Dienstag, 23. August 2016

Nie wieder Tour-Tagebuch: Facebook Live im politischen Feldexperiment

Dies ist ein Gastbeitrag von Martin van Elten. Er hat den Online-Wahlkampf für verschiedene Gliederungen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt und seine Spitzenkandidatin 
Prof. Dr. Claudia Dalbert konzeptionell mitentwickelt. 

Am Anfang jeden Wahlkampfs steht die Entwicklung neuer Formate



Grün für Mensch und Tier
Wahlplakat Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt
Grundsätzlich stehen alle Parteien zu Beginn eines Wahlkampfs vor der Herausforderung neue Formate zu finden, die Wählerinnen und Wähler ansprechen. Dies ist einerseits genauso verständlich, schließlich will man den Menschen vergegenwärtigen, dass der Wahlkampf begonnen hat, wie falsch, da es sehr schwierig ist neue Formate noch während eines Wahlkampfs zu etablieren. Für die grüne Spitzenkandidatin Claudia Dalbert galt es ein zu ihrer Person passendes Konzept für den Wahlkampf zu entwerfen. Dabei hatte jeder Kanal einen Mehrwert: Auf Instagram gab es Einblick auf eher Privates (#Throwbackthursday), auf Twitter wurde man in Echtzeit mit durch den Wahlkampf genommen und auf Facebook gab es neben einer Sharepic-Wahlkampagne jeden Tag ein Live-Video von ihrer Spitzenkandidatinnentour durch Sachsen-Anhalt unter der Marke #ClaudiaDirekt. Die Live-Videos entwickelten sich zu einer reichweitenstarken Alternative zu Tour-Tagebüchern in Form klassischer Blogbeiträge, die auch nach der Wahl ihren Platz in Claudia Dalberts Kommunikation gefunden haben.

Die Entwicklung von #ClaudiaDirekt



Pluragraph.de
Entwicklung Social-Media-Kanäle Prof. Dalbert // pluragraph.de
Bei der Idee Live-Videos von der Tour zu senden stellten sich einige Fragen: Zunächst die schon im Gastbeitrag zu Ministerpräsident Reiner Haseloffs Facebook-Live-Premiere diskutierte Frage, ob Facebook Live oder ein anderer Streamingdienst wie Periscope genutzt werden sollten. Die Entscheidung für Facebook Live fiel dabei schnell wie eindeutig. Zum einen verfügte Claudia Dalbert auf Facebook über eine deutlich größere Anhängerschaft (fast 3 Mal so viel Fans auf Facebook wie Follower auf Twitter) und zum anderen wirkte es so, als ob es gerade in Sachsen-Anhalt kaum eine politische Öffentlichkeit auf Twitter gebe, die nicht entweder Journalisten oder Interessierte sind, die sowieso schon parteipolitisch gebunden sind. Es schien so, dass sich auf Facebook mehr unentschlossene Wählerinnen und Wähler, vor allem über zielgruppenspezifische Werbung, erreichen ließen. So konnte über den Werbeanzeigenmanager die Zielgruppe in etwa auf das (engere) Zweitstimmenpotenzial von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen-Anhalt eingestellt werden.

Prof. Claudia Dalbert
Erstes #ClaudiaDirekt Live-Video von der #GrünTour16
#ClaudiaDirekt wurde als Marke entwickelt, die es als kurze Statements von 30-90 Sekunden und als Sprechstunde gibt. Darüber hinaus ist die Weiterentwicklung zu anderen Live-Formaten denkbar. Die Tour-Statements sind dabei Alternative zu einem klassischen Blog, der von der Tour aufgeführt wurde, aber in der Regel nur wenige Menschen erreicht. Auch beim Vergleich des Aufwands schlägt Facebook-Live das Blog: Ein Live-Video hat im Idealfall einen Aufwand von nur 5-10 Minuten und bietet den Nutzern die Möglichkeit live zu reagieren. Hier geht die Rechnung des geringen Aufwands nur auf, wenn sowieso eine Begleitperson bei Terminen dabei ist, wie etwa bei einer Wahlkampftour oder Sommertour. Ansonsten muss natürlich auch die Arbeits- und vor allem Reisezeit der Begleitperson berücksichtigt werden. So kann sich der Aufwand für ein Live-Video z.B. aus Berlin auf mehrere Stunden summieren. Kommentare gab es überraschenderweise insgesamt relativ wenige und überwiegend positive. Schnell entwickelte sich ein Stammpublikum, das sich die Videos regelmäßig live angesehen hat.

Technische Probleme gab es während der Tour nur wenige, Bildaussetzer entstanden vor allem, wenn über W-LAN gesendet wurde, das Mobilfunknetz war selbst in kleineren Orten stabil. Gelegentlich sind die Aufnahmen zu dunkel, es sollte bei der Aufnahme darauf geachtet werden, dass der Ort hell genug ist und es wenn möglich keine bzw. nur leise Hintergrundgeräusche gibt. Die anfängliche geplante Verwendung eines Mikrofons erwies sich nicht als erforderlich, teilweise wurde ein Stativ benutzt. Dieses sorgt zwar für zusätzlichen Aufwand, verbessert aber die Qualität der Aufnahmen deutlich.

Beim ersten Video gab es einige Anlaufschwierigkeiten: Es gab wegen des W-LANs Aussetzer im Video und mit 300 Aufrufen war die Reichweite eher bescheiden. Wichtig war in diesem Moment, dass am Format festgehalten wurde und sich das Format trotz der Anfangsschwierigkeiten etablieren konnte. Zielgruppe von #ClaudiaDirekt sind vor allem Parteimitglieder und Unterstützer*innen; ein Tour-Videotagebuch ist keine Massenkommunikation, sondern dient vorwiegend der Mobilisierung der eigenen Leute sowie der Information der interessierten Öffentlichkeit. Die organische Reichweite während der Tour lag zwischen 157 und 421 Aufrufen; mit 10 Euro gesponserte #ClaudiaDirekt-Videos erreichten sogar über 2000 Aufrufe. Damit erreichen die Videos höhere Reichweiten als Claudia Dalberts Webseite Zugriffe im ganzen Monat März hatte (ca. 1600 Zugriffe).

 

#ClaudiaDirekt gibt es weiter- direkt von Claudia Dalberts Arbeit der Ministerin


Prof. Claudia Dalbert
                         #ClaudiaDirekt Live-Video aus dem Bundesrat
Nach der Landtagswahl gab es weitere #ClaudiaDirekt-Videos. Überraschenderweise war die Verlosung von Claudia Dalberts Wahlkreisbüro-Kaffeemaschine Frau Limon Grün mit fast 1900 Aufrufen ein echter Quotenbringer. Sehr erfolgreich sind auch die #ClaudiaDirekt-Videos aus dem Plenum des Bundesrats, bei denen direkt über die Debatten und Abstimmungen berichtet wird. Die Reichweite ist dabei höher als im Landtagswahlkampf: Das Video aus dem Juli erreichte über 850 Aufrufe und erhielt eine Menge positiver Kommentare, die die direkte Berichterstattung lobten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Videoformate auf Facebook: Daumenkino und Imagevideos


Neben Livevideos waren vor allem die Imagevideos, aber auch das Daumenkino erfolgreich. Imagevideos sind zwar in der Produktion aufwendiger, ließen sich aber z.B. günstiger als Sharepics bewerben. Ein Video, dass die Kernaussagen des Wahlkampfauftaktes zusammenfasste, konnte für 1-2 Cent pro Aufruf (je nach Werbeanzeige) beworben werden und über mehrere zielgruppenspezifische Anzeigen mehrere Zehntausend Aufrufe erreichen. 

Als Abschlussmobilisierung wurde für den Wahltag ein kleines Daumenkino erstellt, das mit geringem Werbebudget selbst am Wahltag noch eine beachtliche Reichweite von fast 4700 Aufrufen erzielte. 
 
Dankeschön-Video Prof. Claudia Dalbert
Nach der Wahl wurde ein weiteres Dankeschön-Video für die Unterstützer*innen und Wähler*innen produziert, dass sowohl die Onlinekampagne als auch die Eindrücke aus dem Straßenwahlkampf verbindet. 

Nach Claudia Dalberts Vereidigung als Ministerin gab es ein weiteres Imagevideo, das aus einer animierten Bildershow besteht und organisch über 1600 Personen erreichte. Bildershows bieten einen guten Kompromiss zwischen statischem Content und Videos, vor allem beim Aufwand für Konzeption und Produktion. Die beiden Videos hatten zwar insgesamt einen höheren Produktionsaufwand, dieser wird aber durch den Mehrwert gerechtfertigt, den diese Videos bieten. Sie generieren eine deutlich höhere Reichweite als zum Beispiel ein vergleichbares Fotoalbum und sorgen für Abwechslung in den Formaten. 
 
Autor
 
Portrait
Martin van Elten
Martin van Elten war während des Landtagswahlkampf Praktikant von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt und arbeitet aktuell als studentischer Mitarbeiter von Prof. Dr. Claudia Dalbert. Er studiert im Masterstudiengang "Parlamentsfragen und Zivilgesellschaft" an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.








1 Kommentar:

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