Mittwoch, 22. Mai 2013

Katharina Wolff: Meine Erfahrungen als „Newbie“ in der Hamburgischen Bürgerschaft

Seit 2011 sitzt Katharina Wolff als jüngstes Mitglied der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft. Die Hälfte der Legislaturperiode ist rum, Zeit einmal zurückzublicken auf die ersten Erfahrungen als Neuparlamentarierin. Dies ist ein Gastbeitrag von Katharina Wolff.


Katharina Wolff vor dem Hamburger Rathaus, 
Sitz von Parlament und Regierung
Der Start in mein Abgeordnetendasein als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft begann zunächst mit einer großen Ernüchterung. Monatelang hatte ich auf den Wahlabend hingearbeitet, hatte mir bei Wind und Wetter am Infotisch die Beine in den Bauch gestanden. Hatte Plakate geklebt, Flyer verteilt, zahllose Bürgergespräche geführt und jedem potentiellen Wähler aus meinem Wahlkreis gefühlt mindestens dreimal persönlich die Hand geschüttelt. Dann kam endlich der lang ersehnte Tag der Wahl, der Tag der Entscheidung, an dem sich herausstellen sollte, ob sich all die Mühen am Ende ausgezahlt haben sollten. Und dann ... dann kam erstmal nichts. Zwar wurde am Abend der Bürgerschaftswahl die Verteilung der Sitze je Partei bekannt gegeben, für Wahlkreiskandidaten wie mich, begann jetzt aber erstmal eine Zeit des Wartens. Dem neuen Wahlrecht und seinen Möglichkeiten zum Panaschieren und Kumulieren sei dank, dauerte das Auszählen der Stimmen so lange, dass ich erst drei Tage später herausfinden konnte, dass ich in die Bürgerschaft eingezogen war. Ich weiß nicht mehr wie häufig ich die Internetseite des Statistikamtes Nord angewählt habe, bis da endlich die erlösende Nachricht erschien, dass es geklappt hatte.

Der Einzug in die Hamburgische Bürgerschaft und damit verbunden die Tatsache die Menschen aus meinem WahlkreisHarvestehude/Rotherbaum/Hoheluft-West die nächsten vier Jahre parlamentarisch repräsentieren zu dürfen, war für mich dann das Erreichen eines großen Zieles und ein stückweit auch die Erfüllung eines Traums. Endlich durfte ich da mitreden und mitgestalten, wo die großen und wichtigen Entscheidungen für Hamburg und die fast zwei Millionen Menschen in unserer Stadt getroffen werden.

Dass mein Einzug in die Bürgerschaft für mich persönlich eine Herausforderung darstellen würde, war mir dabei von vorneherein klar. Ich wusste, dass ich als „nur“ 27 jährige Frau unter besonderer Beobachtung stehen würde. Das hatte für mich zunächst durchaus positive Auswirkungen: Für die Presse war ich ein gern gesehenes Motiv, dies umso mehr, da ich mit meiner Vergangenheit als Sängerin schon einen gewissen Bekanntheitsgrad bei den Medien hatte. 

 
 

Über mangelnde Aufmerksamkeit von Seiten der Öffentlichkeit konnte ich mich so also zunächst nicht beklagen. 

Schwieriger war da schon der Start in die parlamentarische Arbeit selber. Auch Kolleginnen und Kollegen anderer Parteien waren wie ich darüber überrascht, wie wenig „Starthilfe“ von Seiten der Bürgerschaftskanzlei dabei uns neuen Abgeordneten an die Hand gegeben wurde. Man mag es glauben oder nicht, die Bürgerschaft bietet zwar regelmäßig Führungen für Touristen und Besucher an, für uns neue Abgeordnete gab es aber keine Einweisung, wo was zu finden ist. Natürlich kann man sich das alles sehr schnell selbst erschließen, aber als junge Abgeordnete kommt man sich am Anfang schon manchmal etwas hilflos vor, wenn man durch das große und großartige Hamburger Rathaus irrend nach dem richtigen Sitzungssaal sucht.


Katharina Wolff im Plenarsaal der Bürgerschaft
Auch die parlamentarischen Spielregeln sind am Anfang zum Teil etwas gewöhnungsbedürftig gewesen. Ich glaube, dass alle, die ein parlamentarisches Mandat anstreben vor allem eines machen wollen, nämlich anpacken und eigene Ideen und Vorschläge umsetzen. Dieser Eifer prallt dann aber sehr schnell auf die bändigende Macht der Tagesordnungen von Ausschuss-, Fraktions- und Bürgerschaftssitzungen. Dass die Rednerlisten manchmal doch nicht nach der Größe der Fraktionen abgearbeitet werden, dass man unter „Verschiedenes“ nichts inhaltliches oder thematisches mehr sagen darf, daran muss man sich erst gewöhnen.

Auch wie ich die Mitarbeiterpauschale von 2.600 € verwenden darf, ob ich sie z.B. aufsplitten oder nur an eine Person vergeben darf und wie genau das mit den Verträgen geht wurde nur semi-gut erklärt. Immerhin gibt es vorgefertigte Verträge und es wird einem gesagt wo man sie findet. Und am wichtigsten: Man wird tatsächlich sofort darüber belehrt, dass man keine Verwandten (bis zum 2. Grad) und keine Lebenspartner einstellen darf. Ist also etwas transparenter als in Bayern. 

Abgeordnete sein, heißt also learning by doing.


Katharina Wolff am Rednerpult
Wann darf man Zwischenfragen während einer Rede stellen und geht das von der eigenen Redezeit ab? Welche parlamentarischen Instrumente stehen einem als Abgeordneten eigentlich zur Verfügung? Wie unterscheidet sich beispielsweise eine Schriftliche Kleine Anfrage (SKA) von einer Großen Anfrage (GA) und wie lange hat der Senat Zeit darauf zu antworten? Auch die Frage, welche Gelder einem für das eigene Abgeordnetenbüro zur Verfügung stehen, wofür man die Abgeordnetenpauschale verwenden darf und dass einem beim unentschuldigten Fehlen bei einem Ausschuss gleich das Sitzungsgeld gekürzt wird, sind Dinge die man am Anfang erst lernen muss.

An der einen oder anderen Stelle hätte ich mir gewünscht, dass mir am Anfang mehr Informationen zur Verfügung gestanden hätten. Ich glaube aber, dass die Tatsache als Abgeordnete oder Abgeordneter neu in ein Parlament eingezogen zu sein, so überwältigend ist, dass damit immer auch der Beginn einer Entdeckungsreise verbunden ist, um sich als Mitglied in diese so wichtige und großartige Institution einzufinden.

Ich bin jeden Tag für die vielen Menschen dankbar, die mich dabei unterstützt haben. Meine Kollegen in der Fraktion, aber vor allem aber auch die vielen Mitarbeiter der Fraktion und der Bürgerschaftskanzlei, waren unglaublich hilfsbereit. So hatte ich dann doch, wenn auch nicht ganz von alleine, die nötige Hilfestellung, um mich zurechtzufinden, um dann doch recht schnell mit der inhaltlichen Arbeit beginnen zu können. Dafür habe ich mich schließlich wählen lassen. 


Die Autorin
Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft
MdHB Katharina Wolff (CDU)
Katharina Wolff hat Rechtswissenschaften in Hamburg studiert und ihr Studium als Diplom Juristin 2009 abgeschlossen.

Seit 2010 ist Frau Wolff Mitglied des Bundesvorstands der Jungen Union Deutschlands und sitzt seit Februar 2011 für die CDU als Wahlkreisabgeordnete in der Hamburgischen Bürgerschaft. Hier ist sie Sprecherin für Gleichstellung und Netzpolitik.

Beruflich ist Frau Wolff seit Anfang 2010 Gründungsgesellschafterin und Managing Director von der, auf den Onlinemarkt spezialisierten, Personalberatung Premium Consultants GmbH und hat die Beteiligungsgesellschaft Wolff Ventures GmbH gegründet, mit der sie junge Startups als Business Angel unterstützt.





Kommentare:

  1. schade, dass man der dame so unkommnetiert eine plattform bietet.

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  2. Liebe Maike,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.
    Grundidee eines GASTBEITRAGES, der so auch mehrfach gekennzeichnet ist, ist es (nicht nur auf diesem Blog) unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen abzubilden. Wenn Sie meinen Blog öfter lesen, werden Sie wissen das ich öfter Gastblogger einlade um hier zu publizieren.

    Gerade die Einblicke in den praktischen Parlamentsalltag einer Neuparlamentariern finde ich spannend. Insbesondere als Gegensicht zu den vielen eher theoretischen Analysen die dieser Blog liefert.

    Eine Kommentierung von Gastbeiträgen ist unüblich.

    Was ist denn Ihre konkrete Kritik an dem Beitrag?

    Martin Fuchs

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