Dienstag, 23. Juni 2015

#followerpower in der Politik – Wie man die eigenen Fans & Follower mobilisiert

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Ein Blog goes Papier. Im Magazin "politik & kommunikation" gibts meine Postings auch als Kolumne und auf Totholz. Der Schwerpunkt der zweiten Ausgabe 2015 ist "Macht". Meine Kolumne zum Thema #followerpower - Wie die Politik die "Macht" des Schwarms nutzen kann.

Hier das Cross-Posting dieser Kolumne. 

Welcher Politiker kennt das nicht. Wenige Monate vor der Wahl hofft man darauf, dass sich wieder ein paar ehrenamtliche Kräfte aus der Partei, engagierte Jungpolitiker oder sogar die eigene Familie motivieren lassen, um im Wahlkampf tatkräftig mitzudenken und vor allem anzufassen. Spätestens jetzt merkt mancher: Mein Team ist kleiner, als ich dachte. Oft liegt das daran, dass man Sympathisanten zu wenig an sich gebunden hat.

Samuel Fink
Klassisches Wahlkampfteam (Quelle: Samuel Fink)
Ehrenamtler dauerhaft für sich und die politische Arbeit zu begeistern – besonders jetzt, wo sich viele ohnehin nicht mehr an eine Partei binden mögen – ist keine einfache Aufgabe. Dabei bilden aktive Unterstützer und Sympathisanten die Machtbasis im Wahlkreis – off- wie online. Soziale Netzwerke können helfen, diesen Kreis aufzubauen, zu organisieren, dauerhaft an sich zu binden und sogar im richtigen Moment für sich zu mobilisieren Aus meiner Sicht ist die kontinuierliche Unterstützung im politischen Alltag zudem wertvoller, als ein paar helfende Hände kurz vor der Wahl.

Dialog ist alles


Screenshot Facebook-Frage
Best Practice Dialog Dr. Peter Tauber (CDU)
Langsam setzt sich auch in der Politik die eigentliche Idee hinter Social Media durch: Es geht nicht vor allem darum, Informationen zu senden, sondern darum, niedrigschwellig Dialoge zu führen, erreichbar zu sein und Feedback aktiv einzufordern. Darin liegt meines Erachtens das größte Potential für die politische Arbeit. Hierfür müssen Politiker aber bereit sein, sich auch öffentlich kritisieren zu lassen, Machtverlust hinzunehmen und Zeit für den Austausch zu reservieren. Wer dazu weder Lust noch Motivation hat, der kann auf #followerpower nicht zurückgreifen. Dem würde ich von der Nutzung sozialer Netzwerke sogar abraten. 

Das Hashtag


Gefühlt gehört #followerpower zu den ersten und verbreitetesten Hashtags bei Twitter. Dahinter steckt die Idee, dass man die Schwarmintelligenz seiner eigenen Follower und der gesamten Twitter-Community nutzt. Dafür fügt man einem Tweet das Hashtag #followerpower hinzu. Das zeigt den Lesern, dass man um Unterstützung bittet, zudem motiviert es so, sein Feedback zu äußern, direkt und unkompliziert, ohne inhaltliche oder formelle Schranken.

Politiker können alles erfragen, was sie der Twitter-Gemeinde zutrauen: Ideen, konkrete Beispiele oder Best Practice, Studien oder Experten, Probleme aus dem Wahlkreis, Feedback zu aktuellen Diskussionen, alte Zitate von Philosophen oder politischen Gegnern, spannende Veranstaltungen, Restaurants, Ansprechpartner in einer fremden Stadt, technische Fragestellungen und natürlich auch Hilfe beim Ausbau der Community, in der Art: 
„Nur noch 3 Follower bis 3333, wer macht die Schnapszahl voll? #followerpower“. 
Mittlerweile haben sich Hashtags allgemein und auch #followerpower in allen anderen dialogorientieren Netzwerken etabliert, bei Facebook etwa, Instagram oder Google+. Am besten funktioniert diese Art der digitalen Wissensvermehrung und Meinungsbildung aber weiterhin bei Twitter.

#followerpower-Tweet Malte Spitz (Grüne)
Auch wenn die genutzten Netzwerke immer nur ein Ausschnitt aus der Gesellschaft darstellen, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man mit seiner Frage mindestens einen Experten genau zum  Thema erreicht. Und jeder, der schon einmal von #followerpower profitiert hat, wird gerne mit Sachverstand weiterhelfen.

Wenn Politiker auf #followerpower setzen bedeutet das aber auch: Sie sollten selbst offen sein, zu antworten. Damit werden sie sicher viele positiv überraschen, denn kaum ein Bürger erwartet eine Antwort von einem Politiker. Zudem erreicht er so eine perfekte Zielgruppe: Nutzer, die sich gerade mit seinen Themen auseinandersetzen.

Followerpower ist die kleine Schwester der klassischen Meinungsumfrage. Schneller und kostengünstiger als auf Twitter können Politiker sich nirgendwo sonst eine Meinung zu aktuellen Diskussionen und Positionen einholen. Oftmals entscheidet im politischen Alltag ja neben dem Sachverstand auch das Bauchgefühl; die eigene Crowd (Followerschaft) hilft, Argumente zu testen und ein Gefühl für Stimmungen und Meinungen zu erhalten.
   

Best Practice in Schwaben


Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer lebt bereits #followerpower. Innerhalb von wenigen Tagen befragte das grüne Stadtoberhaupt seine Bürger zu so unterschiedlichen Themen wie: Wie findet Ihr Sexismus? Gibt es zu wenige rauchfreie Kneipen in Tübingen? Wollen Deutsche weg vom Auto? Wie gefallen euch die neuen Graffitis?

Screenshot Facebook
#followerpower bei Boris Palmer (Grüne)
Fast zu jeder Frage gab es unzählige Kommentare, Argumente und Gegenargumenteoft sehr konstruktiv. Am Ende jeder Diskussion hatte der Oberbürgermeister somit ein klareres Bild zu den Fragen, die ihn bewegen. Und er erreichte noch etwas: Durch die Beteiligung der Bürger wurden die Postings durch Likes, Shares und Kommentare in die Timelines der Freunde seiner Facebook-Freunde getragen. So erfuhren auch jene Bürger von seinen Fragen, die gar nicht mit Boris Palmer befreundet sind und die sich auch nicht mit Politik beschäftigen wollen. Gut möglich, dass sie sich so trotzdem eine Meinung bildeten und sich an der Diskussion beteiligten. Damit steigert Palmer mit seinen Fragen auch das Interesse an Kommunalpolitik und bindet mit dem ehrlichen und offenen Interesse die Bürger direkt an sich.

Diese Community hilft ihm nicht nur im Wahlkampf, sondern auch bei aktuellen Debatten: Durch das aufgebaute Vertrauen und die persönliche Nähe kann er seine Facebook-Freunde bei öffentlichen Debatten schnell und zielgerichtet mobilisieren, damit sie sich in seinem Sinne einsetzen – als Leserbriefschreiber, Kommentator, bei Bürgerbeteiligungsformaten oder im persönlichen Gespräch mit dem Nachbarn. Ein unschätzbarer Wert.

Eine langfristige aufgebaute und gepflegte digitale Community ist in meinen Augen wichtiger als ein paar Freiwillige, die im Wahlkampf Plakate aufhängen. Denn kontinuierlich eingebundene, ernst genommene und überzeugte Bürger überzeugen wiederum andere Bürger – stärker als es jedes Plakat kann.

Leben Sie #followerpower und hören Sie in Ihre Community hinein. Ihr Horizont wird breiter, ihr Wissen wird größer, sie sparen Zeit und Geld und am Ende der Legislatur haben sie auch noch viele Menschen mit wenig Aufwand direkt erreicht. Es lohnt sich!


Wie sehen Sie das? #followerpower 

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Danke fürs Lob lieber Sebastian. Ich hoffe nur er erreicht auch die richtigen Leser ;)

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