig studiert an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Philosophie im Master. Zuvor absolvierte er ein Bachelorstudium in Kommunikationswissenschaft, Philosophie und Soziologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, in dessen Rahmen er sich mit Online Hate Speech beschäftigte.

Twitter: @bastianrosen2g

 

 

 

 

 

Mittwoch, 29. Januar 2020

Wahlplakate from Hell: Hamburger Bürgerschaftswahl 2020 + Bonus

Der Klassiker ist zurück! 

Nachdem ich im Europawahlkampf 2014, bei der Hamburger und der Bremer Bürgerschaftswahlen 2015, bei den Landtagswahlen im März und September 2016 sowie den Landtagswahlen 2017, der letzten Bundestagswahl 2017, bei den Europa- und Kommunalwahlen 2019 und den Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen & Thüringen 2020 die schönsten "Wahlplakate from Hell" präsentiert habe, konnte ich eurem Wunsch nicht widerstehen und habe auch wieder zur Hamburger Bürgerschaftswahl (23.02.2020) einige schöne Motive drüben bei Twitter und Facebook zusammengetragen.

Hier nun alle auf einen Blick:

Hamburger Bürgerschaftswahl (#hhwahl)


"Nele" Cornelia Bruns, FDP

Martina Koeppen, SPD

Anna Gallina, Bündnis 90/Die Grünen

Philipp Heißner, CDU

Arne Nüchterlein, CDU

Marcus Weinberg, CDU

Simon Kuchinke, SPD

Dr. Aubrey de Grey, Partei für Gesundheitsforschung

Partei für Gesundheitsforschung

Sebastian Bollien, ödp

ödp Hamburg

ödp Hamburg

 

Bonustracks 


Junge Union Mettenheim

CSU München

Jörg Volleth, CSU 

Max Josef Schröck, CSU

Ulrike Streng, CSU

Alfred Stuiber, FDP

Alfred Stuiber, FDP

Walter Franz jun., FDP FWG

Harald Ettel, FDP (Coburg)

Gerd Fink, Pro Augsburg

Jonas Merzbacher, SPD

Freie Wähler Pfaffenhofen

FDP Fürstenried-West

Bamberger - Bürger - Block 

ödp München

Generation Aux e.V. 

Demokratie in Bewegung & polit.wg Augsburg

Demokratie in Bewegung & polit.wg Augsburg

Grüne Augsburg

Zukunft Passau

Jusos Augsburg

Thomas Geisel, SPD

Cornelia Büchi, SVP