Donnerstag, 7. Juli 2016

Antworten Bundestagsabgeordnete auf Facebook-Anfragen? - Ein Test!

Dies ist ein Gastbeitrag von Hans Hirsch, er studiert Staatswissenschaften an der Universität Passau und schreibt aktuell an seiner Bachelorarbeit. Seine Erfahrungen mit Facebook-Anfragen an Bundestagsabgeordnete hat er für das Blog hier zusammengefasst.

© Jorge Royan / http://www.royan.com.ar, via Wikimedia Commons
Deutscher Bundestag (© Jorge Royan)
Viel wird über die Online-Kommunikation von Politikern gesprochen und wie sie genutzt werden kann, um interessierte Bürger und potenzielle Wähler zu erreichen. Doch „was passiert eigentlich, wenn ich einen Bundestagsabgeordneten einfach bei Facebook anschreibe?“, diese Frage beschäftigte mich, als ich abends vor dem Laptop saß.

Am Montag, den 06.Juni 2016 sendete ich, von meinem privaten Facebook-Account, 39 Abgeordneten des Deutschen Bundestages folgende Frage:
„Guten Abend, denken Sie, das Integrationsgesetz wird ausreichen, um Flüchtlinge in Deutschland zu integrieren?“
Die Auswahl der Abgeordneten erfolgte dabei nach keinem festgelegten Muster, Parteizugehörigkeit oder Einstellung zum Thema

Auf meine Frage bekam ich innerhalb von einer Woche 19 Antworten. Dies entspricht einer Antwortquote von ca. 48%. 

Innerhalb dieser Gruppe ergab sich, bei der Zeit innerhalb der die Antwort erfolgte, folgendes Bild: 

Antwortverhalten



Säulendiagram via infogr.am
Reaktionszeit der Bundestagsabgeordneten
Die Antworten erfolgten zügig, unterschieden sich jedoch in ihrem Umfang und Qualität. Als Negativbeispiele sind nur zwei Nachrichten (eine davon erfolgte als Auto-Response) zu sehen. Es wurde gebeten sich bei Fragen, per Mail oder telefonisch, an die angegebene Adresse /Telefonnummer zu wenden. Die Möglichkeit seine Fragen zu stellen, wird somit auf die üblichen Kanäle begrenzt und erschwert die Kommunikation zwischen Abgeordneten und Bürgern. Die Präferenz des Nutzers wird dabei außer Acht gelassen und legt Menschen, die hauptsächlich über Facebook kommunizieren wollen, eine Hürde in den Weg. Ein Austausch wird so erschwert oder gar verhindert.

Die restlichen Reaktionen waren durchweg positiv. Manche Antworten waren kurz und knackig, andere sehr ausführlich. Zehn der Antworten beschränkten sich auf wenige Sätze, von denen vier mit weiterführenden Links zu den jeweiligen Positionen der Partei oder des Abgeordneten versehen waren. Die Antworten enthielten meistens ein kurzes Statement: „Ja, ich denke das Gesetz ist gut, weil.“, „Nein das Gesetz reicht nicht aus, weil…“, gefolgt von einer Begründung oder der jeweiligen Position. 

Screenshot Facebook
Antwort MdB Saskia Esken (SPD)
Die anderen sieben Antworten waren ausführlicher und legten detailliert den jeweiligen Standpunkt des Politikers oder seiner Partei dar. Dabei wurden generelle Anmerkungen zum Thema Integration gemacht, genauso wie konkrete Veränderungswünsche und Hintergründe zur Gesetzgebung geliefert.


BEST PRACTICE

Screenshot Facebook
Antwort MdB Lars Klingbeil (SPD)
Unter den erhaltenen Antworten stach die Nachricht von Lars Klingbeil (SPD) positiv hervor. Die Ansprache wirkt freundlich, persönlich und ungezwungen. Außerdem hatte ich nicht das Gefühl, dass die Antwort aus vorgefertigten Antwortbausteinen zusammengesetzt wurde und persönlich, nicht von einem Mitarbeiter, verfasst wurde. Dabei wird vom normalen Politiker-Sprech abgewichen („Moin“, „Bester Gruß. Lk“ und somit die Distanz zwischen Bürger und Politiker abgebaut.

Besonderes Augenmerk sollte jedoch auf die Nachfrage nach der eigenen Meinung („Was denken Sie?“) oder Vorschläge („Hinweise sind noch willkommen“) gelegt werden. Die Nachricht enthält somit nicht nur eine Meinung, sondern signalisiert Dialogbereitschaft und ein offenes Ohr für die Anmerkungen oder Kritik der Bürger. Dieses Element habe ich bei anderen Antworten vermisst und würde mir wünschen, dass sich diese einseitige Kommunikation, mehr in einen Dialog entwickeln würde.

Fazit


Screenshot Facebook
Auto-Response-Antwort MdB Dennis Rohde (SPD)
Insgesamt blieben mehr als die Hälfte der Fragen unbeantwortet. Wünschenswert wäre natürlich ein anderes Ergebnis gewesen. Meiner Meinung nach bieten Facebook-Chats eine Möglichkeit, zur schnellen und unkomplizierten Kontaktaufnahme. Damit sich die Facebook-Kommunikation nicht auf das bloße Teilen und Kommentieren von Inhalten beschränkt, sollten Anfragen neben dem üblichen E-Mail- oder Telefonverkehr, auch über Facebook-Nachrichten beantwortet werden. 

Screenshot Facebook
Lange Antwort MdB Patrick Schnieder (CDU)
Der Austausch zwischen Politikern und Bürgern kann dadurch erleichtert werden und helfen Distanz abzubauen. Die Chatfunktion ist dabei wesentlich persönlicher und vertrauter, als ein gesichtsloser E-Mail-Kontakt.

Politiker und Parteien sollten versuchen ihre Zielgruppe (besonders jüngere Menschen), in ihrem gewohnten Kommunikationsumfeld abzuholen, um dort mit ihnen in einen Dialog zu treten. Der Austausch von Nachrichten über Facebook kann ein Baustein sein, diesen Dialog zu führen und zu fördern. Insbesondere im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl, würde ich mir diesen verstärkten Austausch zwischen Politikern und Bürgern wünschen


Tool-Hinweis: 

Das Tool SocialHub Smart Inbox von SocialHub bietet eine Möglichkeit, Anfragen von den gängigen Social-Media-Kanälen (Facebook, Twitter, YouTube, Instagram) in einer Inbox zu vereinen. Von dort aus können die eingegangen Anfragen, mit Hilfe eines Ticket-Systems, bearbeitet und freigegeben werden.


Autor
Hans Hirsch
Hans Hirsch, studiert Staatswissenschaften an der Universität Passau und schreibt aktuell an seiner Bachelorarbeit beim Bundesverband Medizinische Versorgungszentren – Gesundheitszentren – Integrierte Versorgung e.V. Außerdem arbeitet er bei ADVERB – Agentur für Verbandskommunikation im Bereich Social-Media.

Kontakt:
Email: hirsch.hans92@gmail.com 
Twitter: @hHirsch92

Fotonachweis:  Deutscher Bundestag © Jorge Royan / http://www.royan.com.ar, via Wikimedia Commons CC-BY-SA-3.0

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