Mittwoch, 12. März 2014

Klassische Fehler in der politischen Onlinekommunikation

Täglich stolpere ich auf den Webseiten und Social-Media-Angeboten von Politikern über immer dieselben kleinen Fehler. Ich dachte sowas passiert im Jahr 2014 nicht mehr. Deshalb habe ich mal ein paar klassische Fehler zusammengetragen.

Bundesarchiv, Bild 183-1985-0104-003 / Hirndorf, Heinz / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons
Null-Fehler-Produktion beim VEB Bekleidungswerke Erfurt
Um zu verdeutlichen was ich meine, präsentiere ich einige Beispiele. Diese stehen exemplarisch für das, was ich kritisiere. Ich möchte keinen der hier genannten Politiker vorführen. Diese Fehler gibt es genau so auch bei vielen anderen Politikern auf EU-, Bundes-, Landes- und auf der Kommunalebene. Ach ja: Es ist auch Zufall das viele Beispiele aus Niedersachsen kommen ;)   






1. Die Social-Media-Profile sind auf der der Webseite versteckt oder werden gar nicht angezeigt


Webseite von MdHB Ole Thorben Buschhüter (SPD)
Quasi der Klassiker. Politiker sind zwar im Web 2.0 unterwegs, verraten es aber Ihren Wählern nicht. Auch wenn immer weniger Bürger die Webseiten von Politikern und Parteien als Informationsquelle direkt ansteuern, gehören natürlich die Verweise auf die Auftritte in den sozialen Netzwerken auf die Webseite. So erhöht man die Reichweite der eigenen Accounts und bietet weitere Dialogangebote im Netz. 





2. Die Social-Media-Profile werden seit Monaten und Jahren nicht mehr bespielt, sind aber trotzdem weiter online


Screenshot
Twitter-Account von Sigmar Gabriel (SPD)
Klar, das war damals der neue heiße Scheiß und der Wahlkampfberater hat gesagt: Musst Du machen, der Obama hat damit auch seine Wahl gewonnen. Ok, dann haben Sie sich also hingesetzt und ein paar Wochen pflichtbewusst bis zur Wahl getwittert. Nach der Wahl aber ganz schnell vergessen, dass das ja der neue heiße Scheiß ist.

Nun gibt es zwar weiterhin den Account, aber leider keinen Dialog und auch keine Tweets mehr. Seien Sie ehrlich zu sich und mutig und löschen Sie den Account. Wenn Sie keinen Nutzen in der Kommunikation sehen, keine Zeit mehr dafür haben oder es Ihnen auch keinen Spaß mehr macht ist es nicht verboten Accounts auch wieder zu löschen.  

Screenshot
Facebook-Fanseite von MdL Sylvia Bruns (FDP)
Löschen ist besser als den Account im inaktiven Zustand im Netz verhungern zu lassen. Bürger haben es nämlich gar nicht gerne wenn sie schon mal aktiv in Kontakt zu einem Politiker treten dann aber keine Antwort erhalten. 

Weitere Beispiele:
Facebookseite MdL Sabine Tippelt (SPD) Facebookseite MdL Karl-Heinz Hausmann (SPD)
Twitter-Account MdL Jörg Hilmer (CDU)
Twitter-Account MdL Dr. Silke Lesemann (SPD) 
Twitter-Account MdL Markus Brinkmann (SPD)

3. Die Social-Media-Profile werden auf der Webseite angezeigt, sind aber nur sinnfreie Platzhalter


Ich finde es sehr gut, dass die meisten Landespolitiker eigene Webseiten mit eigenen personaliserten Domains haben. Und noch besser finde ich, dass es dank der standardiserten Partei-Templates sehr einfach ist eine eigene Webseite einzurichten.
Screenshot
Webseite MdL Klaus Krumfuß (CDU)

Nicht so gelungen finde ich es allerdings, wenn man einfach das Template 1:1 übernimmt und nicht an die eigenen Bedürfnisse anpasst. So passiert es nicht selten, das zwar Social-Media-Accounts prominent angezeigt werden, aber der Politiker Social Media gar nicht nutzt und die Links hinter den Buttons einfach auf www.facebook.com, www.xing.de oder www.twitter.com geleitet werden. Da fühlt mas sich als Bürger schon ein wenig verschaukelt.

Weitere Beispiele:
Webseite von MdL Gudrun Pieper (CDU)
Webseite von MdL Bernd Busemann (CDU)


4. Die Webseite ist seit Monaten nicht mehr aktualisiert wurden


Die Webseite ist das "digitale Wohnzimmer" jedes Politikers. Ebenso wie das Bürgerbüro ist es eine Visitenkarte die die Arbeit und die Positionen des Politikers vermittelt. Besser: Vermitteln soll.

Screenshot
Webseite MdL Lothar Koch (CDU)
Leider besuche ich ziemlich oft Webseiten, die dies nicht tun. Zum einen fehlen viele Informationen oder die letzte Meldung ist über ein halbes Jahr alt. Kann ja sein, dass im Leben des Politikers in den vergangenen Monaten nichts passiert ist, aber das glaube ich nicht. Es gibt immer etwas wichtiges zu kommunizieren.

Aktualität ist eine der wichtigsten Kategorien für eine Politikerwebseite - nicht nur wegen des Google-PageRanks.

Weiteres Beispiel: Die Webseite von MdL Karl-Heinz Klare (CDU) ist schon seit über einem Jahr "Under Construction". 


5. Die Social-Media-Accounts auf der Webseite sind nicht mehr aktuell


Kann passieren, ist aber nicht sehr glücklich. Politiker weisen auf ein aktuelles Video auf Ihrer Webseite hin. Und wenn man dann den Play-Knopf drückt erfährt man, dass es dieses Video nicht mehr gibt oder das es privat ist.

Screenshot
Webseite MdL Björn Thümler (CDU)
Überprüfen Sie aller paar Monate Ihre Verlinkungen gerade bei eingebetteten Videos können öfter Veränderungen durch Externe dazu führen, dass das Video nicht mehr abrufbar ist. In solchen Fällen Video austauschen oder Beitrag löschen. Dies gilt aber auch für alle anderen Links auf Ihrer Webseite und die verlinkten Social-Media-Angebote.

Update: Zwei Tage nach dem Blogpost hat Björn Thümler das Video wieder für die Öffentlichkeit freigegeben. Bloggen wirkt ;)



.

6. Skurille Webseiten


Screenshot
Webseite MdL Andrea Milz (CDU)
Jeder Politiker braucht ein persönliche Note. Und jeder Politiker hat seinen eigenen Charkter. Dieser spiegelt sich dann auch oft auf den Webseiten der Abgeordneten wieder. Das ist auch gut so. 

Aber wenn eine Webseite so gestaltet ist, dass man aufgrund des verfremdeten Parteilogos nicht mehr genau sagen kann ob das jetzt eine offizielle Webseite ist oder ein Satire-Projekt sollte man doch wieder zu einem etwas seriöseren Anstrich wechseln.





7. Die Social Media-Profile sind auf der Webseite falsch verlinkt 


Als Ergänzung zu Fehler 3 gibt es auch noch Webseiten die zwar schöne Deep Links zu Ihren Social-Media-Profilen gesetzt haben - leider zu den falschen Personen.

Webseite MdL Lutz Winkelmann (CDU)
So führt der XING-Link auf der Webseite von MdL Lutz Winkelmann (CDU) zu einer jungen Dame mit dem wunderbaren Namen Jasmin Kabus-Bardoux. Vielleicht gibt es ja eine überraschende und schöne Aufklärung für diese ungewöhnliche Verlinkung. Mich als Informationen suchenden Bürger verwirrt dies an der Stelle aber ein wenig.

Update: Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Postings hat MdL Lutz Winkelmann den falschen Link entfernt und eine neue Webseite gelauncht.





8. Falsche Benennung der Social-Media-Profile


Facebook-Account MdL Thomas Schremmer (Grüne)
Für ihre Namen können Politiker nichts. Aber für die Benennung Ihrer Accounts schon.

Viele Politiker haben gängige Spitznamen ("Joschka"), die sie auch in der politischen Kommunikation verwenden. Bei der Piratenpartei gehört es sogar fast zum guten Ton mit seinem Crew-Namen auch im politischen Alltag aufzutreten. Dies macht das Auffinden der Politiker z.B. in sozialen Netzwerken aber nicht unbedingt einfacher.

MdL Thomas Schremmer (Grüne) findet man bei Facebook zum Beispiel nicht, wenn man nicht weiß, dass er sich dort mit Doppel Z schreibt. 

Verwenden Sie also möglichst einen Namen, der dann so auch auf allen Kommunikationskanälen verwendet wird.

Screenshot
Youtube-Account MdL Clemens Große Macke (CDU)
Und wenn Sie einen Namen haben der zum Spott einlädt, passen Sie auf, dass Sie diesen Spott nicht auch noch fördern, wie das Beispiel von MdL "Clemens große Macke" zeigt. 



  




9. Fehlende Hinweise auf andere Social-Media-Angebote in den eigenen Social-Media-Accounts


Viele Politiker verschenken einiges an Potential in dem sie bei Ihren Social-Media-Accounts nicht auf die anderen Profile im Netz verweisen. Meistens bieten die Netzwerke eine Info-Seite an, auf der man auch auf andere Netwzerke verweisen kann. So erhöht man die Aufmerksamkeit für die anderen Kanäle und erspart Bürgern lange eigene Recherchen. Zudem kann man mit einer Verlinkung auch die Echtheit der Accounts bestätigen.


Habe ich einen klassischen #Fail vergessen?

Anmerkung: Angeregt durch diesen Blogpost hat Frank Bergmann eine umfassende Präsentation mit den wichtigsten Hinweisen für eine gute Politikerwebseite gebastelt und Webentwickler Sven Przepiorka ebenfalls einige sehr richtige und wichtige Empfehlungen zusammengetragen.


Bildernachweise:
Bundesarchiv, Bild 183-1985-0104-003 / Hirndorf, Heinz / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de via Wikimedia Commons.

Kommentare:

  1. Nicht zu vergessen, die zahlreichen Fails im inh. Bereich... Reine PR, Anbiederei an Digital Natives, Selbstdarsteller (z.B. aktuelle Selfie-Schwemme auf der Cebit), etc.
    Ganz zu schweigen von jurist. Fails. Fehlendes Impressum, fehlende Quellangaben etc.

    AntwortenLöschen
  2. Content-Fails gehen mir hier ein wenig ab. z.B. "Social Media Profile nur als "Verbreitungskanal" von Presseaussendungen nutzen"....

    Ansonten kann ich dem nur zustimmen!

    LG

    Ingrid

    AntwortenLöschen
  3. Lieber Anonym, liebe Ingrid,

    vielen Dank für eure Anmerkungen.
    Ganz richtig: Inhaltliche und rechtliche Fehler habe ich mir für weitere Postings aufgehoben ;)

    Fehlendes Impressum ist quasi auch so ein Klassiker.

    Danke!

    AntwortenLöschen
  4. Mich nerven mangelnde Rechtschreibkenntnisse.
    Kleine Anmerkung: Spott kommt von spotten. Den Spot sieht man im Fernsehen.
    Nichts für ungut.

    AntwortenLöschen
  5. Habe mir gerade die Webseite von Andrea Milz angeschaut. Das ist ja der Wahnsinn, dass es so etwas noch gibt :D
    Danke für die Lacher!

    AntwortenLöschen
  6. Ein #Fail der fehlt: nicht jeder braucht ein Youtube-Vorstellungsvideo... http://www.youtube.com/watch?v=42Gt4pIlUlI

    AntwortenLöschen