Mittwoch, 16. Oktober 2013

18. Deutscher Bundestag: 95 Prozent der Abgeordneten nutzen Social Media

Quelle UdL Digital
Grafik UdL Digital
Seit gut drei Wochen ist der 18. Deutsche Bundestag gewählt. Am 22. Oktober werden die gewählten 631 Abgeordneten den neuen Bundestag konstitueren.

Bereits heute steht allerdings fest: So Social Media wie im Herbst 2013 war das deutsche Parlament noch nie. 

Anfang und Mitte des Jahres 2013 habe ich an dieser Stelle erstmals eine Bestands- aufnahme der Social-Media-Aktivitäten der Bundestagsabgeordneten präsentiert.

Kurz nach der Wahlnacht habe ich mich nun im Auftrag von UdL Digital (Ein Projekt der E-Plus Mobilfunk GmbH) hingesetzt und alle 631 Abgeordneten mit Hilfe des Social-Media-Analyse-Portals Pluragraph.de nochmals gecheckt und und deren Social-Media-Nutzung analysiert.

Dies ist ein rein quantitativer Überblick, Stand ist der 10. Oktober 2013.

95,1 Prozent der Parlamentarier nutzen Social Media


Erste zentrale Erkentnis: Insgesamt haben nun 600 Parlamentarier mindestens ein Profil in einem der großen sozialen Netzwerke Facebook, Twitter, Youtube, Flickr, Google+, XING. myspace, LinkedIn, Vimeo, Foursquare oder wer-kennt-wen.de. Dies entspricht einer Steigerung von 5,1 Prozent im Vergleich zu den Daten vom Juli 2013. Nur noch 5 Prozent aller Parlamentarier verzichten komplett auf die Nutzung des "Internet der Menschen".

Die größten Wachtumsraten verzeichneten dabei die Facebook-Fanseiten, insgesamt 12,2 Prozent mehr Fanseiten konnte ich registrieren. Hingegen gabs bei Twitter sogar ein "Negativ-Wachstum", 2 Prozent weniger Abgeordnete nutzen den Microblogging Dienst im Vergleich zum Vorwahlkampf. Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass sich Politiker nach dem Wahlkampf aus Twitter zurückgezogen haben, sondern vielmehr das unter den 231 neuen Abgeordnete viele bisher noch nicht getwittert haben. 

Social-Media-Nutzung nach Fraktionen 



Balkendiagramm
Mit 98,4 Prozent zeigen die Grünen einmal mehr, dass sie die Social-Media-Fraktion im Bundestag sind. Das relativ stärkste Wachstum haben die Abgeordneten der Sozialdemokraten mit einem Plus von 8,4 Prozent hingelegt. Aber auch in allen anderen Fraktionen ist die Nutzung von Social Media angestiegen. Am wenigsten sind Facebook, Twitter und Co bei der CDU/CSU-Fraktion verbreitet.

Anders visualisiert sieht das dann so aus:

Quelle: UdL Digital
Am 09. Oktober teilte der Bundeswahlleiter mit, dass nach der Bekanntgabe des endgültigen amtlichen Endergebnis nun überraschend 631 statt 630 Abgeordneten dem 18. Deutschen Bundestag angehören werden. Die SPD erhält ein zusätzliches Ausgleichsmandat. Da die Grafiken von UdL Digital vor der Bekanntgabe erstellt wurden beziehen sich diese auf die Zahl von 630 Abgeordneten. Alle anderen Zahlen sind aber bereits bereinigt.










Wie nutzen die Abgeordneten Facebook?

 

574 der 631 Abgeordneten haben ein eigenes Facebookprofil.
91 Pozent der Bundestagsabgeordneten sind bei Facebook angemeldet.
Dies entspricht einer Steigerung von 8 Prozent. 

394 von 631 Abgeordenten nutzen ein persönliches Profil.
62,4 Prozent der Bundestagsabgeordneten kommunizieren über private Profile.
Dies entspricht einer Steigerung von 5,5 Prozent.

391 von 631 Abgeordneten haben eine Fanseite.
62 Prozent der Bundestagsabgeordneten haben sich für die Nutzung einer Fanseite entschieden.
Dies entspricht einer Steigerung von 12,1 Prozent.

Einen Überblick über alle Facebook-Fanseiten der Bundestagsabgeordneten liefert das Social-Media-Analyse-Portal Pluragraph.de hier. 


Die aktivsten Facebook-Fraktionen sind die Linksfraktion und die SPD, knapp gefolgt von Bündnis 90/Die Grünen. Bei Grünen und Linksfraktion dominieren die privaten Profile. Die meisten Fanseiten gibts in der SPD-Fraktion.


Die Facebook-Nutzung nach Fraktionen 

 

Logo CDU/CSU-Fraktion im Bundestag
CDU/CSU-Bundestagsfraktion 

273 von 311 Abgeordneten haben ein Facebook-Profil = 87,8%
168 von 311 Abgeordneten nutzen ein persönliches Profil = 54,0%
190 von 311 Abgeordneten haben eine Fanseite = 61,1%







Logo SPD-Bundestagsfraktion SPD-Bundestagsfraktion

183 von 193 Abgeordneten haben ein Facebook-Profil = 94,8%
124 von 193 Abgeordneten nutzen ein persönliches Profil = 64,2%
133 von 193 Abgeordneten haben eine Fanseite = 68,9%




Logo Linksfraktion im Bundestag   

 Linksfraktion  

  62 von 64 Abgeordneten haben ein Facebook-Profil = 96,8 %
  48 von 64 Abgeordneten nutzen ein persönliches Profil = 75,0%
  35 von 64 Abgeordneten haben eine Fanseite = 54,7%







Logo Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag  Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion  

  58 von 63 Abgeordneten haben ein Facebook-Profil = 92,0%
  47 von 63 Abgeordneten nutzen ein persönliches Profil = 74,6%
  30 von 63 Abgeordneten haben eine Fanseite = 47,6%



Da einige Abgeordnete sowohl eine Fanseite als auch ein persönliches Profil pflegen, sind die beiden Zahlen nicht einfach summierbar. Aus diesem Grund habe ich diese Zahlen auch unabhängig von einander ausgewiesen. 

 

Durchschnittliche Fans und Follower-Anzahl



Quelle: UdL Digital
Im Durchschnitt besitzt jeder Bundestagsabgeordnete mit einer Facebook-Fanseite am Stichtag 2.781 Fans. Bei Twitter ist die Zahl fast identisch: Jeder Parlamentarier mit einem Twitter-Account hat durchschnittliche 2.308 Follower. Zum Vergleich: Im Juli 2013 waren es noch 2.549 Fans auf Facebook und 2.239 Follower auf Twitter.

Bei beiden Netzwerken ist also ein leichter aber signifikanter Anstieg zu beobachten. Die Anzahl der Fans- und Follower sagt natürlich nichts über die Reichweite der jeweiligen Accounts aus.

Zudem ist eine große Spannbreite bei den Fanzahlen zu beobachten. Dies reicht von zweistelligen Anzahl von Fans bis hin zu über 400.000 Fans bei der Kanzlerin. 

 

 

Wie nutzen die Abgeordneten Twitter?


321 der 631 Abgeordneten haben einen eigenen Twitter-Account.
Dies entspricht 50,9 % der Bundestagsabgeordneten.
Dies entspricht eine Reduzierung von 2 Prozent.

Einen Überblick über alle Twitter-Accounts der Bundestagsabgeordneten liefert das Social-Media-Analyse-Portal Pluragraph.de hier.   


Bei der Twitter-Verbreitung liegen die Grünen wieder mit weitem Abstand an erster Stelle. Fast neun von zehn grünen Abgeordneten nutzen die 140-Zeichen-Kommunikation. Alle anderen Fraktionen können nur leichte relative Zugewinne verbuchen. Auch wenn die Abgeordneten der Volksparteien SPD und CDU im Wahlkampf eine Vielzahl von neuen Accounts angemeldet haben und diese auch einigermaßen aktiv nutzen bleibt die fraktionsweite Verbreitung des Microbloggingdienstes bei der CDU weiterhin unterdurchschnittlich.


Logo CDU/CSU-Fraktion im Bundestag
CDU/CSU-Bundestagsfraktion 


124 von 311 Abgeordneten haben einen Twitter-Account.
Dies entspricht:  39,8 %








Logo SPD-Bundestagsfraktion SPD-Bundestagsfraktion


99 von 193 Abgeordneten haben einen Twitter-Account.
Dies entspricht: 51,3%




Logo Linksfraktion im Bundestag 

  Linksfraktion  


  42 von 64 Abgeordneten haben einen Twitter-Account.
  Dies entspricht: 65,6%






Logo Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag   
  Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion  
 

  55 von 63 Abgeordneten haben einen Twitter-Account.
  Dies entspricht: 87,3%








Wie nutzen die Abgeordneten YouTube?

Logo YouTube


265 der 631 Abgeordneten haben einen eigenen YouTube-Account.
Dies entspricht 42,1 Prozent der Bundestagsabgeordneten.
Dies entspricht einem Rückgang von 3,5 Prozent. 

Am wenigsten YouTube-affin erscheint die Linksfraktion. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass die Fraktion selber einen sehr aktiven Fraktions-Kanal betreibt auf dem viele Reden der Abgeordneten und weitere Videos hochgeladen wurden. Am meisten wird das Videoportal innerhalb der Grünen Fraktion und bei der SPD genutzt.

Bei allen Fraktion ist eine leichte Abnahme der eigenen YouTube-Kanäle bzw. Profile sichtbar. Im Wahlkampf haben viele Kandidaten keine eigenen Kanäle genutzt, Wahlkampfvideos wurden über Parteikanäle hochgeladen. Ich nehme an, das die Nutzung eigener Kanäle in den kommenden Monaten wieder ansteigen wird.  

Logo CDU/CSU-Fraktion im Bundestag
CDU/CSU-Bundestagsfraktion 


107 von 311 Abgeordneten haben einen YouTube-Account.
Dies entspricht:  34,4%








Logo SPD-Bundestagsfraktion SPD-Bundestagsfraktion


100 von 193 Abgeordneten haben einen YouTube-Account.
Dies entspricht: 51,8%




Logo Linksfraktion im Bundestag 

  Linksfraktion  


  20 von 64 Abgeordneten haben einen YouTube-Account.
  Dies entspricht: 31,3%






Logo Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag   
  Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion  
 

  36 von 63 Abgeordneten haben einen YouTube-Account.
  Dies entspricht: 57,1%









Wie nutzen die Abgeordneten XING? 



Logo XING165 der 631 Abgeordneten haben ein XING-Profil.
Dies entspricht 26,1 Prozent der Bundestagsabgeordneten.
Dies ist eine Steigerung von 0,3 Prozent.



Balkendiagramm
Mit der FDP-Fraktion hat die XING-affinste Fraktion das Parlament verlassen. Im Business-Netzwerk fühlten sich die Liberalen am wohlsten. Aber auch bei allen anderen Fraktionen gab es Zugewinne nach der Wahl. In der CDU/CSU-Fraktion nutzt nun zuj Beispiel fast jeder Dritte Abgeordnete XING. Bei der Linksfraktion bleibt man dem Netzwerk standhaft fern, nur ein Abgeordneter nutzt das in Hamburg ansässige Netzwerk.


Logo CDU/CSU-Fraktion im Bundestag
CDU/CSU-Bundestagsfraktion 


101 von 311 Abgeordneten haben ein XING-Profil.
Dies entspricht:  32,5%








Logo SPD-Bundestagsfraktion SPD-Bundestagsfraktion


47 von 193 Abgeordneten haben ein XING-Profil.
Dies entspricht: 24,4%





Logo Linksfraktion im Bundestag  
  Linksfraktion  


  1 von 64 Abgeordneten hat ein XING-Profil.
  Dies entspricht: 1,5%






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  Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion  
 

  15 von 63 Abgeordneten haben ein XING-Profil.
  Dies entspricht: 23,8%









Wie nutzen die Abgeordneten Google+? 


Logo Google+
173 der 631 Abgeordneten haben ein Google+ Profil.
Dies entspricht 27,4 Prozent der Bundestagsabgeordneten.
Dies ist eine Steigerung von 3 Prozent.

Für den Überblick über alle Google+-Profile der Bundestagsabgeordneten habe ich einen Kreis bei Google+ erstellt, in dem komischerweise nicht alle Profile öffentlich angezeigt werden.


Google+ holt auch bei den Abgeordneten auf. Hatten im Januar 2013 erst 16 Prozent aller Abgeordneten ein Profil beim noch relativ jungen Netzwerk von Google, ist es nun schon jeder vierte Parlamentarier. Bei Grünen, Linken und SPD ist es sogar schon jeder Dritte. Das stärkste Wachstum hat die SPD-Fraktion mit 9,3 Prozent im Vergleich zum Juli hingelegt.

Der Anstieg der Nutzung hat eventuell auch mit den massiven Aktivitäten von Google im Zusammenhang mit der Bundestagswahl zu tun. Unter anderem wurde ein Leitfaden für Politiker veröffentlicht, ein umfangreiches Wahlportal betrieben und eine Direktkandidatenkarte extra für die Wahl konzipiert.  


Logo CDU/CSU-Fraktion im Bundestag
CDU/CSU-Bundestagsfraktion 

66 von 311 Abgeordneten haben ein Google+ Profil.
Dies entspricht: 21,2%








Logo SPD-Bundestagsfraktion SPD-Bundestagsfraktion


64 von 193 Abgeordneten haben ein Google+ Profil.
Dies entspricht: 33,2%






Logo Linksfraktion im Bundestag  Linksfraktion  


  21 von 64 Abgeordneten haben ein Google+ Profil.
  Dies entspricht: 32,8%






Logo Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag   
  Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion  
 

 21 von 63 Abgeordneten haben ein Google+ Profil.
 Dies entspricht: 33,3%








Neben den hier aufgeführten meist genutzten Netzwerken besitzen einige Mitglieder des Bundestages zudem Accounts in folgenden weiteren sozialen Netzwerken: Flickr, wer-kennt-wen.de, Vimeo, Pinterest, LinkedIn, myspace und MeinVZ.

Aufgrund der geringen Nutzerzahlen verzichte ich aber auf eine Darstellung dieser Netzwerke.

Ich bin sehr gespannt, ob sich die Nutzerzahlen nach der Etablierung der 231 neuen Abgeordneten im "Hohen Haus" verändern werden und wenn ja, in welche Richtung? Es ist zu befürchten, das viele der eingerichteten Accounts reine Wahlkampfprofile waren und nach der Wahl nicht mehr bespielt werden. Erste Anzeichen hierfür gibt es bereits mit Abmeldungen von Profiilen sowohl bei Facebook und Twitter. Jeder Politiker, der dies tut zeigt damit aber dass er Social Media nicht verstanden hat. Denn das größte Potential der sozialen Netzwerke liegt gerade in der kontinuierlichen Kommunikation zwischen den Wahlen!  

Was mich erfreut sind die hohen Nutzerzahlen bei Facebook und Twitter. Spannend wäre nun eine anschließende breite Analyse der qualitativen Nutzung der Netzwerke. Dafür übergebe ich an die Wissenschaft und freue mich schon auf die Analysen und Gastbeitrage in diesem Blog u.a. vom ISPRAT-Projekt "Politiker im Netz" (.pdf) in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen oder der LMU München die in den kommenden Wochen hier erscheinen werden.

Die komplette wunderbare Infografik con UdL Digital mit allen wichtigen Zahlen auf einen Blick gibts entweder direkt drüben bei UdL Digital oder hier:

Quelle: UdL Digital





















































































Update 24.10.2013 Auch Statista hat die Zahlen in eine schöne Infografik gegossen, voila:

Quelle: Statista


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